Migräne – praktischer Fall

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Und hatte ich gestern die langjährige Patientin M.C. auf dem Behandlungsstuhl. Der Grund ihres Besuches waren wieder mal Schmerzen im Bereich der linken oberen Backenzähne. Am vergangenen Wochenende war es so schlimm, dass sie Tabletten nehmen mußte. Aber: die Schmerzen waren völlig unabhängig vom Essen (warm/kalt) und Kauen (Riss etc.). Natürlich habe ich alle Zähne links oben erneut mit Kälte- und Klopftest geprobt; alle waren ohne Befund. Das war auch zu erwarten, denn aus der Krankenakte ging hervor, dass diese Schmerzsymptome links oben seit 1998 immer wieder auftauchen. Von meiner Seite wurden auch schon die meisten Füllungen erneuert, und zwar absichtlich mit Amalgam, um den bekannten Pulpaproblemen mit Kunststoff aus dem Weg zu gehen. Die neuen Füllungen haben nichts genutzt, denn die Schmerzattacken blieben.In den letzten beiden Jahren habe ich darum die Taktik geändert und statt Bohraktionen nur noch Röntgenbilder angefertigt. Aus denen konnte man keinen Behandlungsbedarf ableiten.

Gestern ließ ich aber zum ersten Mal die Worte „atypischer Gesichtsschmerz“ fallen. Die Pat. meinte sofort: „das liegt in der Familie“. Das war der Einstieg in die Familiengeschichte. Ihr Vater hat zur Zeit Clusterkopfschmerzen, besser bekannt unter der Bezeichnung „Selbstmord-Kopfschmerzen“. Die Pat. berichtete genau das: ihr Vater sei kurz davor gewesen, einfach weil die Schmerzen so furchtbar stark sind, und die normalen Schmerzmittel absolut unwirksam sind.

Und dann ihre Tochter. Die ist gestern wieder mal vorzeitig von der Schule zurückgekommen wegen Migräne. Sie hat sehr oft Migräne. So schließt sich der Kreis. Von der Migräne ist inzwischen sicher nachgewiesen, dass sie erblich ist. Meine Vermutung ist daher, dass der „Zahnschmerz“ dieser Pat. wahrscheinlich genetisch bedingt ist, und mit den Zähnen absolut nichts zu tun hat.

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