Was haben Rückenschmerzen und TMD=Kiefer/Gelenk/Muskelschmerz gemeinsam?

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Stellen Sie sich vor, in Ihrer Zahnarztpraxis erscheint zum 100. mal eine bestimmte Patientin. Und zwar die, die wegen starker Schmerzen bei Ihnen schon 4 Wurzelbehandlungen auf der rechten Seite bekommen hatte, dann 3 mal WSR, dann Extraktion, dann eine Brücke erhielt, und diese – logisch – 20 mal eingeschliffen werden mußte. Und genau diese Patientin steht jetzt schon wieder auf Ihrer Matte. Sie haben es langsam satt, sich zum 100. mal die neueste Version der Schmerzen auf der rechten Seite anzuhören.

Genau das gleiche passiert Tag für Tag in der allgemeinärztlichen oder orthopädischen Praxis: der Dauerpatient dort kommt mit akuten und/oder chronischen Rückenschmerzen. Und wer es noch nicht weiß, dem sei es hier gesagt: chronische Rückenschmerzen sind bei Mediziner DAS psychosomatische Geschehen schlechthin. Im Gegensatz zur allgemeinen Ansicht der Patienten ist das unspezifische Rückenleiden eine relativ harmlose Erkrankung die in der Mehrzahl der Fälle auch ohne jede Behandlung von alleine verschwindet. Nochmal: hier ist nur von unspezifischen Schmerzen (das trifft aber auf die überwältigende Mehrheit aller Fälle zu) die Rede, nicht von Nervblockaden mit Taubheit und Lähmung von Extremitäten und nicht von Wirbelsäulenkrebs.

Hat aber der Kranke diese unspezifischen Rückenschmerzen länger als 6 Wochen und zudem auch in einer subjektiv hohen Stärke dann ist die Grundlage für eine Chronifizierung der Schmerzen gelegt. Darum gibt es schon seit Jahren Leitlinien für die ärztliche Behandlung von Rückenleiden. Hier sind die Details.

Schaut man sich en detail diese Leitlinien an, dann lassen sich viele Parallelen zu den TMD-Fällen finden. Z.B.:

Rückenschmerzen TMD
Gutartige Erkrankung, heilt mit und ohne Therapie Keine ernste Erkrankung, Spontanheilung ist typisch
Risikofaktoren sind: Depression/Angststörung Risikofaktoren sind: Depression/Angststörung
bildgebende Diagnoseverfahren bleiben ohne klinische Relevanz Röntgenbilder von Kiefergelenken haben keine Auswirkung auf Therapie
Korrelation degenerativer Veränderungen und Rückenschmerzen ist schwach Beziehung zwischen Gelenkbefunden und Schmerzen ist praktisch gleich Null
die unspezifische Form der Rückenschmerzen hat keine direkte anatomisch darstellbare Ursache die TMD in der Form des myofaszialen Schmerzes auch nicht
Chirurgische Behandlung verschlimmert häufig die Rückenschmerzen OPs an Kiefergelenken sind schon lange obsolet (veraltet)
Schonungstherapien wie Bettruhe sind schädlich ob Aufbissschienen besser als Placebo wirken, ist nicht bekannt, weil nahezu alle Studien über Schienen nichtkontrolliert (ohne Placebo Behandlung) und nichtrandomisiert (ohne wirklich zufällige Verteilung von Verum und Placebobehandlung) durchgeführt worden sind. Und das ist unakzeptabel. 

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