Des Enfants & Schwangerschaften

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Ihr Autor befindet sich zur Zeit (Ende Februar 2008) auf Djerba, Tunesien in einem Club Med, der sich dadurch auszeichnet, zu 90% sortenrein französisch bevölkert zu sein. Nein, hier kommt jetzt kein „Quel dommage“ (Pech gehabt), aber aus der Teutonensicht gibt es schon Besonderheiten: mindestens die Hälfte aller Franzosen scheint mit einer Sonnenbrille auf die Welt gekommen zu sein, die sie wahrscheinlich auch im Bett nicht abnehmen. Schließlich dient die Sonnenbrille in erster Linie dem Gesichtsgesamtdesign und das ist immer wichtig. Apropos Design. Formelle Kleidung hasst der Franzose anscheinend wie der Teufel das Weihwasser. Zum Frühstück, Mittagsbuffet und erst recht zum Abendessen um 20:00 erscheint die Grande Nation am liebsten im Schlabberlook, allerdings muss es die Edelausgabe des Schlabberlooks vom Couturier sein. Also bunt, sehr individuell und auf keinen Fall konservativ, so etwas zieht sich Frankreich heute an. Die Einzigen, die mit Anzug und / oder Kostüm auffallen, sind die Animateure/eusen und Deutsche.

Noch immer hängt unseren westlichen Nachbarn der Ruf nach, besonders viel und mittags schon roten Rotwein wie Wasser zu sich zu nehmen. Dieser ehemalige Durst auf verstärkten Alkohol muss aber irgendwie aus der Mode gekommen sein. Auf dem Tisch steht heute keineswegs mehr automatisch die Weinflasche. Und schaut man sich zu später Stunde um und zählt die Flaschen auf den Tischen, dann sind nur noch wenige ernsthafte Trinker übriggeblieben. Das gleiche Trauerspiel erleben gerade auch die Raucher. Geraucht werden darf sowieso nur noch im Freien und auch da sind es nur noch verschämte Einzelkämpfer, die sich erdreisten, einen Luftverpester zu entzünden.

Dass der und die Gallier/in temperaturfest und diesbezüglich schmerzfrei ist, muss nicht extra erwähnt werden. Tagestemperaturen von 18 Grad Celsius mit Wind werden selbstverständlich im Bikini am Strand ausgehalten und ansonsten gilt: nur Weicheier, Tunesier und Deutsche haben im Februar in Djerba lange Hosen an.

Außer auf Entbindungsstationen gibt es auch keinen Ort, an dem sich so viele Schwangere konzentrieren, wie in einem Feriendorf mit überwiegend französischer Belegung. Einer ganzen Menge 3 bis 5 Monats Schwangeren, einer 7 Monatigen, dazu eines schlecht feststellbaren Haufens mit 0 bis 3 Monaten wurde Ihr Autor angesichtig, von den vielen Möchtegern Müttern, die sich aufgebretzelt in den Katakomben des recht lebendigen Nachtlebens des Clubs herumdrückten, ganz zu schweigen. Die Ergebnisse dieser Bemühungen „des enfants“ [ausgesprochen: desofohs], die Kinder gab es dann auch in einer entsprechenden Fülle, merkwürdigerweise zur Nichtferienzeit und merkwürdigerweise im nicht ganz preisgünstigen Ferienclub. Sie reisen mit allemann, ob schwanger oder nicht, und sind gerne Vater und Mutter. Das gibt mir Deutschem zu denken und zeigt, wie die Prioritäten auch anders gesetzt werden können. Chapeau (Hut ab)!

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