Erwachsenen Kieferorthopädie, Abteilung Sandsack

Lesen Sie auch die Artikel  Kieferorthopädische Forschung abgewatscht und 10 % aller Weisheitszahn-OPs machen Dauerschmerzen aus der Rubrik Chronische Schmerzen

 

Ich sehe es kommen, dass ich unter Zahnfilm DE noch eine eigene Rubrik einrichten muss "Bedenkliche Kieferorthopädie".  Der Grund dafür liegt in den abenteuerlichen Behauptungen, die von der KFO-Fachseite als Begründungen für weitreichende Eingriffe ausgegeben werden. Beispiel: Alle Weisheitszähne müssen entfernt werden, weil die Zähne sich verschieben, oder auch beliebt: für das Geraderichten eines einzelnen Zahnes in der Oberkiefer Front muss eine feste Spange im Ober- und Unterkiefer montiert werden. Typischerweise steht der geplante Aufwand zum nachher tatsächlich eintretenden Ergebnis in einem auffallend schlechten Verhältnis. So operiert der Chirurg zwar die Weisheitszähne gerne auch in Vollnarkose und mit richtig Aufwand aus dem jugendlichen Mund heraus, doch stehen die Schneidezähne mit 20 Jahren trotzdem wieder schief im Kiefer. Auch fragen sich die Sachbearbeiter am Krankenkassenschalter, warum denn wegen eines einzigen falsch stehenden oberen Schneidezahns gleich ein Aufwand in beiden Kiefern über 3 Jahre und 4.000 bis 5.000 Euro nötig ist. *) Die Geschichte hier geht um eine andere typische Eigenschaft der KFO-Kollegen. Sie hängen wilden Theorien an, wieso und warum welche Zahnbewegungen passieren und passieren sollen, ohne es genau zu wissen, vor allem ohne genau hinzuschauen, was im wirklichen Leben alles so vorkommt. Ich rede von der Empirik, vom einfachen Nachzählen der Bisse und Zahnstellungen in der freien Wildbahn.

*) Natürlich ist das auch einfacher zu haben. Nur nicht in Deutschland, und nicht mit der aktuellen Gebührenordnung, in der kommt – wer hätte es gedacht – eine Einzelzahnbehandlung gar nicht vor.


 

 

Verfasst am: 15.12.2008 – 19:29    Titel: Myofunktionelle Störung?     
Vor ein paar Tagen war ich bei einem Kieferorthopäden, da sich einer meiner oberen Vorderzähne seit 2 Jahren wieder verschiebt. Ich hatte im Alter von ungefähr 14 Jahren schon mal eine feste Spange. Bin nun 25.

Der Kieferorthopäde war der Meinung, dass es an meiner Zunge liege und dass ich mir richtiges Schlucken angewöhnen solle. Er meinte, die Zungenspitze dürfe nur am Gaumen liegen und sowohl in Ruhestellung, als auch beim Schluckvorgang, die Vorderzähne nicht berühren.
Mich hat das sehr verunsichert, weil mir das total unmöglich vorkommt und ich zudem nicht das Gefühl habe, falsch zu Schlucken.

Bei mir drückt beim Schlucken die Zunge gegen den Gaumen, die Spitze berührt dabei die Vorderzähne.
Auch in Ruhestellung habe ich die vordere Zunge am Gaumen und die Spitze berührt die Vorderzähne.

Wie sehen Sie das? Ist das normal, oder darf die Zungenspitze tatsächlich gar keinen Kontakt mit den Vorderzähnen haben?
   


jobohrer
Zahnarzt

Beiträge: 424

   
Beitrag Verfasst am: 16.12.2008 – 19:09  
Hallo Linny, Sie schrieben:

Vor ein paar Tagen war ich bei einem Kieferorthopäden, da sich einer meiner oberen Vorderzähne seit 2 Jahren wieder verschiebt. Ich hatte im Alter von ungefähr 14 Jahren schon mal eine feste Spange. Bin nun 25.

Der Kieferorthopäde war der Meinung, dass es an meiner Zunge liege und dass ich mir richtiges Schlucken angewöhnen solle. Er meinte, die Zungenspitze dürfe nur am Gaumen liegen und sowohl in Ruhestellung, als auch beim Schluckvorgang, die Vorderzähne nicht berühren.
Mich hat das sehr verunsichert, weil mir das total unmöglich vorkommt und ich zudem nicht das Gefühl habe, falsch zu Schlucken.
— was ist denn das wieder für eine Eselei? Das ist so ähnlich, wie die Leute, die einem einreden wollen, man würde falsch atmen. Herrgott nochmal, es gibt Körperfunktionen, die zum Glück völlig unabhängig von der bewußten Kontrolle verlaufen und vollautomatisch durch Reflexe gesteuert werden. Und das ist auch gut so. Schlucken gehört dazu.

