Video von funktionierenden echten Kiefergelenken – offen

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Hier ist das Video

TMJ (= Kiefergelenk) Anatomy "The Yoint" Video

von den Autoren Per Lennart-Westesson und Lars Eriksson, University of Lund, Sweden, 1985

Das Video enthält viele Abschnitte, in denen anhand mehrer menschlicher Präparate (Kiefergelenk in der Saggitalrichtung auseinandergesägt) gezeigt wird, wie die Diskusdislokation anterior bzw. seitlich mit Reduktion und ohne funktioniert. Die einzelnen Abschnitte sind mit einem Vorspann eindeutiger Beschriftung gekennhzeichnet, dazu gibt es einen englichsprachigen Kommentar.

Präparate = mit Formalin (Aldehyd der Ameisensäure) durchtränkte Leichenteile, die dadurch vor Bakterien- und Kleinlebewesen- befall und -abbau geschützt sind.

Saggitalrichtung = die Richtung, die ein Pfeil (saggitum) nimmt, wenn man von einen Menschen von vorne erwischt.

Diskus = Gelenksscheibe zwischen Gelenkkopf und Pfanne des Kiefergelenks 

Diskusdislokation = Verschiebung der Gelenkscheibe außerhalb des normalen Pfades

anterior = nach vorne, also Richtung Nase.

 

Weitere Hinweise

Das was die beiden Autoren vor 24 Jahren mit Leichengelenken und filmischen Mitteln zeigen konnten, ist heute per MRT (Kernspin) am lebenden Menschen auch möglich. Damals standen nur Röntgenmethoden zur Verfügung, die (bis auf unverantwortliche Kontrastmittelspritzung in das Gelenk) keinerlei Möglichkeit hatten, die Gelenkscheibe darzustellen.

Seit etwa 15 Jahren ist eine ordentliche Abbildung des Kiefergelenks durch das MRT (englisch MRI genannt) am Patienten machbar. Und damit zeigt sich immer deutlicher, dass die Vorstellungen der 80-iger Jahre über eine 1:1 Beziehung zwischen den diversen Möglichkeiten der Gelenkscheibe herumzueiern bzw. durchlöchert zu werden und den tatsächlich anzutreffenden Schmerzzuständen überhaupt nicht der Wirklichkeit entsprechen.

Wohl gibt es mechanische Blockierungszustände des Kiefergelenks (Kieferklemme, Blockade), die sind aber fast immer muskulärer Art (in der Regel nach Weisheitszahn Ex), und die nicht muskulären in meiner Beobachtung an 2.500 pro Jahr durch die Praxis laufenden Patienten extrem selten. 

Wesentlich häufiger anzutreffen ist das Knacken im Gelenk. Den Grund dafür sehen Sie in diesem Video ganz deutlich: da rutscht ein Stück Gelenkscheibe plötzlich durch einen engen Kanal, manchmal mit Loch in der Scheibe, meistens ohne, und das Knacken gibt es beim Öffnen als auch beim Schließen des Kiefers. 

Dazu eine aktuelle wissenschaftliche Arbeit:

Association between temporomandibular joint symptoms, signs, and clinical diagnosis using the RDC/TMD and radiographic findings in temporomandibular joint tomograms.

Department of Oral Radiology, School of Dentistry, Faculty of Health Sciences, University of Aarhus, Denmark. mwi@odont.ku.dk

AIM: To identify associations between clinical symptoms of temporomandibular joint disorders and radiographic findings. METHODS: Two hundred four adult patients (156 women, 48 men, mean age 40 years) with temporomandibular joint (TMJ) pain/sounds or changes in mandibular motion were examined according to the Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD). Bilateral sagittal corrected TMJ tomograms in closed and open positions were assessed for the presence of flattening, erosion, osteophytes, and sclerosis in the joint components and the range of mandibular motion. Logistic regression analyses were performed with the radiographic findings as the dependent variables and the following clinical variables as independent variables: opening pattern, maximal jaw opening, TMJ sounds, number of painful muscle/TMJ sites, duration of pain, presence of arthritic disease, depression and somatization scores, graded chronic pain, and age and gender. RESULTS: Coarse crepitus on opening/closing (odds ratio [OR] > or = 3.12), on lateral excursions (odds ratio > or = 4.06), and on protrusion (OR > or = 5.30) was associated with increased risk of degenerative findings in tomograms. A clinical diagnosis of osteoarthritis increased the risk of radiographic findings (OR > or = 2.95) and so did increasing age (OR > or = 1.03 per year) and the female gender (OR > or = 2.36). Maximal assisted opening and maximal opening without pain (< 40 mm) was associated with a posterior condyle-to-articular tubercle position (OR > or = 2.60). No other significant associations were observed. CONCLUSION: Age, gender, and coarse crepitus, but no pain-related variables, were associated with increased risk of degenerative findings in TMJ tomograms. Maximal opening < 40 mm was associated with a posterior condyle-to-articular tubercle relation on opening.

Übersetzung der Schlussfolgerungen (=Conlusion)

 Das Alter, das Geschlecht und grobe Reibgeräusche, aber keine schmerzbezogenen Befunde sind verkoppelt mit dem steigenden Risiko von degenerativen (verfall) Erscheinungen in CT (Röntgen-ComputerTomogramm) des Kiefergelenks. Eine maximale KieferÖffnung kleiner als 40 mm ist verkoppelt mit einer bestimmten Knochenbeziehung zwischen Kopf und Pfanne. 

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