Die alten Kamellen aufgetischt

Lesen Sie auch die Artikel  Myofaszialer Schmerz hat mit der Okklusion nichts zu tun   und   TMD Patienten und irritabler Darm   aus der Rubrik  Chronische Schmerzen

 

Im leicht vorgerückten Alter und im Besitz eines Fachwissens mit dem Ablaufdatum im letzten Jahrhundert würde ich an der Stelle der vier wackeren Frontmänner vielleicht Jubiläen feiern, aber nicht unbedingt einen dreitägigen Jubiläumskongress ihrer ZÄT-Info Gesellschaft mit 18 "internationalen" Referenten in Münster abhalten. Nebenbei: Warum eigentlich gejubelt wird, weiß keiner. Ist aber auch – wie bei den Metro Jubeläen – egal. Richtig international war auch nur  Prof. Annunciato aus Brasilien über Neuroanantomie und tatsächlich auf einem solchen Altmännerkongress bemerkenswert. Der Rest entsprach deutschsprachiger Fortbildungs Standardware, wozu wir die vielsprechenden Kollegen/in Ivo Krejci aus Zürich und Frau Grunert aus Österreich – extra angekarrt – dazurechnen.

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Boisseree, Schupp, Läkamp und Schuppan heißen unsere Kämpen hier.  Im Jubelbericht der DZW vom 03.12.2008 verrät uns der Schreiber kein Sterbenswörtchen über die Teilnehmerzahl im Kongresszentrum Halle Münsterland, begeistert sich dafür aber  spaltenlang über das Highlight der Veranstaltung ("fulminant und höchst unterhaltsam")  die Partnerschaftstrainerin Claudia Enkelmann, die wohl den Satz gesagt haben soll "Die Ehe ist der beste Schutz gegen Depression und Verwahrlosung". Wir nehmen an: des Zahnarztes. Wobei man jetzt weiterspekulieren könnte, warum das oben genannte Triumvierrat sich ausgerechnet auf das Thema Ehe und Partnerschaft auf ihrem Jubel Kongress unter dem Oberbegriff "Interdisziplinäre Zusammenarbeit" kapriziert hat. Dagegen sind dem Berichtschreiber die anderen Themen und Vorträger mit Prof Krejci "Komposite", Prof. Meyer "Osseointegration Implants", Dr. Janke "Sinuslift", Dr. Maak "Parodontologie" geradezu so lästig, dass sie nur mit Namen und Thema benannt werden.

  Kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Artikels. Hätte es der DZW-Schreiber bei einer langweiligen Aufzählung der inzwischen üblichen Ansammlung von Implanteur HauptZampanos und Hilfswissenschaften wie Parodonti- und Konserve- Professoren belassen und das Ganze mit dem Laberthema Nummer Eins "Interdisziplinäre Zusammenarbeit" garniert, hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, das Ereignis in der westfälischen Pampa hier in Zahnfilm.DE zu würdigen. Nein, sie konnten es wieder nicht lassen. Und musste doch wieder dieses Bild mit genau der Bildunterschrift in den Artikel eingestreut werden.  

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Auf Bild 2 beugt sich Prof. Dr. Werner Schupp fachmännisch über einen chronischen Schmerzzustandsfall. Man achte auf die schmerzverzerrten Züge der Patientin und die Diktion, in der die Diagnose kommt. "Okklusionsbedingte Fehlfunktionen sind häufig …"  Das Panz (= das Kind) auf dem Foto hat gar nix. Der Kollege versucht sich nur in der medienwirksamen Inszenierung von altbekanntem Unsinn. Ich hätte dafür wenigstens einen richtigen Schmerzpatient genommen, damit der Gesichtsausdruck auch stimmig wird. Aber mit richtigen Schmerzfällen – ich meine die, die real auf Zahnfilm.DE existieren – beschäftigt sich ja so ein interdisziplinärer KFOt dann lieber doch nicht. Da gibt es ja keine "Funktionsanalysen" und "oralen Rehabilitationen" im Gegenwert eines schwäbischen Mittelklassewagens herbeizuschwafeln. 

 

Alles wie immer: die Altherrenriege will nichts einsehen, schon gar nicht die Existenz richtiger Schmerzen aus richtigen Gründen. Das war schon 1918 so, da haben die Wilhelms, die Adolfs und die Hindenburgs behauptet, dass das deutsche Heer nicht im Feld besiegt, sondern von hinten ermordert wurde. Und es hat ein zerstörtes Deutschland 1945 mit 50 Millionen Kriegstoten gebraucht, um den Wilhelms vor den Latz zu knallen, dass ihre Argumentation fehlerhaft war. Eingesehen hat es Wilhelm II bis zu seinem Tod übrigens nie.

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