Spezialkollege macht in Cranio Sackral

Lesen Sie dazu auch die Artikel  H. L. verbreitet Unwahrheit und  DZW macht planmäßige Gehirnwäsche für Zahnärzte aus der Rubrik  Paramedizinisches 

Liebe Leser + innen. Es tut mir ehrlich leid, Sie schon wieder mit dem leidigen Thema Paramedizin, also der HokusPokus Medizin, zu belästigen. Aber die Sektenmedizin scheint gerade für Zahnmediziner eine deutliche Anziehungskraft zu besitzen. Kurse mit Cranio sackraler Therapie, Kinesiologie, Physioenergetik, Heilpraktik,Homöopathie, Resonanztests, CMD-Esoterik etc. gehen zur Zeit weg wie warme Brötchen. 

Kommen wir zum Gegenstand dieses Aufsatzes: ein bestimmter Zahnmediziner erläutert seinen Tätigkeitsschwerpunkt „Ganzheitliche Zahnheilkunde“ auf seiner Homepage wie folgt:

 

… Fachgebiete:
Herderkrankungen – veget. Dystonien – präklinische Erkrankungen – Intoxikationen –
therapieresistente chronische Erkrankungen – ganzheitliche Kieferorthopädie

Diagnostikverfahren:
Bioenergetische Regulationsverfahren – ZahnÄrztliche PhysioEnergetik (ZÄPE) – Kinesiologie – EAV – VEGA – Energetische Terminalpunkt Diagnose- Reflexzonen -Diagnostik – Decoder Dermographie – cranio-sakrale Osteopathie – Ganzheitliche Kieferorthopädie – Intuitive Verfahren -astrologische Psychologie – AurikuloMedizin
 – ElektroNeuralTherapie (ENT) – Spagyrik n. Dr. Zimpel – CoRe Inergetix

Therapieverfahren:
Naturheilverfahren – Herdsanierung ( Biorhythmus- / Mondphasen-Ermittlung) – Schwermetallausleitung – Homöopathie – Cranio-Sakral-Therapie – Bachblüten u.ä. -Aurikulotherapie- Akupunktur – Ganzheitliche Kieferorthopädie – ElektroNeuralTherapie (ENT) – Spagyrik n. Dr. Zimpel -spirituelle Psychotherapie – energetische Psychotherapie (MFT n. Klinghardt, KFT n. Rossaint). – Magnetfeld-Therapie – Geist/Körper Detoxifikation (u.a. mittels Elektrolyse-Fußbad (Body-Detox)) -Ozontherapie. – CoRe Inergetix ……

 

Soweit die beeindruckende Liste der Spezialitäten des Kollegen. 100% überzeugend ist das Angebot aber dann doch nicht. Klickt man sich nämlich auf der Homepage durch zu den Fachartikeln des Kollegen, finden sich etliche Problempassagen, wie die folgende:

 


…. Schwermetalle

Im Falle des Amalgams im besonderen und der Schwermetallbelastung im allgemeinen muß man beachten, daß alle bisherigen bioenergetischen Teste, seien es die kinesiologischen, die aurikulomedizinischen oder elektroakupunkturmäßigen Teste, nur die Belastungen des Grundsystems anzeigten bzw. anzeigen. Erst durch die Anwendung des direkten Resonanzphänomens nach Omura wurde es möglich, die intrazelluläre Belastung zu messen. Obwohl wir dachten, die Patienten seien nach herkömmlicher Schwermetallausleitung nun saniert, mußten wir aufgrund dieses direkten Resonanztestes mit der Substanz der Metalle plötzlich feststellen, daß dem nicht so war. Je nach Schwachpunkt des Patienten fanden wir die erneute Belastung in einzelnen Organen, besonders an den Nieren und am Darm; besonders häufig aber noch in den verschiedenen Hirnabschnitten. Praktisch wird dazu z.B. das Amalgam direkt über den entsprechenden Hautstellen der Organe bzw. der Hirnabschnitte gehalten und der AR genommen bzw. der MR überprüft. Dort, wo lokal dann noch eine Schwermetallbelastung vorhanden ist, hat man eine positive Reaktion. Nun erfolgt ein kinesiologischer Trick mit einem von Omura für diesen Zweck entdecktem Gewürz, dem Koriander, das mit ca. drei bis fünf Tropfen auf die Zunge geträufelt wird und die Eigenschaft hat, die Ionenkanäle der Zellen zu öffnen, so daß das Schwermetall aus der Zelle heraus kann und nun im Bindegewebe nach Pischinger wieder mit den herkömmlichen Methoden, z.B. der TL/CL mit der Hand bzw. mit homöopathischen Potenzen geortet und ausgeleitet werden kann. Damit es z.B. besonders im Gehirn diese Funktion ausüben kann, massiert man ca. eine halbe bis zwei Minuten die dem Gehirn zugehörige und von Omura entdeckte Reflexzone an der Kuppe der Mittelfinger. Denn ohne diese Manipulation kommt es öfters nicht an seinen Zielort. Analog verfährt man mit den anderen Organen, wenn diese noch intrazellulär belastet sind.
Interessant ist, daß bei der Akupunkturpunkt-Biophotonen-Testung (ABT) (M.M. V.Benschoten) als Zellstruktur am Shixuan-Punkt des Mittelfingers das Cytoplasma zu messen ist, so daß wir nun zwei Möglichkeiten haben, die Intrazellularflüssigkeit zu messen: einmal über die Biophotonenmesseung (B-Mudra für toxische Metalle ( D-ZR Kk) am Shixuan-Punkt des Mittelfingers ), zum anderen über den direkten Resonanztest. Durch sogenannten Zufall habe ich ein anderes spagyrisch hergestelltes Nahrungsergänzungsmittel gefunden, daß die gleiche Wirkung hat, das man sogar schon per Hautkontakt in seiner Wirksamkeit messen kann und dazu noch meist auch für die Ausleitung aus dem Bindegewebe gebraucht werden kann. Es heißt Alchymarius, wird vom Apotheker Twarock in Köln wie gesagt spagyrisch hergestellt und enthält: dicke und grüne Bohnen, Gurken, Kartoffeln, Lauch, Paprikaschoten, Rettich (weiß), rote Beete, Sojabohnen, Erdbeeren, Himbeeren und schwarze Johannisbeeren zu je 1ppm. ….


