Deppes CMD Problem

Lesen Sie auch die Artikel  Hauptsache mit dabei und Was haben Rückenschmerzen und TMD=Kiefer/Gelenk/Muskelschmerz gemeinsam?  aus der Rubrik Chronische Schmerzen

 

Kollege ZA Ch. Deppe, Münster schreibt im „Dental-Barometer“ 1/2009 auf den Seiten 54 bis 60 einen Artikel zum Thema CMD unter der Überschrift „Teil 2 Fälle und Folgerungen“

Zu CMD kann man bekanntlich sehr widersprüchliche Positionen einnehmen. Deppes Interpretation ist rückwärtsgewandt. Er lebt einen CMD Glauben, der sich aus Büchern von Marxkors, Gerber (der in dem Artikel nicht weniger als 10 mal bemüht wird), Hanson und Bumann speist. Letzterer muss wohl noch 2000 ein Fachbuch des Titels „Funktionsdiagnostik + Therapieprinzipien“ auf den Markt geworfen haben, von dem selbst Deppe kritisch anmerkt, dass das angebliche Opus Magnum (das größte Werk) der Funktionslehre schon in sich nicht funktioniert. So seien die dort dargelegten differenzierten Befunderhebungstechniken (Zitat) „nur äußerst sparsam“ in den Funktionsstatistiken anzutreffen. Mit anderen Worten: Der Buchautor Bumann predigt lang und breit über die Vorzüge von 150 Liegestützen bei der Befunderhebung, kann sich bei deren konkreter Anwendung aber erstaunlich vornehm zurückhalten. Buchkurzkritik: Theorie-Dünnpfiff.

Auch Altmeister Gerber höchstpersönlich ist leisen Zweifeln seines Musterschülers Deppe ausgesetzt. Deppe schreibt auf Seite 57: „… liegt der Gedanke … Gerbers zugrunde, dass „die Fehlbeziehungen zwischen dem Kiefergelenk und der Okklusion und Artikulation der Zahnreihen an erster Stelle“ ursächlich für die Erkrankungen sind, die wir heute unter dem Kürzel „CMD“ zusammen fassen.“

Dann lesen wir von unserem Mann 2 Seiten später: „Unter der Voraussetzung, dass „die Fehlbeziehungen zwischen dem Kiefergelenk und der Okklusion und Artikulation der Zahnreihen an erster Stelle“ der Kausalität stehen …“ und nur wenig später: „… Lageveränderung des Unterkiefers als klinisches Hauptkriterium einer CMD vorausgesetzt …“

Was will uns der Münsteraner Kollege hier andeuten? Er schreibt viel über Gerbers Bücher und Theorien, über die seiner Nacherzähler und über seinen eigenen Glaubenskampf mit diesen. Nicht selten rutschen ihm dabei die für logisch denkende Leser schwer erträglichen Widersprüche des Glaubenssystems „CMD“ durch.

Beispiele

1. Seite 56. Es geht bei dieser Stelle um die Besprechung des Patientenfalles 1, wo Deppe als Gutachter die Extraktion des „Gleithindernisses 47“ veranlaßt, und damit sofort eine Symptombeseitigung am gleichen Tag erreicht. Zitat: „Die Erfahrung zeigt, dass die asymmetrische Fälle, also solche, bei denen Befunde sich auf einer Seite häufen bzw. auf eine Seite deuten, leichter zu diagnostizieren und zu behandeln sind. Dass die Erfahrung täuschen kann, führt in die offenen Fragen zur CMD.“

Übersetzung: es kann auch genau umgekehrt laufen, also gar nicht leicht zu diagnostizieren und behandeln sein und wir haben keine Ahnung, warum das dann so ist.

2. Seite 56. Hier geht es um die vor ihrer Vollendung stehende HTA Studie des DIMDI, die die Funktionsdiagnostik als sehr zweifelhaftes Instrument darstellt. Zitat Deppe „Wie kann ein technisches Verfahren zur Diagnostik einer Erkrankung bewertet werden, ohne dass sein jeweils spezifischer Zweck innerhalb eines diagnostischen Gesamtprozesses mit derm Resultat spezifischer Diagnosen bekannt ist und ohne dass eine einigermaßen einheitliche Diagnostik und Therapie bereits verfaßt ist?“

Übersetzung: Wir wissen nicht, wozu die Funktionsanalyse ganz genau da ist. Dazu kommt, dass jeder Zahnbohrkundige unter der Überschrift „Funktionsanalyse“ nahezu Beliebiges veranstaltet, was auch für die daraus zu gewinnende Therapierichtung gilt.