Bei mir drückt beim Schlucken die Zunge gegen den Gaumen, die Spitze berührt dabei die Vorderzähne.
Auch in Ruhestellung habe ich die vordere Zunge am Gaumen und die Spitze berührt die Vorderzähne.
— ja und? Wo ist das Problem?

Wie sehen Sie das? Ist das normal, oder darf die Zungenspitze tatsächlich gar keinen Kontakt mit den Vorderzähnen haben?
— über KFOten wundere ich mich nicht mehr. Von denen bin ich dermaßen viel Unlogik gewöhnt, dass diese Geschichte wieder voll ins Bild passt.

Die Wahrheit ist vermutlich, dass weder der Sie begutachtende Kieferspangenmacher noch die ganze Branche so richtig blickt, weshalb sich welche Zähne wann und wo in Bewegung setzen. Nur ein Punkt von vielen: mit 15 Jahren werden die meisten KFO Behandlungen beendet und heutzutage jedem Jugendlichen eingeredet, die Weisheitszähne müßten raus, in der Regel mit Erfolg. 5 Jahre später stehen die Unterkiefer Schneidezähne trotzdem wieder krumm und wen interessiert das nicht? Den Kieferorthopäden. sowas erlebe ich hier am laufenden Meter.

Viele Grüße
_________________
Joachim Wagner
Zahnarzt

www.zahnfilm.de
Die Webseite für chronische Schmerzen im Kiefer


   

linny
Neuling

Beiträge: 2

   
Beitrag Verfasst am: 30.12.2008 – 20:43    Titel:    
Hallo Herr Dr. Wagner,

Ich wollte mich noch einmal für Ihre Antwort bedanken. Dadurch haben Sie mir sehr geholfen. Der Kieferorthopäde hatte mich nämlich ganz schön verunsichert, obwohl ich innerlich wusste, dass nicht stimmen konnte, was er mir da erzählt hatte.

 

One Reply to “Erwachsenen Kieferorthopädie, Abteilung Sandsack”

  1. Zungendysfunktion
    Also ich bitte euch!
    Ein Prof. Dr. Dr. W. (Klinik Stuttgart) zuständiger Abteilungsleiter dort und für Kieferoperationen zuständig wird sicherlich mehr wissen!! Er hat das mit der Zunge auch bei mir bemängelt das hat auch logik.

    Überlegt euch mal eine Zahnspange kann eure Zähne verschieben? [b]Ja, klar![/b] Aber eine Zunge die seit der Kindheit aufgrund einer Zungendysfunktion dagegendrückt nicht? [b]Aha!![/b]

    Diese Fehlfunktion ist in 2 Monaten aufgehoben 4-8 Termine beim Logopäden, der nichts anderes tut als den Zungenmuskel zu stärken damit dies kleiner wird[i] (Die Zunge wird kleiner von der Länge, wenn die Muskeln ausgeprägter sind, hört sich komisch an ist aber so!)
    [/i]
    [b]Zungendysfunktion? Was`n das?

    –>

    „[i]Myofunktionelle Störung (Zungendysfunktion, infantiles Schlucken)[/b]

    Vordergründig gesehen versteht man unter einer myofunktionellen Störung das falsche Schlucken eines Kindes, eines Jugendlichen oder eines Erwachsenen. Dies bedeutet, dass die Zunge beim Schlucken gegen oder zwischen die Zähne presst. Dieses falsche Schlucken wirft für den Zahnarzt bzw. Kieferorthopäden häufig Probleme auf, weil die dabei wirksame Kraft diejenige seiner kieferorthopädischen Geräte aufhebt bzw. vermindert. Ohne eine myofunktionelle Therapie bedeutet dies in vielen Behandlungsfällen Zeitverlust und es entsteht das Risiko eines Rezidivs ( Rückfall ) nach Absetzung der Behandlung.
    Eine myofunktionelle Störung umschreibt ebenfalls eine nicht physiologisch entwickelte Mund- und Gesichtsmuskulatur. Meistens einhergehend mit einem offen stehenden Mund, einer permanent am Mundboden liegenden Zunge und interdental oder lateral gebildeten Zischlauten sowie eben einem pathologischem Schluckmuster ( siehe oben ).
    Sekundär können jedoch auch Störungen bezüglich des Tonus und Funktion im Ganzkörperbereich auffallen und müssen therapeutisch angegangen werden.[/i]

    Das kam alles im TV und viele Studien haben bewissen das solche Fehlfunktionen sei es Zunge oder Kiefer von Kopf, Arm bis zu Fuß und Knieschmerzen führen „[u]kann[/u]“.

    Also lieber [b]versuchen[/b]. Hat sicherlich noch keinem geschadet ich werde nach einem Jahr operiert an meinem Kiefer da diese aufeinanderliegen und ich damit ein skelettal offenes gebiss besitze.

    Werde dann euch schreiben ob die Zahnspange, Entfernung der Weisheitszähne, die Logopädiebehandlung und die Operation sich gelohnt haben

    MfG Simsek

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