 

Und jetzt mal Klartext: Hier steht nichts weniger als der  naturwissenschaftliche Offenbarungseid eines Zahnheilkundigen. Er schreibt einen Satz „Erst durch die Anwendung des direkten Resonanzphänomens nach Omura wurde es möglich, die intrazelluläre Belastung zu messen“ um seinem nicht naturwissenschaftlich ausgebildeten Leser zu signalisieren: hier wird auf höchsten Niveau gearbeitet, mindestens so gut wie wie im Genforschungslabor eines Pharmakonzerns. Weiß verkleidete kleine Japaner machen Innenmessungen an lebenden Zellen mit Hitech Gerätschaften.

Dabei ist das alles nur warme Luft. Herr Omura ist irgendein selbsternannter Metall Ausleithansel mit selbstausgedachten und – wie immer in solchen Fällen – hanebüchenen Ausleitvorschriften. Und die dick aufgetragene Verwendung von Fremdwörtern (Resonanzphänomen, intrazellulär) ist nur peinlich, sonst nichts. Wetten, dass unser Schreiber hier ein Problem hat, das Wort „Resonanzphänomen“ im Zusammenhang mit dem „Schwermetall“ irgendwie mit halbwegs intelligent klingendem Inhalt zu füllen? 

Vorsicht Herr Kollege, bevor Sie jetzt leichtfertig sagen, dass das ein leichte Übung wäre, überlegen Sie sich an dieser Stelle lieber schon einmal Antworten auf mögliche Fragen zum Schwermetall und der Resonanz wie:

  1. In welcher SI (Systeme International) Maßeinheit messen Sie die Resonanz, zu deutsch das Mitklingen?
  2. Welche physikalischen Grunderscheinungen nutzen Sie zur Darstellung und Feststellung der „Resonanz“ (Licht, Schall, elektromagnetische Wellen, Röntgen….)
  3. Was genau ist mit Schwermetall gemeint? Gold, Quecksilber, Silber, Zink, Kupfer, Eisen …? Übrigens: Gold ist viel schwerer als Eisen.
  4. Wie unterscheiden Sie zwischen dem Schwermetall Eintrag aus Metallwerkstoffen im Mund und aus Nahrungsbestandteilen?
  5. Beziehen sich die Resonanzgeschichten auf metallisches Schwermetall oder auch auf chemische Verbindungen der Metalle oder eventuell nur auf chemisch gebundene Metallatome? Passen Sie bitte genau auf, was Sie hier antworten. Sonst könnte es leicht passieren, dass jeder erkennt, dass Sie von Biochemie keinen blassen Schimmer haben.

Falls sich der ein oder andere Leser jetzt fragt, warum ich (Joachim Wagner) eine solche merkwürdige Fragenliste an einen imaginären Medizinsektierer stelle, hier ist die Antwort: damit die Burschen gleich richtig geimpft sind und wissen, dass sie mit ihrer typischen Dünnbrettbohrer Pseudowissenschaft  bei mir nicht durchkommen. Wer Begriffe auffährt wie „Ionenkanäle“, „Intrazellularflüssigkeit“ und „Biophotonen“ und mir damit versucht, haarsträubenden Unsinn unterzujubeln (… Eigenschaft hat, die Ionenkanäle der Zellen zu öffnen, so daß das Schwermetall aus der Zelle heraus kann…), ist hier genau richtig. Nebenbei als kleinen Wink mit dem Zaunpfahl: meine Leistungskurse im Abitur waren Mathe, Physik und Chemie.

 

Jetzt kommt das Beste. Unser Mann hier hat für den Hüthig Verlag offenbar 1 Buch geschrieben. „Das cranio-sakrale System“ erste Auflage 1991. Die zweite Auflage 1995 erschien mit einem Koautor, der in der Zahnmedizin mit seinen Ansichten über z.B. die Herdsanierung – sagen wir – gwaltig umstritten ist. Wie klein die dentale Welt doch ist, könnte man vermuten, tatsächlich zeigt es, dass an den Haaren herbeigezogene Medizinmärchen typischerweise von den immer gleichen Erzählern vorgetragen werden, unabhängig vom konkreten Inhalt.

Das rundet mein Weltbild vom cranio sackralen System und seinen Chefideologen erwartungsgemäß ab. Wäre ich Verantwortlicher im H-Verlag, dann würde ich mir nun Gedanken über diverse Passagen auf der Homepage des Cranio Sackral Autors machen. Diese leicht peinlichen Ergüsse sind geeignet, Zweifel am tatsächlichen Sachwissen des Schreibers anzumelden und – das muss dem H-Verlag angekreidet werden – an der Kompetenz der Fachredaktion.

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