Untergruppe „Nachtschmerz“ unter neuropathischen Mund/Gesichtsschmerz

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Innerhalb der Gesamtgruppe der Trigeminus Neuropathikern befindet sich eine Untergruppe, deren Aufkommen ich auf etwa 10% veranschlage. Sie unterscheiden sich von der Gesamtgruppe durch folgende Merkmale:

 

Nachtschmerz. Eine auffällige Eigenschaft der Dauerschmerzen durch die Erkrankung des Trigeminus ist bekanntlich, dass die Betroffenen nachts ungestört schlafen können. Zahnbedingte Schmerzen halten sich nicht an den Wach/Schlafrhytmus, im Gegenteil: Nachts werden zahnverursachte Schmerzen meistens stärker erlebt. Bei der Untergruppe „Nachtschmerz“ können die meisten Anhaltspunkte für neuropathische Schmerzen gefunden werden, z.B. keine Zahnbefunde, Röntgen-Bild unauffällig, Klopfversuch negativ usw. , aber sie haben nachts die gleichen Schmerzen wie tagsüber.

Wärme verschlimmert den Schmerz. Die große Mehrheit der Trigeminus Neuropathiker ist stark empfindlich auf Kälte und zwar Kälte auf Zähne, aber auch auf der Wange bzw. dem Gesicht. Wärme dagegen mindert die Schmerzen, auf der Gesichtshaut und im Mund. Die Untergruppe „Nachtschmerz“ verhält sich umgekehrt. Wärme. z.B. ein warmer Sommer mit 30C und mehr macht Menschen mit „Nachtschmerz“ arbeitsunfähig, weil der Dauerschmerz, der typischerweise auf einem bestimmten Zahn empfunden wird, schlimmer wird.

Medikamente. Bei 50% der allgemeinen Gruppe der Neuropathiker wirkt zumindest eines der Medikamente Amitriptylin, Carbamazepin oder Gabapentin gegen den Schmerz, die Kombination aus allen drei wirkt in der Regel am besten. In der „Nachtschmerz“ Gruppe ist die Erfolgsrate um den Faktor 3 bis 5 kleiner. Nur  10% bis 20% dieser Menschen können einen Erfolg mit den aufgezählten Antineuropathika verbuchen.

 

Bis heute ist völlig unklar, wie man diese Unterschiede innerhalb der Neuropathiker des Trigeminus erklären kann. Hier stehen wir noch ganz am Anfang von allem. Uns fehlt die Grundlagenforschung, wieviele Untergruppen ist bei Trigeminus Neuropathikern überhaupt gibt, warum das so ist und wie man es behandelt.

Welchen Rat kann ich nun Betroffenen von „Nachtschmerz“ und sehr starkem Dauerschmerz (Über 7 auf der Skala 0 bis 10) geben? Zunächst würde ich noch alle Medikamente der zweiten Wahl austesten, im wesentlichen also 1) Oxcarbazepin, 2) Duloxetin, 3) Mirtazapin, und 4) mit großer Vorsicht: Pimozid. Dann rate ich zum fleißigen Gebrauch eines Nano-Calcium-Apatit haltigen Desensibilisierers des Herstellers Kuraray „Teethmate desensitizer“.   Und dann sollte bei dieser barbarischen Schmerzstärke und kaum vorhandenen Linderungsmöglichkeiten durchaus die Möglichkeit geprüft werden, ob nicht doch einzelne Zähne, die zwar unbeschädigt aussehen, aber im Zentrum der Schmerzen stehen, geopfert werden sollten. So wichtig ist kein Zahn, wenn es um die Linderung von Dauer! Starkschmerzen geht.

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