Bildungslücke der Kollegin kostet Patientin

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zieh.jpg Eine 20-jährige Neupatientin kommt am Montag dieser Woche mit folgender Geschichte: am Freitag davor hat ihre Zahnärztin links unten den 37 für eine Krone abgeschliffen. Seitdem nimmt der Druck an dem Zahn immer mehr zu und sie hat auch schon eine Verdickung im Zahnfleisch außen im Wurzelbereich. Heute, am Montag, war sie in Begleitung ihrer Mutter bei der Kollegin, um irgendeine Maßnahme durchführen zu lassen. Die Zahnärztin wirft einen kurzen Blick auf die Situation, drückt relativ grob auf die Verdickung, worauf der Schmerz die Patientin zusammenzucken läßt und kommentiert dann "ja, wenn Sie sich so anstellen, dann können wir hier nichts machen". Mit diesen Worten und einer Überweisung zum Chirurgen zwecks Entfernung des Zahns und einem Rezept mit Antibiotikum wird die junge Frau aus der Praxis entlassen.

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Und so sieht die Baustelle im Mund aus, nachdem die Turbine 5 Minuten den Plastikaufbau obendrüber weggeräumt hat. Beachten Sie bitte, dass bis zu diesem Foto noch keine einzige Nervnadel oder ähnliches Werkzeug im Einsatz ist. Es genügt hier also völlig, den Deckel über dem Eiter wegzubohren und schon fließt es gelblich heraus.

 In diesem Foto ist der Eingang zum distalen Kanal zu sehen. Die Erklärung für Nichtfachleute: Im Röntgenbild oben sieht man bereits, dass es eine fette Entzündung des Knochens an beiden Wurzeln des Zahns hat. Dazu sieht man auch noch, dass die hintere Wurzel nur teilweise gefüllt ist, also auch noch Luft enthält. Von diesen Bereichen wissen wir, dass sie zu 99,99% bakteriell besiedelt sind. Und das ist hier 100% sicher auch so gewesen, weshalb der Körper mit Eiterbildung (= weiße Blutzellen, Abwehrzellen, Abbauprodukte von Gewebe) reagiert hat.

 


Warum hat die Kollegin nicht einfach das gemacht, was ich hier durchgeführt habe? Also Entfernung des Kunststoffs, Entfernung der Wurzelfüllung?

 

Dafür gibt es eine Mehrzahl von ganz vernünftigen Gründen:

  1. Sie wird dafür nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt. Im Unterschied zur Wiederholung einer WSR ist die Wiederholung einer Wurzelbehandlung keine Kassenleistung. Das ist pervers, aber das ist die Wirklichkeit im Jahr 2008.
  2. Die Zahnärztin hat eine erste Wurzelbehandlung eingebracht, die schief gegangen ist. Warum soll die nächste plötzlich funktionieren , bei gleichbleibendem Standard? Also lautet die Frage: Gleich sein lassen, oder
  3. Aufwand erhöhen? Der Zahn ist ein unterer 7er. Da kommt man nicht übermäßig gut dran. Für den großen Endodontisten Aufwand von 1000 Euro nur für die Wurzelbehandlung fehlt der Patientin aber das Geld.

Warum führe ich als Zweitbehandler jetzt doch diese Revision aus?

  • Weil ich die Wurzelbehandlung wieder normal mit der Krankenkasse abrechnen kann. Für mich ist das die Erstbehandlung.
  • Weil ich privat dazu Euro 80,– kassiere für die Anwendung von CHKM in 3 Extra Sitzungen.
  • Weil ich mir mit der mechanischen Aufbereitung keine besondere Mühe gebe, denn wichtig ist nur das Umbringen aller Mikroben. Das macht die Flüssigchemie alleine, ohne mich, ich muß nur dafür sorgen, dass sie überall in der Wurzel hinkommen kann. Das hier angesprochene Prinzip heißt Timbuktu Methode .

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