Funktionsanalyse hält 32% gesunde Kiefergelenke für krank

Lesen Sie auch die Artikel  Wissenschaft ist zum Unterpflügen da, meint die DGFDT   und  CMD … und das Wissen dazu ist begrenzt   aus der Rubrik Biss, Knirschen und ‚Funktion‘

mritmd.jpg Zuerst der schwierige Teil; die Fachbegriffe.

Sensivität = der Anteil an Kranken, bei denen eine Krankheit festgestellt wurde.

Spezifität = der Anteil an Gesunden, bei denen keine Krankheit festgestellt wurde.

Internal Derangement = Diskus Dislokation mit Reposition

Internal Derangement Type III = Diskus Dislokation ohne Reposition  

Die beiden Tabellen kommen aus einer Untersuchung Innsbrucker Zahnmedizinern , die 69 Patienten mit TMD Schmerzen zunächst handuntersucht haben und auf dieser Basis eine CDC/TMD Diagnose (im deutschen Sprachgebrauch CMD genannt) erstellt. Anschließend wurden die Kiefergelenke der Patienten mit Hilfe eines Kernspingerätes abgebildet und die Aufnahmen von Spezialisten ausgewertet, die keine Kenntnis von der Erstdiagnose hatten.

Tabelle 4 zeigt jetzt den Zusammenhang der beiden Methoden auf der Basis von Sensitivität und Spezifität. Dabei gehen wir davon aus, dass die Kernspinaufnahme als sogenannte „objektive“ Methode den wahren Zustand des Kiefergelenks zeigt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Handmethode ein krankes Kiefergelenk als krank erkennt 76% (Spalte Total) und die Wahrscheinlichkeit ein gesundes Gelenk als gesund zu erkennen nur 68%.

Tabelle 5 rechnet das Ganze noch weiter zusammen und sagt über den sogenannten K1 Wert, wie zuverlässig die Übereinstimmung zwischen Handuntersuchung und Kernspin bezüglich des Zustandes des Kiefergelenks ist: für die Diskus Dislokation mit Reposition ist der K1 Wert 0,28, was „keine Verläßlichkeit“ bedeutet und für die Diskus Dislokation ohne Reposition liegt der K1 Wert bei 0.57, was einer schlechten Zuverlässigkeit entspricht.

 

Übersetzung dieser Ansammlung von Fachausdrücken für Nichtfachleute:

  • Die Funktionsanalyse des Kiefergelenks (das ist letzten Endes die hier angewendete Handmethode) erkennt im Durchschnitt 24% kranke Kiefergelenke nicht als krank (Falsch-Negativ) und dafür 32% gesunde Kiefergelenke als krank (Falsch-Positiv).
  • Besonders schlecht ist die Übereinstimmung zwischen der leichteren Form von Kiefergelenksfehlern (Diskus Dislokation mit Reposition) und der Funktionsanalyse.

 

Die Herren Wissenschaftler kommen in ihrer Schlussfolgerung dann dahin zu sagen, dass erst durch eine Kernspinaufnahme die Diagnose zu stellen sei.  Das ist nun allerdings kompletter Unsinn, der sogar unsere konservativen Funktionsanalysten noch patientenfreundlich aussehen lässt.  Wieso das? Sie machen den großen und alles entscheidenden Denkfehler, den ominösen Befund „Diskus Dislokation mit und ohne Blabla“ unkritisch als Krankheit zu betrachten. Das ist aber nicht zulässig, denn was bitte soll krankhaft sein an einem Menschen, der seit Jahren eine nachweisliche Diskus Dislokation ohne Reposition hat, aber nie Schmerzen daran? Und diese Fälle gibt es gar nicht selten (mehr als 20 % der Bevölkerung). 

Hier muss umgedacht werden. Was ist krank? 

One Reply to “Funktionsanalyse hält 32% gesunde Kiefergelenke für krank”

  1. Funktionsanalysen
    Danke für den Artikel. Denn wegen dieser umstrittenen Frage bzw. den Kosten der Abrechnung (800 Nummern) werde ich auf Zahlung verklagt. Bzw. wird vor Gericht über die Zahlung der Zahnarztleistung verhandelt.

    Für die Funktionsanalyse wurden seitens des Zahnarztes keine 10 Minuten verschwendet. Deshalb wurde ich u. a. skeptisch.

    Ich könnte noch mehr dazu schreiben..
    Wenn Sie Interesse an der Situation haben, würde ich mich über eine Rückantwort freuen.

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