Gescheiterte Wurzelbehandlung

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dsc_0055-1.jpg Herr R. (79) stellt sich heute wieder vor mit eindeutigen Schmerzen beim leichten Klopfen und Berühren des Zahns 44. Dieser wurde am 11. Januar 2008 als abgestorben diagnostiziert und mit einem Trepanationsloch durch die Krone geöffnet, und zunächst sicherheitshalber offen gelassen. Am 14. Jan. 08 erfolgte eine medizinische Einlage mit Ledermix und am 21. Jan. 08 bereits die Wurzelfüllung mit Endomethasone und Guttaperchastift.

 

kodak_dental_imaging_software_viewer_11272008_42824_pm.jpgDas ist das Röntgenbild am 21. Jan. 2008 direkt nach der Wurzelfüllung. Zu sehen ist eine Überstopfung und eine Entzündung an der Wurzelspitze am Zahn 44 (der linke der beiden).

 

Ich habe heute ohne weiteres Röntgenbild entschieden, dass dieser Zahn entfernt werden soll. Warum das? Aus einer Melange von Gründen:

 1) Zwischenzeitlich ist die Krone (ein Innenteleskop) abgebrochen, hier wäre ein Ersatz in Form einer Wurzelkappe notwendig gewesen. Das ist angesichts des noch vorhandenen 43 und des Alters des Patienten eher eine Luxusbehandlung.

2) Der Zahn ist hochwahrscheinlich deshalb schmerzempfindlich auf Berührung, weil die Wurzelspitze bakteriell nach wie vor infiziert ist. Das hätte eine Revision der Wurzelfüllung und ein Behandlungsprotokoll nach Timbuktu (CHKM) erfordert. Der Aufwand ist mir bei diesem Patienten, der jede Privatleistung stundenlang diskutiert, schlichtweg zu hoch.

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 Schauen wir uns jetzt die Wurzelspitze des Zahns genauer an, dann ist auf der mesialen (zur Kieferkörpermitte hin gerichteten) Seite das Bild vollkommen unauffällig, auf der distalen (von der Mitte abgewandten) Seite ganz schön die infizierte Wurzeloberfläche in Form einer von Haltefasern freien Kuppel sichtbar. 

dsc_0056.jpg Beim genauen Betrachten ist auch der rosafarbene Guttapercha Stift zu erkennen, der aus diesem eher seitlich liegenden Loch an der Wurzelspitze herausschaut. Die Grenze zwischen infizierter und intakter Oberfläche ist relativ gut auszumachen anhand des rosafarbenen Grenzgewebes. 

 

Manöverkritik: Warum hat der Zahnarzt (also ich) im Januar 08 nicht gleich CHKM als Intensiv Bakterienkiller eingesetzt, um diesen Unsinn jetzt zu verhindern? Antwort: a) weil der Patient bei Privatleistungen immer Terz macht; ich aber die zeitraubende Desinfektion der Wurzel mit CHKM /Timbuktu nicht zum Kassensatz anbieten kann und b) er außerdem auch noch unbedingt 10 Tage später fertig sein wollte. Dumm gelaufen. 

Wichtig für alle Wurzelbehandlungs Patienten:  Wird ein Zahn tot aufgefunden, dann ist immer (!) davon auszugehen, dass die Wurzel bis unten voll mit Mikrolebewesen bevölkert wird. Entweder schlägt man sie systematisch alle tot, oder es kommt nach einer Kompromissbehandlung, wie hier geschildert, bei lockeren 15% der Fälle (die Zahlenangaben zu gescheiterten Wurzelbehandlungen schwanken sehr stark und reichen von 5% bei ehrgeizigen Kollegen bis 50% bei den Untersuchungen von Prof. Dr. Hülsmann) zu Schwund. 

Für die mitlesenden Kanalarbeiter (Endodonten): nein, die Überstopfung war nicht schuld, denn es gab ein monatelanges symptomfreies Intervall, ja, ich habe mit NaOCl 5% gespült, nein, das Offenlassen am Anfang ist erfahrungsgemäß nicht schuld. 

 

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