3. Zitat „Als Verlegenheit, als Ausweg und Surrogat für ausstehenden Konsens jedenfalls – und so ist ihr Einsatz nicht selten zu erleben – kann die „instrumentelle Funktionsdiagnostik“ nur unzulänglich bewertet werden, und zwar auch dann, wenn ihr der Status nurmehr eines Hilfsmittels zuerkannt ist. Bereits die konsensuale Formulierung der offenen Fragen zur CMD wäre ein Fortschritt durch endlich Beginnen.“ Auch wenn es nach Tippfehlern aussieht, der letzte Satz des Zitats entstammt wirklich so der Feder des Kollegen D. 

Übersetzung: Die Funktionsanalyse ist Käse, und zwar auch dann, wenn man sie nur noch als Hilfsmittel betrachtet. Die Hauptwidersprüche im Theoriegebäude „CMD“ gibt es bis heute nicht einmal als provisorische Liste, obwohl jeder Zahnbohrfachmensch aus dem Stand ein Dutzend aufzählen kann.

Zwischensumme

Wer etwas genauer in den langen Aufsatz des Kollegen Deppe hineinschaut, findet auf jeder Seite etliche Hinweise auf die persönliche Glaubenskrise des Schreibers mit der CMD Theorie. Einerseits möchte unser Zahnmediziner an seinem anstudierten „Wissen“ aus den 70-er Jahren in Münster unter Prof. Marxkors gerne festhalten, denn in den 70-er Jahren war die Uni Zahnklinik Münster bei der Erklärung von chronischen Schmerzen im und um das Ohr herum sicher die erste  Adresse in Deutschland. Andererseits setzen ihn mindestens 2 Störfeuer der Gegenwart mächtig unter Druck:

a) Die zunehmende Anzahl von Beweisen aus der empirischen und epidemiologischen Forschung (schlichtes Nachzählen in der Bevölkerung: wer hat die Schmerzen im Ohr und darunter und wer hat die schiefen Bisse und stimmen diese Untermengen überein?), dass der „berühmte“ Herr Gerber sich seine Theorie von der überragenden Bedeutung des Bisses schlicht aus dem Finger gesaugt hat und die Wirklichkeit eine andere ist.

und b) sein Job als Zahnersatz Gutachter für die AOK. Mehrfach im Aufsatz finden sich Passagen wie diese „… Aufkommen von Konzepten aus der Praxis“, wonach CMD und die Körperstatik zusammenhängen sollen. Also der typische Beinlängen, Beckenschiefstand, Wirbelsäulenverkrümmung, Kieferschrägstand Schmus. Vermutlich muss Deppe als Gutachter Stellung nehmen zu Spielchen wie dem folgenden:

Irgendein „CMD-Spezialist“ stellt per Händedruck bei einer finanziell vielversprechenden Patientin die Diagnose CMD mit Auswirkung  auf die Halswirbelsäule (HWS) und erklärt damit die Kopfschmerzen, den Tinnitus … halt alles, was konkret an Schmerzen vorliegt. Daraufhin „benötigt“ die Patientin das komplette Diagnosepaket mit „instrumenteller Funktionsanalyse“ und selbstredend auch das Schienenpaket. Nach 2 Einschleifsitzungen komponiert der Meister einen „Heil- und Kostenplan“ von Euro 20.000,– für Keramik- und/oder Goldteilchen auf alle Beisser ringsrum. Davon hat zwar kein einziger Zahn Behandlungsbedarf, aber – das ist ja das Schöne an der CMD – mit der Begründung „HWS-Syndrom durch Fehlokklusion“ kann man als Doktor Schnellschleif bei CMD-gläubigen Gutachtern immer noch landen. Ein so gepolter Gutachter unterschreibt auch heute noch das Massakrieren von 20 jungfräulichen Zähnen auf die unbegründete Hoffnung hin, auf diesem Voodoo Weg chronische Gesichtsschmerzen günstig zu beeinflussen.

Für die mitlesenden Laien: ja klar, das ist eine Masche.

Die einzigen, die das nicht schnallen, sind die Patientin und der Gutachter. Der gesunde Menschenverstand und die Kollegen sehen das Ganze erheblich nüchterner. Aber anscheinend sind jetzt auch unserem Zahnarzt Deppe die Zweifel gekommen, ob das Gesamtkunstwerk „wie optimiere ich als Behandler den Profit bei chronischen Schmerzpatienten“ denn die richtige Antwort auf die gestellte Frage ist.

