Immer noch Schulnote 6: unsere Kariesdiagnostik

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Die Auto-Bild vom 21.10.2005 zeigt wie es richtig gemacht wird, wie heute ein Qualitätstest von Dienstleistern aussehen muss. Getestet wurden die Kundendienst-Werkstätten von Toyota. Autobild präparierte dazu 8 Wagen von ganz normalen Autobesitzern mit 7 genau definierten Fehlern, die zusammen mit Fachleuten so festgelegt wurden, wie sie typischerweise auch im wirklichen Leben vorkommen, wie z.B. verstellte Scheinwerfer, ausgehängte Kraftstoffleitung etc.. Dazu muß noch gesagt werden, dass die meisten dieser Fehler auch in den Checklisten des Herstellers aufgeführt sind, also eigentlich auch geprüft werden müßten.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass ein einziger Betrieb alle 7 Mängel behob, und die Mehrheit mehr als 3 Fehler, darunter viele sicherheitsrelevante, erst gar nicht entdeckte. Interessant war auch die Beschreibung der sogenannten „Dialogannahme“. Es geht dabei um die Methodik der Entgegennahme der Kundenwünsche, wie läuft das ab, was wird schriftlich festgehalten, bekommt der Kunde einen Durchschlag seines Auftrags, gibts was zum Sitzen und einen Kaffee beim Erteilen von Aufträgen von einigen hundert Euro, oder passiert das alles zwischen Tür und Angel?

Und nun zur Dienstleistungsstätte Zahnarztpraxis: Gibt es so etwas, wie die Checklisten des Herstellers, die die Fehlersuche systematisieren und vereinfachen sollen? Wenn ja, werden sie ebenfalls so nachlässig abgearbeitet, wie in den angesprochenen Fällen?

Antwort: nein und ja. Nein, es gibt keine halbwegs verbindlichen Prüflisten, die abzuarbeiten wären, da macht jeder Behandler was er will. Ja, nachlässig ist es auch. Es geht los mit der relativ übersichtlichen Frage, wie und womit wird das Vorhandensein von Karies festgestellt?

Man sollte doch meinen, dass es im 21. Jahrhundert verlässliche und weltweit halbwegs übereinstimmende Methoden für die Kariesdiagnose gibt, die jeder Zahnarzt anwendet. Erstaunlicherweise ist das aber nicht so. Die Wissenschaftler bescheinigen uns Praktikern seit Jahren etwa die Hälfte der vorhandenen Löcher immer zu übersehen, dafür aber Füllungen überflüssigerweise zu erneuern, die als einziges Manko leichte Mängel an der Oberfläche zeigen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass es keine verbindliche Definition der sogenannten Sekundärkaries gibt. Was für den verantwortlichen Zahnarzt noch 5 Jahre weiterfunktionieren wird, ohne dass der Zahn Schaden nimmt, ist für den geschäftstüchtigen Kollegen ein glasklarer Fall von unbedingt notwendiger Erneuerung. Vergleichbar mit der Entscheidung, ob das Geräusch vom Getriebe mit dem Nachfüllen von Getriebeöl oder mit dem Erneuern der kompletten Getriebeeinheit behoben wird.

Im Ernst: es gibt in kaum einem so überschaubaren Raum, wie es der Mundraum nun mal ist, so viel Unterbehandlung und Überbehandlung nebeneinander. Da werden Hochleistungskeramikinlays in den einen Zahn gezimmert und direkt daneben gammelt es unter einer Plastikfüllung vor sich hin, weil grundlegende Röntgenkontrollen (Bissflügelaufnahmen) schlichtweg nicht vorgenommen werden. Für Interessierte steht hier mehr über die kleinen Skandale der zahnärztlichen Kariesdiagnostik.

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