Bohren oder nicht Bohren – Prof. Dr. Nyvad hat neue Ideen

Lesen Sie auch die Artikel Schnellkaries bei 12-Jähriger  und  Wie schnell ist Karies aus der Rubrik Karies praktisch und theoretisch

dsc_1433-1.jpg Wie versprochen gibt es hier die ersten Bilder aus dem Lehrbuch "Dental Caries The Disease and its Clinical Management" Second Edition, 2008. In diesem Abschnitt geht es um die Frage: bohren oder nicht bohren. Als Nicht -Zahnmediziner sehen Sie vielleicht gar nicht, wo hier überall Karies zu erkennen ist. Ich sage es Ihnen: im Bild a) ist es der kreideweiße Rand am Zahnfleisch, Bild b) die weißliche Spur in dem "Tal" im Bild nach oben, mit Schwerpunkt in der Kreuzung, Bild c) die weiße Linie, Bild d) die schwarzen Punkte, Bild e) NICHT das Schwarze, das ist eine Amalgamfüllung, sondern das Weiße am Rand der Amalgam und schließlich im Bild f) das Braun- und Schwarzgefärbte.

 Tippen Sie jetzt bitte, wo Sie bohren würden. Auch als Fachleute. Dann kann ich Ihnen anschließend die Lösung nach Prof. Dr. Nyvad verraten, dessen Hauptwerk seit 1999 es ist, Kriterien zusammengetragen zu haben, wie man verlässlich aktive von inaktiver Karies unterscheidet. Zusammen mit seinen Mitarbeitern und rückgreifend auf ältere Arbeiten konnte er zeigen, dass es durchaus möglich ist, aufgrund von äußern, sichtbaren Merkmalen eine Unterscheidung zu treffen, zwischen Karies, die schon lange nichts mehr tut und nur noch als Farbmarkierung existiert und solcher, die mehr oder weniger schnell nach innen fortschreitet. 

Ein ganz großes Problem der Zahnmedizin ist die Wiederholbarkeit der Einschätzung von konkreter Karies im Patientenmund durch a) verschiedene Zahnmediziner (interexaminal) und b) durch den gleichen Zahnmediziner (intraexaminal) in verschiedenen Sitzungen. Die Zahnmediziner werden niemals alle die gleichen Kariesstellen finden, und schon gar nicht sich auf die gleichen zu bohrenden Stellen einigen können. Das ist ein Grund, möglichst nicht den Zahnarzt zu wechseln. Aber mindestens genauso problematisch ist, das selbst die intraexaminalen Kariesbestimmungen (ein Behandler, andere Sitzung) voneinander deutlich abweichen, was  übersetzt für die Patienten bedeutet, nicht zu oft zum Zahnarzt zu gehen, sonst findet der immer Neues. Wenn Sie es nicht glauben – einfach ausprobieren.

Und das ist die Stelle, an der die neuen Erkenntnisse so wichtig sind:

  1.  Altkaries, die nicht aktiv ist, sollte nicht behandelt werden
  2.  Es ist möglich, den Unterschied zwischen aktiver und nicht aktiver Karies zuverlässig zu erkennen. 

 

Die Auflösung des Rätsels oben: Aktiv sind die Kariesstellen a), b) und e) die anderen 3 nicht. Damit fällt direkt die Hälfte der Stellen aus dem Raster und  sollte deshalb nicht eingreifend behandelt werden.  Gebohrt werden muss ganz sicher der Fall e), um die weiche Masse um die alte Füllung herum zu entfernen und vielleicht der Fall b), wenn im Röntgenbild die Karies im Dentin sehr tief reicht. 

Ansonsten reicht bei a) die Beratung auf Entfernung von Flüssigzucker und ein Hinweis, dass die Zahnbürste nicht an die kreidige Stelle heranreicht, bei b) könnte auch eine Fissurenversiegelung mit GIZ in Frage kommen, im Fall  c) und d) ist nichts erforderlich, und der Zahn f) kann ohne Bohren direkt aufgebaut werden, z.B. mit GIZ (notfalls Komposite), und braucht mit Blick auf den Nachbarzahn sicher eine Krone.

 

One Reply to “Bohren oder nicht Bohren – Prof. Dr. Nyvad hat neue Ideen”

  1. RE: Bohren oder nicht Bohren – Prof. Dr. Nyvad hat neue Ideen
    Die Zahnfilmwebseite sollte Pflichtlektüre für jeden Zahnmedizinstudenten sein… eigentlich auch für jeden Zahnarzt.

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