Kariestherapie nach neuerem Konzept


Unser Patient soll in diesem Beispiel 46 Jahre alt sein, Herr M. heißen und seit 3 Jahren auf die glorreiche Idee gekommen sein, grünen Tee mit Honig zu seinem Leib- und Magengetränk erkoren zu haben. Wir begleiten den Mann seit 2003. Vor 3 Jahren hatte unser Patient einen leichten Herzinfarkt. etwaskar1.jpg
 Diese Karies existierte im Jahr 2005 definitiv nicht. Wenn ein erwachsener Mensch innerhalb von 3 Jahren eine solche tiefe Karies entwickelt, ist so gut wie immer ein zuckerhaltiges Getränk im Spiel. Darauf konnte ich ihn auch gezielt ansprechen.  sany0067.jpg
 Die Behandlung funktioniert relativ einfach: Ohne Anästhesie bohre ich mit der Turbine und einem kleinen Diamant eine kleine Zugangsöffnung durch den okklusalen Schmelz. Ab da ist die Arbeit für Bohrmaschinen jeglicher Art beendet. Hier beginnt die zahnärztliche Handarbeit.  sany0065.jpg
 Wenn die Handarbeit fast fertig ist, sieht die Lage so aus: es gibt eine kleine Zugangsöffnung von oben, dann eine kreisrundes Originalloch zum Nachbarzahn, eine Schmelzlamelle (kleine dunkelgefärbte Leiste) am unteren Rand des Originalloches und eine Höhle, die den Schmelz unterminiert (hohllegt).  sany0064.jpg
 Das weitere Vorgehen ist ebenfalls simpel: die Dentinoberfläche wird mit Konditioner (= Polyacrylsäure) von der Schmierschicht befreit, darauf kommt direkt – ohne Unterfüllung oder Kleber – GlasIonomerZement. In diesem Fall habe ich mich für Ketac Molar entschieden, was ziemlich regelmäßig der Fall ist.  sany0068.jpg
 Das ist die Ansicht von außen (bukkal sagen die Fachleute). Darauf sehen Sie so gut wie nichts, was auch Sinn der Übung war.  sany0070.jpg

 Hier haben Sie das wichtigste Bild der Serie. Hier ist der klare Beweis, dass 

a) Herr Wagner Restkaries unter seiner Glas Ionomer Zement Füllung belassen hat.

b) die intakte Schmelzleiste Richtung Zahnfleisch immer noch da ist

c) eine astreine Abdichtung der Großbaustelle Richtung Mundhöhle erzielt ist

d) der Abstand zwischen der Restkaries und der Pulpa schätzungsweise kleiner als 0,5 mm ist.

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Besprechung

99% aller Kolleg/innen in Deutschland hätten Hemmungen, eine solche Bildserie in einen Blog zu stellen. Weil sie Angst haben würden, eines bewiesenen Kunstfehlers geziehen zu werden. „Karies unter einer frischen Füllung belassen“ gilt noch als Sakrileg – unter den Zahnmedizinern. 

Aber, die Zeiten ändern sich. Dental Caries: The Disease and Its Clinical Management (Gebundene Ausgabe) heißt ein gar nicht so neues Buch (2003) auf dem amerikanischen Fachbuchmarkt. Aus diesem Werk werden Sie hier in diesem Blog demnächst einige Neuigkeiten erfahren. U.a. auch die Frage, warum das Versiegeln von Karies wichtiger ist, als das Bohren.

PS: der Patient ist über das Vorgehen im Bilde, insbesondere auch über die absichtlich belassene Restkaries. Diese Aufklärung ist notwendig, falls ein weiterer Behandler den Zahn zu Gesicht bekommt und – wie die überwiegende Mehrheit der Zahnmediziner hierzulande – von den neuen Ideen noch gar keine Ahnung hat.

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