Der Sonnenkönig, der trotz seiner Ärzte überlebte

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Der "Roi Soleil", Louis XIV de France (1638 – 1715), wurde nicht wegen der intensiven Betreuung durch seine Leibärzte fast 77 Jahre alt, sondern trotz ihrer Eingriffe. Die besten Ärzte seiner Zeit verfügten nur über ein begrenztes Repertoire an Methoden, und die tonangebende Lehre der Pariser Sorbonne setzte als Allheilmittel auf den Aderlaß. Der Gestank, den der Sonnenkönig nachweislich verbreitete, illustriert das deutlich. Die Geschichtsschreibung will es, dass der notorische Geruch mangelnder Körperhygiene des mächtigsten Mannes in Europa zuzuschreiben war.

Diese Behauptung ist jetzt widerlegt worden. Ein neuerschienenes Buch, das gestern im DLF (Deutschlandfunk) vorgestellt wurde, kann beweisen, dass der langjährige Leibarzt Guy-Crescent Fagon den ganz schlimmen Mundgeruch verursacht hat. Mr. Fagon, ausgebildet an der Sorbonne, und mit dem Titel Médecin du roi versehen, hing fatalerweise der Lehre an, dass Zähne die Ursache vieler Krankheiten seien. Das vermittelte er dem jungen König so überzeugend, dass dieser in die Entfernung aller (!) Zähne einwilligte. Bei diesem Eingriff ohne jede Betäubung brach der Meister dem König nicht nur den Unterkiefer, sondern riß mit den oberen Seitenzähnen auch gleich noch den halben knöchernen Gaumen mit heraus. Die Wunde wurde 13 mal – wieder ohne Betäubung – mit einem glühenden Eisen desinfiziert.

Das Ergebnis war, dass zwar der Unterkieferbruch alleine heilte, aber im Gaumen ein riesiges Loch blieb, durch das der Wein, den der König reichlich genoss, zur Nase wieder herauslief. Auf gleichem Weg gelangten auch völlig unzerkaute Fleischteile in die Nase, die dort unerreichbar liegen blieben, und den bestialischen Geruch durch Zerfall hervorriefen. Die vielen Aderlässe, die der absolutistische Herrscher Frankreichs durch seine Ärzte erlitt, überlebte der Mann in erster Linie durch seine gesunde Konstitution und seinen sagenhaften Appetit. Er wäre sonst wesentlich früher das Opfer einer unreflektierten Expertenmeinung geworden.

Und was lehrt uns das: wir glauben zwar, dass wir heute die Zeit der Glaubens- , Lehr- und Expertenmeinung hinter uns haben, also eine rein wissenschaftlich orientierte Medizin vorfinden. Aber was ist denn dann mit den "ganzheitlichen Zahnärzten", deren Repertoire u.a. in der Entfernung von Amalgamzähnen, Kieferausfräsungen usw. bestehen. Von den dazu passenden Patienten ganz zu schweigen.

Übrigens: In Europa haben die Griechen die besten Karten, alt zu werden. Sie geben aber nur ein Siebtel dessen aus, was die Deutschen für ihren Medizinbetrieb für nötig erachten. Wie war das mit den Fortschritten in der Medizin ….?

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