Neue Medikamenten Kombination gegen neuropathische Mund/Gesichtsschmerzen

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Wie bereits mehrfach beschrieben, besteht die immer noch gültige Erstversorgung von chronischen Schmerzpatienten in Mund/Gesicht aus 3 Medikamenten.

  1. Amitriptylin, Stärke 10mg Tabletten, Einnahmeschema : 1-0-1
  2. Gabapentin , Stärke 300mg Tabletten, Einnahme : 1-0-1
  3. Carbamazepin, Stärke 300mg Tabletten, Einnahme : 1/2 – 0 – 1/2

Mit dieser Rezeptur sind 50% der mittleren und auch harten Fälle auf ein erträgliches Schmerzniveau herunter zu bringen. Die wichtigste Substanz dabei ist Carbamazepin. Sie wird routinemäßig gegen Epilepsie verordnet, aber dann bis zu 3.600mg täglich. Bewährt hat sie sich auch bei Trigeminus Neuralgie. Auch hier sprechen mehr als 50% der Betroffenen auf das Mittel an. Der Haken: Carbamazepin kann (vorrübergehende) Leberschäden verursachen und die Nebenwirkungen können einzelne Patienten zum Therapieabbruch zwingen.

Deshalb braucht es Alternativen. Die erste Möglichkeit statt Carbamazepin heißt: Duloxetin, besser bekannt als Cymbalta. Die Substanz scheint keine ernsthaften Schäden zu verursachen, hat aber natürlich auch Nachteile. Die Quote von Patienten, die eine bedeutende Schmerzlinderung durch Duloxetin erfahren, liegt deutlich unter 50% und verwendet man die stärkere Kapsel mit 60mg (1 x pro Tag), kommt es schon zu uangenehmen Nebenwirkungen.

 

Heute ergab sich ein Gespräch mit einem Dauerschmerz Patienten, den die Krankheit schon über viele Jahre arg plagt. Dieser hatte auch schon früher deswegen Kontakt mit Neurologen. Von einem dieser Neurologen bekam er die Kombination Novaminsulfon mit Tramadol empfohlen. Wie es der Zufall wollte, probierte unser Patient diese Kombination zusammen mit Bromazepam – das ich verschrieben hatte – aus. Und heute war er da, um mir den durchschlagenden Erfolg der 3-er Kombination zu erzählen und ein entsprechendes Rezept abzuholen. Er meinte, er brauche ab und zu mal Pause von dem Schmerz. Eine durchgehende Dauerbehandlung insbesondere mit Bromazepam steht auch er kritisch gegenüber. Hier ist das Rezept:

  1. Bromazepam 6mg Tablette, Experimentelle Einnahme 1-0-0
  2. Novaminsulfon 50ml Flüssigkeit, 30 Tropfen, Experimentelle Einnahme 1-0-0
  3. Tramadol 100mg Tabletten, Experimentelle Einnahme 1-0-0
Warnung

Bromazepam besitzt ein hohes (psychisch wie körperlich) Abhängigkeitspotential. Hausärzte verordnen das Mittel trotzdem in erstaunlichen Mengen, vor allem als Angstlöser. Aber bei neuropathischen Schmerzen spielen viele Humanmediziner nicht mit. Ziemlich bigott, das Ganze. Zum Novaminsulfon, besser bekannt unter Novalgin. Ich schrieb an anderer Stelle, dass Novalgin für die Behandlung von neuropathischen Schmerzen nicht geeignet ist. Deswegen kann ich jetzt nicht sagen, ob das Mittel in der Kombination notwendig ist. Das muss jemand ausprobieren, der diese Schmerzen hat. Fest steht aber, dass Novalgin lange nicht so schädlich für den Organismus ist, wie US-Mediziner noch glauben. Dort ist Novalgin nicht zu zugelassen aufgrund überholter Studien. Tramadol ist ein anderes Kaliber. Tramadol gehört zu den Opioden, ist also morphinähnlich, unterliegt jedoch nicht dem Betäubungsmittelgesetzt.  Die therapeutische Breite von Tramadol ist gering.  Absichtliche oder zufällige Überdosierungen können im Extremfall eine epileptischen Anfall auslösen. Erstaunlicherweise liegt das Abhängigkeitspotential von Tramadol klar unter dem von Bromazepam.

Ist klar

Human- und Zahnmediziner können mir zu recht vorwerfen, eine abenteuerliche Medikamenmischung zu propagieren. Mit dieser Publizierung biete ich breite Angriffsflächen. Ich sehe es aber als Dienst an den Starkschmerz Dauerpatienten. Ich möchte den Humani (Medizinerspeak für allgemeinen Arzt) sehen, der seit Jahren mit der Schmerzstärke 4 von 10 aufwacht und mit 8 von 10 ins Bett geht, der nicht Alles versucht, diese entsetzliche Situation zu verbessern. Genau das tue ich hier.

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