Parodontax und multiple Karies

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Wichtige Artikel dazu  Mit Miniaufwand den Maxieffekt erzielen und Casein Phosphopeptides demnächst in Sport-Drinks und GIZ aus der Rubrik Karies praktisch und theoretisch

pardontaks.jpg Diese Zahnpasta nennt sich Parodontax Classic und enthält sträflicherweise kein Fluorid. Für die mitlesenden Rechtsanwälte der Firma GlaxoSmithKline Consumer Healthcare GmbH & Co. KG, die der Hersteller dieses Produktes ist, schreibe ich hier ausdrücklich, dass es dieses Produkt auch als Parodontax +Fluorid gibt. Der Werbetext für die "Classic" Tube liest sich so:

parodontax® Classic:
Zum Schutz vor Zahnfleischbluten und Parodontitis.

parodontax® Classic ist eine Zahncreme mit einer speziellen Kräuter-Mineralsalz-Kombination aus Pfefferminze, Salbei, Kamille, Echinacea, Myrrhe und Ratanhia sowie einem Mineralsalz, die das Zahnfleisch auf eine besondere Weise schützt….

Das sind vertrauenerweckende Worte, die besonders gut bei Bio- und Grünenanhängern verfangen. Kräuter können gar nicht verkehrt sein und schützen ist auch immer richtig. 

Dass einer der größten Pharma-Unternehmen der Welt es tatsächlich fertig bringt, die einzige wirklich wichtige Substanz in der Zahnpasta wegzulassen, nur um am rechten (angeblich biologischen) Rand der Chemieverweigerer auch noch Umsatz abzugreifen, obwohl die zuständigen Fachleute im eigenen Konzern genau wissen müßten, was sie da nicht richtig machen, das erstaunt mich als Zahnarzt wirklich. Warum riskiert ein so großer Hersteller seinen Namen mit dieser wissenschaftlichen Problemmischung? So etwas überläßt man doch tunlichst den kleinen Klitschen, die man – falls die öffentliche Meinung in Deutschland in Bezug auf Fluor zur Vernunft zurückkehrt  – über die Klinge springen lassen kann.

Wozu die Aufregung, wird sich der ein oder andere fragen?

Folgender Fall: Patientin, 39 Jahre, ist seit 2006 bei uns in Behandlung. Seitdem wurden erforderlich: im Juli 2006 eine Trepanation (Eröffnung des abgestorbenen Zahnnerven) am 45 und dann …

roe14.jpg … im  Dezember 2006 eine Schmerzbehandlung wegen tiefer Karies am Zahn 36, hier im Röntgenbild der linke Zahn. Unter dem Metall, das weiß aussieht, ist eine wolkige Struktur zu erkennen, das ist die riesige Zementfüllung, die jetzt den Raum der Karies ausfüllt. Der Rettungsversuch für diesen Zahnnerv hat leider versagt. Im Januar 2007 war die Wurzelbehandlung mit Entfernung des pulpitischen Zahnnervs nicht mehr zu umgehen.
 roe13.jpg  Auf diesem Bißflügel-Röntgenbild vom Juni 2007 zeigt sich tiefe Karies an allen 4 Seitenzähnen auf der rechten Seite.
 roe12.jpg  Das heutige Röntgenbild links oben beweist tiefe Karies am 25 und 27.
 roe11.jpg  Das ist noch eine Einzelaufnahme von heute von den 2 Backenzähnen rechts oben mit aggressiver Karies unter Goldinlays.

 

Heute stellte sich die Patientin mit dem Nerven am Ende erneut vor, um von mir die Entfernung des stark schmerzenden Zahns 47 (rechts unten der Letzte, der auch eine notfallmäßige Zementfüllung trägt) zu verlangen. Eine weitere Wurzelfüllung lehnte die leidgeprüfte Patientin aus der gemachten Erfahrung mit den bisherigen beiden Zähnen ab. Schön. Also Anästhesie, Werkzeug parat gelegt und los geht es. Alleine hatten wir die Rechnung ohne den Zahn gemacht. Trotz großer Bemühungen, nicht wenig Erfahrung und gut wirkender Anästhesie mußte der Extraktionsversuch nach 45 Minuten wegen nicht erkennbarer Lockerung des noch vorhandenen Wurzelrestes ("festgelötet im Knochen, unfassbar") abgebrochen und an einen Kieferchirurg überwiesen werden.

 Das war der Moment um innezuhalten und sich Fragen zu stellen:

  1. Wieso knallt es hier alle paar Monate so schmerzhaft?
  2. Was genau führt bei einer erwachsenen Frau zu diesem exorbitanten Kariesrisiko?

Frage 1 ist relativ leicht zu beantworten. Schaut man sich die die Röntgenbilder an, dann haben lockere 50% aller Seitenzähne eine Karies, davon viele in pulpagefährdender Größe. Das erklärt die Häufigkeit und die Schwere der Schmerzen. Es geht also jedes mal um die Existenz eines Zahnnerven und inzwischen auch schon um die Existenz des Zahns selbst, weil die Patientin nicht mehr belastbar genug ist.