  • ob denn das Geblubber von der interdisziplinären Zusammenarbeit bei CMD Fällen tatsächlich immer mit Euro 20.000,– beim Zahnarzt enden kann / darf / sollte. Ganz nebenbei: Chronische Schmerzen sind per definitionem nicht kurierbar und genau das versteht der Zahnmediziner nicht, weil er mit dem Konzept „chronisch“ nichts anfangen kann.
  • ob der Biss bei chronischen Schmerzen im Gesicht tatsächlich wichtig ist.
  • ob der Zahnarzt überhaupt der große Bringer bei harten Schmerzfällen sein kann.

 

Wie schrieb Deppe im Aufsatz sehr richtig? „Erneut also Fragen über Fragen …“

9 Replies to “Deppes CMD Problem”

  1. Cmd
    Sehr geehrter Herr Dr. Wagner!

    Niemals hatte ich in der Vergangenheit Kiefergelenksprobleme. Das Wort Funktionsstörungen im Zusammenhang mit Zahnprothetik war mir ein gänzlich unbekannter Begriff.

    Nach dem Einsetzen von nicht passenden Prämolarenkronen und excessiven Einschleifmaßnahmen kam es in mittelbarem Zusammenhang mit dieser Tortour zu akuter Verschiebung der Bisslage, Kiefergelenksproblemen, extremen Kopf-Nacken-Schulter – und Wirbelsäulenproblemen. Mein Behandler war von ähnlicher Uneinsichtigkeit wie Sie. Das heißt selbstverständlich war die Psyche schuld. Durch massive Interventation in initiierte Begutachtungsprozesse wurde die fachgerechte Behandlung verhindert. Folge: Eine komplette Auflösung der Verzahnung, Zwangsbissfährung, Frontzahndisklusion und zentrischer Abweichung der Bisslage. Es wurde munter weiter gepfuscht , mit für mich gravierenden Auswirkungen. Sie werden es nicht glauben: Ich bekam eine Cmd mit ausgeprägten Beschwerden auch an den Kniegelenken, Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule, erhebliche neurologische Beeinträchtigungen usw. usw. . Nachdem jetzt nunmehr über 2 Jahre eine multimodale Behandlung durchgeführt wurde, haben sich signifikant alle Schmerzen zurückgebildet, das Kiefergelenk ist beschwerdefrei, der Unterkiefer konnte wieder in seine physiologische Lage positioniert werden.

    Sehr gerne würde ich Behandler, die wie Sie das Damoklesschwert über Patienten hängen, die das Wort Cmd auch nur in den Mund nehmen auf einen Behandlungsstuhl setzen und mit netten Einschleifmaßnahmen in den Genuß einer Cmd und deren dramatischen Auswirkungen bringen.

    Freundliche Grüße

    Eine Cmd-Betroffene

  2. RE: Deppes CMD Problem
    Hallo Frau Ertl, darf ich raten? a) Ihre CMD Behandlung ist trotz Koryphäenbehandlung in der gesamten Republik noch nicht abgeschlossen und wird – machen wir uns doch nichts vor – endlos bleiben. Und b) hätte ich gerne von Ihnen einen VAS (=visuelle Analog Skala 0-10) Schmerzwert für Ihre Schmerzspitzen und und Schmerzdurchschnittswerte. Wozu? Um zu wissen, wo bei Ihnen wirklich der Schuh drückt: Schmerz oder Biss.
    Viele Grüße Joachim Wagner

  3. RE: Deppes CMD Problem
    Sehr geehrter Herr Dr. Wagner,

    ich denke es würde Sie freuen, wenn ich Ihnen antworten würde, dass meine Behandlung nicht erfolgreich gewesen wäre. Leider muß ich Ihnen mitteilen, dass ich mich eines schmerzfreien Zustandes erfreue. Dies bereits seit ca. 1/2 Jahr. Der Biss wurde überwiegend orthopädisch und neuromuskulär therapiert. Ich fühle mich damit sehr wohl. Auch war hier nicht die ganze Republik beteiligt, sondern 1 Behandler.
    Auch nicht der Psychiater oder der Psychologe, wie dies wohl eher Iher Vorstellung entsprechen würde. Ich könnte Ihnen sehr viel über Cmd berichten, aber ich denke ich würde damit eher auf Granit beißen, als dass Sie nicht alles einfach bestreiten würden. Es ist sehr,sehr schade, dass sich Zahnärzte offensichtlich immer noch nicht Ihrer Verantwortung gegenüber dem Patienten bewußt sind.
    Meine Behandlungsausgangssituation:
    Kreuzbiss in der Front, maximale Zentrikabweichung, durchgehende Nonokklusion, extreme Spannung auf den Gelenken, HWS-Bereich, z. n. vorausgehendem Mehrfachbehandlungsfehler. Vielleicht können Sie jetzt nachvollziehen, warum mir Ihr Gerede über Cmd und Funktionsstörungen der Kauorgane schon lange stinkt.

