Metaanalyse: Calcium Hydroxyd läßt Mikroben leben

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Antibacterial efficacy of calcium hydroxide intracanal dressing: a systematic review and meta-analysis

  • C. Sathorn,
  • P. Parashos &
  • H. Messer
  • Endodontic Unit, School of Dental Science, The University of Melbourne, Melbourne,Vic. Australia

Ziel: Herauszufinden, inwieweit Calcium Hydroxyd im Wurzelkanal Bakterien von menschlichen Zahnwurzeln beseitigt, verglichen mit den gleichen Kanälen vor der Ca-OH Behandlung. Gemessen wurde durch Bestimmung von positiv wachsenden Bakterien Kulturen von Patienten mit laufender Wurzelbehandlung an einem Zahn mit apikaler Ostitis (Zahn mit infiziertem Wurzel Kanalsystem).

Methoden: Central, Medline und Embase Datenbanken wurden abgesucht. Die Literaturlisten der gefunden Artikel wurde gescant. Die Autoren der Papiere wurden bis in die Gegenwart literarisch weiterverfolgt um möglicherweise nachfolgende Arbeiten zu finden.

Berichts Methode: Alle einbezogenen Studien waren vorher/nachher Tests von klinischen Fällen, in denen die Zahl der positivien Bakterien Kulturen der behandelten Kanäle verglichen wurden. Die Datensätze der Studien wurden unabhängig voneinander herausgezogen. Die Risiko Unterschiede der verschiedenen Studien wurde kombiniert durch die Nutzung einer generischen umgekehrten Varianz und dem Zufallseffekt.

Ergebnis: 8 Studien wurden ermittelt und in diesen Bericht einbezogen mit insgesamt 257 Fällen. Pro Untersuchung variierte die Fallzahl zwischen 18 und 60 Patienten. 6 Studien zeigten einen statistisch signifikanten Unterschied zwischen vor und nach Einbringen von Ca-OH in die Wurzelkanäle, aber 2 Studien zeigten keinen Unterschied. Es gab bemerkenswerte Differenzen zwischen den Studien. Legt man alle Ergebnisse zusammen, kommt eine gemeinschaftliches Risiko heraus: -21%; 95% CI: -47% to 6%. Die Differenz zwischen vor und nach Medikation (mit Ca-OH) war insgesamt statistisch nicht signifikant (P = 0.12).

Schlussfolgerung: Calcium Hydroxyd hat eine begrenzte Wirksamkeit beim Vernichten von Bakterien im menschlichen Wurzelkanälen, wenn man Kulturtechniken zum Nachweis benutzt. 


Kommentar: Genau hier liegt der Grund für die an sich unlogische Erkenntnis einer weiteren Metaanalyse von Studien, die der Frage nachgegangen sind, ob Wurzelbehandlungen besser in einer Sitzung oder mehreren Sitzungen durchgeführt werden sollten. Das merkwürdige Ergebnis war nämlich: das ist egal. Geht man davon aus, dass die eigentliche Ursache der Knochenentzündung die bakterielle Infektion der Wurzel ist, erstaunt ein solches Resultat schon. Wozu desinfizieren wir denn jetzt überhaupt den Wurzelkanal, wenn das Ergebnis sowieso egal ist und – wie hier oben gezeigt – der Stoff Ca-OH das auch gar nicht leisten kann?
 
Weil ungefähr 20% bis 30% aller Wurzelbehandlungen bei genauem Hinschauen im Röntgenbild doch Entzündungen an der Wurzelspitze zeigen, und weil diese Entzündungen dann verschwinden, wenn man die Wurzelfüllungen entfernt, die Wurzeln anschließend mit leistungsfähigerem Desinfektionsmittel beschickt und ihnen genügend Zeit (Wochen) läßt.
 
Das zeigt zweierlei: 1) Die bakterielle Verursachung von Entzündungen an der Wurzelspitze durch nicht ausreichende Desinfektion ist hochwahrscheinlich und 2) Ca-OH ist in der Endodontie nicht mehr das Maß der Dinge.

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