Noch ein Zahnfilm.de Denker: Dr. David H. Pashley

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So sah der Wissenschaftler Dr. David H. Pashley, Prof. am Medical College (Universität) von Augusta, Georgia, USA vor etwa 15 Jahren aus. Bilder aus neuerer Zeit scheint es nicht zu geben. Zumindest weiß Google nichts davon, und das obwohl heutzutage wirklich jeder Tünnes (kölsche Bezeichung für jede Pappnase) im weltweiten Netz mit Bild aufzurufen ist. Privat ist also Dr. Pashley eine rare Erscheinung. Wissenschaftlich dagegen ist er ein Titan. Alleine Medline listet auf Anhieb 465 Artikel unter dem Suchbegriff „pashley dh“ beginnend von 1974 bis 2008. Diese Liste kann nicht vollständig sein, denn 1) hat die wissenschaftliche Karriere von Dr. Pashley schon 1964 begonnen und 2) listet Medline nur eine Untermenge aller weltweit erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften. Z.B. wird die deutschsprachige „Deutsche Zahnmedizinische Zeitschrift“ (DZZ) nicht erfasst.

Wie wichtig die Handvoll Menschen seiner Qualifikation auf dieser Welt sind, wird deutlich an folgendem Artikel, der 2004 in der brasilianischen Zeitschrift „Journal of Applied Oral Science“ erschienen unter dem Titel „Water movement across bonded dentin – too much of a good thing“ von den Herren: Franklin R. Tay I; Ricardo M. Carvalho II; David H. Pashley III“, der im Volltext hier (natürlich in Englisch) zugänglich ist. Am Anfang stellt der Artikel die Vereinfachung der Bonder vom 3 Flaschen System bis zum 1 Flaschen Bonder dar. Dann zeigt er, dass die Vereinfachungen ihren Preis haben. Und etwa in der Mitte des Artikels kommt der Hammer. Das ist das Bild mit der Überschrift „Figure 9“.

Was ist das? Das ist ein ganz eleganter Versuch, um die vielen Enthusiasten unter den Kunststoff Kollegen zum Nachdenken zu veranlassen. Es geht so: Man nimmt einen echten Zahn im Mund, macht keine Ätzung mit Phosphorsäure, sondern nimmt ein Ein-Flaschen-Präparat, (also Ätzmittel, Primer und Bonder in einem), appliziert das nach Vorschrift, trocknet, belichtet usw. und dann tut man darauf ein Komposit, belichtet das aber nicht sofort, sondern erst nach 20 Minuten. Dann findet man nach dem Auseinanderbrechen an der Klebestelle links oben das Bild von der Dentinklebeseite und rechts unten das Bild von der Kompositeklebeseite.

Was stimmt daran nicht? Im Kunststoff (= Komposite) hat es Löcher im Abstand der Dentintubuli. Wie kommt das? Der belichtete 1 Flaschen Bonder ist eine semipermeable Membran, die Wasser aus den Dentintubuli durchläßt, ganz einfach.

Prof. Dr. D.H. Pashley ist inzwischen auch schon emeritiert – die guten Leute sterben halt alle aus – aber er ist immer noch fleißig am forschen. Für 2008 sind schon erste Arbeiten angekündigt. Er steht Komposite seit Jahren eher reserviert gegenüber. Wer ein bißchen Englisch beherrscht, sollte sich den Original-Artikel zu Gemüte führen. Es lohnt sich.

PS: erinnert nur mich dieser Mensch an Harald Schmidt?

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