    Freundliche Grüße

  4. RE: Deppes CMD Problem
    Frau Ertl, Sie haben es schon schmerzlich bemerkt, diese Kommentar Software schneidet Ihren Kommentar bei ungefähr 5 Sätzen oder (keine Ahnung) 300 Buchstaben einfach ab. Ich bin -wie immer- unschuldig. Entweder schrumpfen Sie Ihre Message so zusammen, dass das passt, oder Sie weichen auf mein Forum aus. Herzlichen Dank
    Joachim Wagner Noch ein Nachsatz: mit dem Granitbeißen haben Sie recht, andererseits ist es nicht mein Stil, die meiner Meinung entgegenstehenden Informationen (wie Ihre Besserung) zu unterdrücken.

  5. RE: Deppes CMD Problem
    Sehr geehrter Herr Dr. Wagner,
    zum Abschluss eine wahre Einsicht „Wie immer unschuldig“, diese teilen Sie mit vielen Ihrer Kollegen. Niemals werden Sie eine erfolgreiche Cmd-Behandlung durchführen können, denn dazu fehlt Ihnen die Einsicht für grundlegende Erkenntnisse. Wer die Wirbelsäule nicht gesamthaft intensiv in den Behandlungsprozess miteinbezieht, der hat verloren! Zu Ihrer Entlastung sei jedoch gesagt, dass auch ich mir derartige Zusammenhänge hätte nie vorstellen können. Auch muß ich Sie in der Hinsicht bestätigen, dass es auch im Hinblick auf Cmd-Spezialisten sicherlich viele gibt, die nichts verstehen und den Patienten sowohl finanziell als auch gesundheitlich ruinieren. Auf der anderen Seite dürfen aber die nicht vergessen werden, die sich langfristig um die Wiederherstellung von iatrogen „versauten“ Gebissen bemühen.
    Alles über einen Kamm scheren ist sehr einfach, etwas wirklich zu verstehen sicherlich weitaus anstrengender. Ihre extremen Bemühungen Funktionsstörungen der Kauorgane und Cmd zu leugnen deuten mir persönlich an, dass Sie in dieser Hinsicht wohl schon öfter Probleme mit Patienten hatten. Vielleicht sollten Sie Ihre eigene Psychologie und Ihr eigenes Handeln einmal selbstkritisch in Augenschein nehmen.

    Freundliche Grüße

  6. RE: Deppes CMD Problem
    Zuhören zählt offensichtlich nicht zu Ihren Stärken, Frau Ertl. Die Software hier schneidet Ihre Kommentare nach 300 irgendwelchen Buchstaben einfach ab. Das hatte ich Ihnen in meinem letzten Kommentar auch noch mal extra hingeschrieben, damit Sie nicht zum 3. Mal in die gleiche Falle laufen … (steht aber auch in der Bedienungsanleitung unter „Neu hier“). Schauen Sie es sich vielleicht noch mal an. VG Joachim Wagner

  7. RE: Deppes CMD Problem
    Hallo Herr Dr. Wagner!

    Mein Vorschlag: statt schulmeisterlicher Belehrung vielleicht eine leistungsfähige Software. Zählen Sie Ihre Worte beim Schreiben?

    Freundliche Grüße

  8. Absolutheitsanspruch
    Herr Wagner, hatten Sie jemals einen Fall, wo Sie Beschwerden verursacht durch einen Fehlbiss akzeptieren konnten? Die Berichte der Patienten lauten immer: Zuerst Zahnersatz, dann Schmerzen und nicht umgekehrt! Bis es zu einer Begutachtung kommt, dauert es meist so lange, dass die Schmerzen leider bereits chronisch sind. Multiple Nonokklusion ist eindeutig.

    1. RE: Absolutheitsanspruch
      Hallo Herr Albrecht; das merkwürdige ist, dass diese Art von Patient um meine Praxis bisher einen großen Bogen macht 🙂 . Gefühlt teilen sich die Patienten mit erheblichen Schmerzen nach Ersatz in a) 70% pulpitische Schmerzen, die, weil sie ins Ohr und Kiefergelenk ausstrahlen, jahrelang falsch behandelt werden, b) 20% ostitische Schmerzen durch ungenügende Wurzelbehandlungen und c) 10% Sonstige, worunter mindestens 5% Neuropathien fallen. Und das was Sie als Hauptursache für Schmerzen ausmachen wollen: fehlerhaften Biss, bekommt von mir keine 5% im wirklichen Leben. Viele Grüße Joachim Wagner

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