Frage 2, das Kariesrisiko. Auf genaue Nachfrage sagt Frau B., dass sie garantiert kein zuckerhaltiges Getränk zu sich nimmt, auch keinen gezuckerten Kaffee, denn sie trinkt hauptsächlich Wasser und Kaffee ohne. Tabletten aus der Reihe Betablocker (gegen Bluthochdruck) und Antidepressiva nimmt sie nicht,  auch keine sonstigen nennenswerten Mengen an Pharmaprodukten und eine Vorschädigung der Speicheldrüsen durch Gammastrahlen (Krebsbehandlung) liegt auch nicht vor. Jetzt kommt die Zahnpasta: Parodontax würde sie nehmen. Bingo.


Natürlich ist es schwierig, eine eindeutige Beziehung zwischen der Verwendung von nicht fluorhaltiger Zahnpasta und auffallend hohem Kariesniveau abzuleiten, gerade bei einem Einzelfall. Was spricht aus meiner Sicht für eine Ursache-Wirkungsbeziehung? a) meine Erwachsenen mit hohem Kariesrisiko unter 70 Jahren kann ich an den Fingern einer Hand abzählen, das sind seltene Spezies. Alle haben Besonderheiten, einer ist z.B. Saftvertreter und muss immer mitprobieren, sagt er. b) wir wissen vom Kariesrückgang der letzten 50 Jahre, dass das fast ausschließlich mit dem Fluoreintrag per Zahnpasta in die Münder zusammenhängt, c) aus systematischen Reihenuntersuchungen der 60er Jahre ist der wichtige Einfluss von regelmäßigen kleinen Mengen Fluor auf die Zähne bekannt, vor allem auch der Effekt von fehlendem Fluor.

4 Replies to “Parodontax und multiple Karies”

  1. RE: Parodontax und multiple Karies
    😉 Seit Parodontax auf dem Markt ist, verwende ich diese Zahncreme und zwar das Produkt ohne Fluor. Ich ernähre mich überwiegend sehr gesund, esse aber in Maßen und auch nicht jeden Tag, sondern an ca. 8 Tagen im Monat Süßigkeiten. Da ich oft nur durch den Mund atmen kann, kleben kariogene Lebensmittel ziemlich gut an meinen Zähnen. Deswegen esse ich, wenn ich das Bedürfnis habe, gleich am Anschluss an das Mittagessen, eine ausreichende Menge Süßigkeiten, esse evtl. danach ein kleines Stück Möhre und warte 15 min. bevor ich mir die Zähne putze. Sicherlich haben sie auch das mit Ihrer Patientin abgeklärt, dass für die Entstehung von Karies eben auch die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme von großer Bedeutung ist. Ich beobachte aber immer wieder, dass viele Menschen das nicht wissen. Schade, dass nicht alle Zahnärzte eine excellente Prophylaxearbeit leisten.
    Ich zweifle daran dass die Minderung der Kariesanfälligkeit in der Bevölkerung an der Verwendung von fluoridierten Zahncremes festgemacht werden kann. Der ausschlaggebende Faktor ist für mich die bessere Aufklärung im Bereich Mundhygiene. Wenn ich zurückblicke, was an Aufklärungsarbeit heute und noch vor 30 Jahren durch Zahnarztpraxen geleistet wurde und heute wird ist das eine sehr glückliche Entwicklung. Wenn meine Generation damals mit 8 Jahren so gut aufgeklärt worden wäre, hätte ein großer Teil dieser Personengruppe keine Füllungen.
    Ich habe unter langjähriger Verwendung von Parodontax ohne Fluor keine Karies bekommen. Ich bin kein Fluorgegner und würde es sofort nehmen wenn es angezeigt ist. Dann aber in regelmäßigen Abständen in Form von Gelee.

  2. RE: Parodontax und multiple Karies
    Zitat:Seit Parodontax auf dem Markt ist, verwende ich diese Zahncreme und zwar das Produkt ohne Fluor. 😡

    Nun stelle ich fest das da jemand nicht vom Fach scheint, da ja nicht Fluor sondern Fluoride in der Zahnpasta enthalten sind. Denn FLUOR ist giftig!!! Und genau aus diesem Grund kann ich diesen Kommentar auch nicht ernst nehmen! Es ist eindeutig erwiesen das Fluoride für die Zähne sehr wichtig ist um sie eben widerstandsfähiger gegen Bakterien zu machen. Vielleicht sollte sich der ein oder andere mal intensiv mit dem Thema Prophylaxe beschäftigen und auch zu einer beim Zahnarzt angebotenen Prophylaxesprechstunde vorbeischauen um sich fachlich beraten zu lassen und nicht von solch unkompetenten Kommentaren verwirren lassen.

    grüße

  3. Schwachsinn!
    Flouride oder Flour…
    Schaut mal unter Wikipedia..oder youtube.
    Die zusammenhaenge des menschlichen Korpers und Flouride ist aeusserst bedenklich!
    Industriegerichtetes Marketing mit selektierten Studien sind eine Verblendung des Wissens der Goetter in weiss (zu denen ich auch gezaehlt habe)
    Gruss

  4. RE: Parodontax und multiple Karies
    Hallo Hans, Ihr Beitrag ist ein weiteres Beispiel, dass man nicht alles glauben sollte, was im Internet steht. Dass Sie ein Gott in Weiß gewesen sein wollen, möchte ich bewiesen haben. Und dann hätte ich gerne noch Fluorid richtig geschrieben. (spell it right) Mit freundlichen Grüßen Joachim Wagner

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