Amtliche Auskunft: Schienen sind so gut wie keine Schienen

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Lesen  Sie dazu auch die Artikel  immer Kopfschmerzen (rechte Gesichtshälfte und  Neuropathie Patientin Nummer 31 der Praxis   aus der Rubrik Chronische Schmerzen

 

Das ist der Unterschied zwischen hochwertigen wissenschaftlichen Studien und dem, was die Zahnmedizin normalerweise zum Thema Schiene als "Studie" veröffentlicht.

Nun in medias res:

The efficacy of traditional, low-cost and nonsplint therapies for temporomandibular disorder

A randomized controlled trial

Edmond Truelove, DDS, MSD, Kimberly Hanson Huggins, RDH, BS, Lloyd Mancl, PhD and Samuel F. Dworkin, DDS, PhD

 

  Patientenauswahl: Alle aufeinanderfolgenden Fälle der orfazialen Schmerzklinik der Uniklinik Washington, Seattle wurden auf TMD getestet. Die dazu passenden Personen füllten einen Fragebogen mit 27 Fragen über Symptome, Behandlung, Medikamente und persönliches Befinden aus. Daran schloß sich eine Untersuchung durch einen TMD Spezialist an.
Auschschluß Kriterien: Ausgeschlossen wurden alle Pat. mit RDC/TMD Achse I "anderer Diagnose". Darunter fallen: Arthritis, Gelenkscheiben Verlagerung ohne Reduktion …), dazu systemische Arthritis (Rheuma), starke medizinische Komplikationen, Vollprothesen, erhebliche Persönlichkeitsstörungen oder nicht ordentlich Englisch sprechen konnten. Patienten mit Schienenerfahrung wurden nicht ausgeschlossen, jedoch solche, die ihre Schienen ständig nutzten.

Die Studienobjekte unterschrieben alle eine Einverständnis Erklärung der Universität von Washington, Seattle über ihre Teilnahme an dem Versuch. 3 verschiedene Methoden sollten getestet werden, dafür wurden 3 Gruppen von Versuchsobjekten gebildet. Per Losverfahren wurden die Versuchspersonen auf die Gruppen verteilt. Niemand vom Personal erhielt Einblick in den Verteilungsschlüssel bis zum Erhalt der Einverständniserklärung vom Patient. Die Dental Hygienistin, die die Datenerhebung in den Folgesitzungen durchführte, wußte nicht, welcher Patient mit welcher Methode behandelt worden war und sollte auch nicht danach fragen.

Die Behandlungsgruppen sehen wie folgt aus: 

  1. Usual Treatmeant (UT) = normale Behandlung, n = 64 (Anzahl der Teilnehmer). Besteht in einer Liste von bewährten Standardmitteln: Entspannungsübungen, Warmpackungen, Schmerzmittel, passive Mundöffnung und Hinweise zur Stress Bewältigung
  2. Hard Splint (HS) = Harte Schiene, n= 68. Besteht in der Behandlung UT plus der Anfertigung einer harten Acryl Schiene im Oberkiefer durch ein Labor und Einsetzen durch einen Zahnarzt.
  3. Soft Splint (SS) = Weiche Schiene, n = 68. Besteht in der Behandlung UT plus der Anfertigung einer thermoplastischen Vinyl Mundschutzschiene durch den Patienten unter der Aufsicht eines Zahnarztes. 

sstief.jpgDieser so genannte Soft Splint wird von einer Firma SafeTGard, Golden, Colo., USA verkauft und funktioniert so: das Material im Wasserbad erhitzt, dann auf die Oberkieferzähne gedrückt und abkühlen lassen. Mehr ist nicht zu tun. Es handelt sich um einen Lowcost Artikel.

  In der ersten Sitzung am Studienbeginn (= BL) erhielten alle Studienteilnehmer eine Einheit UT Behandlung. Die HS Gruppe darüberhinaus Abdrücke für die Schienenherstellung und die SS Gruppe Bissregistrierungen, um beim Patienten eine vergleichbare Behandlungszeit zu produzieren. In der zweiten Sitzung wurden bei den HS Teilnehmern die Acryl Schienen angepasst. Diese wurden in zentrischer Okklusion eingeschliffen. Die SS Teilnehmer fabrizierten in der zweiten Sitzung ihre Soft Splints, ebenfalls im Oberkiefer, ebenfalls in zentrischer Okklusion. HS und SS Subjekte wurden instruiert, die Schienen 2 Stunden tagsüber und jede Nacht zu tragen.

Erhebung der Daten: Wir führten Nacherhebungen in Folgesitzungen aus nach 3, 6 und 12 Monaten vom Studienbeginn aus. Dabei füllten die Teilnehmer wieder die Fragebögen aus und wurden von einem kalibrierten Dental Hygienist untersucht, der über die Gruppenzugehörigkeit nicht informiert war.

 

Ergebnis

psc.jpgSelbst berichtete Ergebnisse. Bei Studienbeginn lag der Schmerzindex (CPI) zwischen allen 3 Gruppen auf vergleichbaren Niveau (HS = 5.2, SS = 6.0, UT = 5.4; P = .09). Der durchschnittliche Wert erniedrigte sich signifikant von  5.5 (± 1.9) auf  3.1 (± 2.3) nach 12 Monaten. Allerdings war der Rückgang in allen 3 Gruppen gleich. Die Zeit, die der Schmerz anhält, in Stunden pro Tag und Tage pro Monat, verbesserte sich in allen Gruppen. Es gab keine statistischen Unterschiede in Bezug auf die Stunden pro Tag oder Tage pro Monat. Bei den selbst berichteten TMD Symptomen gab es ebenso keine Unterschiede unter den Gruppen. Bei der 12 Monats Kontrolle gaben die UT Patienten an, am wenigsten nächtliches Knirschen zu verspüren, und die HS Gruppe die geringste Tinnitus Häufigkeit.

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