98% der Kollegen/innen hätten hier operiert

Dazu passt auch der Artikel Revision statt WSR und DGZMK überarbeitet umstrittene Kofferdam-Leitlinie aus der Rubrik Wurzel-Behandlung

qw1.jpgVor einem halben Jahr, im September 2007, sah die Lage am Zahn 21 meines langjährigen 55-jährigen Patienten so aus: Der abgestorbene Zahnnerv war voll bakteriell besiedelt und das hatte eine Knochenauflösung an der Wurzelspitze mit einem geschätzten Durchmesser von 12 mm verursacht. Der Patient hatte übrigens zu keinem Zeitpunkt Beschwerden daran.

 

Ganz neutral heißt diese Erkrankung apikale Ostitis = Knochenentzündung an der Wurzelspitze. Natürlich wird hier jeder Zahnheilkundige sogleich das Wort „Zyste“ in den Mund nehmen, ganz so, als wäre der Zustand „Zyste“ etwas völlig anderes als eine große apikale Ostitis.

 

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Entsprechend der gestellten Diagnose habe ich hier eine indikationsgerechte (auf die Ursache bezogene) Behandlung eingeleitet, die darin bestand, den Hauptkanal des Zahns 21 mit Handinstrumenten zu säubern das infizierte Wurzeldentin mit einer 3-maligen Einlage von CHKM (Chlor-Kampfer-Menthol) in der Original Lösung nach Dr. Walkhoff zu desinfizieren. Anschließend erhielt der 21 eine Wurzelfüllung aus Endomethasone mit einem Guttapercha Stift, die hier etwas zu lang ausgefallen ist.  

 

6 Monate später ist das Ergebnis da:

 

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Nicht schlecht; möchte ich diesmal mein eigenes Werk loben. Die „Zyste“ hat sich von alleine verflüchtigt. Der Knochen ist wieder zurückgekehrt. Der Parodontalspalt ist mehr oder weniger wieder vollständig um die Wurzelspitze des 21 herum sichtbar. Hier kann – ohne Übertreibung – von einer Heilung gesprochen werden. Für die akademischen Erbsenzähler: die sogenannte „Überstopfung“ wird von einigen Lehrmeinungen als Misserfolg und Grund zur operativen Vorgehensweise gewertet. Wir wissen heute, dass das unberechtigt ist, weil diese Fremdkörper a) in 10 Jahren garantiert von alleine verschwunden sind und b) die leichte Entzündungsreaktion auf Fremdkörper keine Bedrohung für das Gewebe darstellt im Gegensatz zur Infektion mit lebenden Mikrobiota, die vorher bestand.

 

Also zur Wiederholung: Diese „Zyste“ wurde dadurch beseitigt, dass die Ursache sachgerecht bekämpft wurde. Diese Behandlung erforderte den Einsatz einer wirksamen antimikrobiellen Substanz über eine angemessen lange Zeit im ganzen Zahn. Das war in diesem Fall eine mehrfache Einlage von CHKM über etwa 4 Wochen. Offensichtlich hat keine Mikrobe diese Attacke überlebt, was an der knochendichten Ausheilung der Wurzelspitze zu sehen ist.

Hätte ich hier – wie 98% der Kollegen – den Chirurg bemüht, dann wäre a) eine relativ schmerzhafte Operation notwendig gewesen, b) das typische Restloch im Knochen an der Wurzelspitze auch jetzt immer noch da und c) die eigentliche Ursache keineswegs sicher bekämpft, was sich in den schlechten Erfolgsquoten von WSRs auf die lange Sicht niederschlägt.

One Reply to “98% der Kollegen/innen hätten hier operiert”

  1. RE: 98% der Kollegen/innen hätten hier operiert
    Wie kommen sie auf so hohe Zahlen von 98%, die sie selbst in ein selbstverherrlichendes Licht stellen sollen. Ich bin FZA für Oralchirurgie und sogar ich behandel hier primär konservativ endodontisch. Bitte fügen sie hier eine Literaturstelle an um ihre These zu untermauern damit nicht der Eindruck einer subjektiven Meinungsäußerung erzeugt wird.
    Viele Grüße, Markus

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