Lowtech Diagnose-Werkzeuge für Zähne

Evtl. ist auch der Artikel Selbstdiagnose Zahnschmerzen von Interesse für Sie. Lesen Sie auch die Artikel Der Kältetest und andere Lügen und Abrechnungs-„Experte“ macht Wurzelfüllungen aus der Rubrik Wurzel-Behandlung Was tut man als Zahnarzt, wenn ein Patient mit heftigen Schmerzen vorstellig wird, aber in dem Gebiet, das der Patient angibt, auf den ersten Blick scheinbar kein Defekt entdeckt werden kann? Genau, man wendet diverse Diagnosehilfen an. Die Reihenfolge der Diagnostika geht so:

  1. Tasten mit der Hakensonde besonders in allen Zahnzwischenräumen.
  2. Klopfen mit einem massiven Stahlinstrument (z.B. Griff der Sonde) .
  3. Kältetest mit Schaumstoff-Schwämmchen und Kältespray.
  4. Beißtest auf ein Beißholz zum Entdecken von Rissen im Zahn, siehe Foto.
  5. Wärmetest mit Silikon-Putty und Alkoholflamme.
  6. Röntgenbild, vorzugsweise als Einzelbild 3×4 cm, plus Bißflügelaufnahmen.

Die Nummern 1 bis 5 sind alles Lowtech-Mittel. Trotzdem sind die damit ermittelten Befunde präziser als der Röntgenfilm. Warum ist das so?
Verschwindet die Hakensonde mit dem 2 mm langen Haken in Zahnfleischhöhe in das Zahninnere, dann ist da 100% sicher eine Karies. Jubelt der Patient beim Beklopfen der Zähne an einem Beisser erkennbar mehr, dann hat der Zahn 99% sicher eine Entzündung des Knochens. Reagiert ein Zahn auf den Kältetest erheblich wilder, als die Umgebung, kann man in 80% der Fälle von einer Entzündung des Zahnnervs ausgehen.

Mit dem Holz gelingt es fast immer, einen angeknacksten Zahn zu ermitteln. Beißt ein gesunder Backenzahn auf das Holz, dann wird nur das Holz zusammengedrückt, ohne Schmerzen auszulösen. Ein Zahn mit Riss meldet sich beim Zubeißen aber lautstark, die Sensitivität dieser Methode ist also hoch. Und jetzt aufgepasst: mit dem Röntgenbild ist dieser Befund einfach nicht zu ermitteln. Warum die Hölzer von deutschen Dentaldepots nicht angeboten werden, ist eigentlich unverständlich. Die Vermutung liegt nahe, dass es dafür keine Nachfrage gibt. Auch der Wärmetest bringt wertvolle Hinweise in Form von verzögertem Schmerz, wenn die Pulpa schon im Stadium des Verfalls ist, und die Kälteprobe eine irreführende „halbe“ Antwort zeigt. Alle diese Lowtech-Methoden haben irgendwo ihre Schwächen, aber die Kombination dieser Barfußzahnmedizin-Techniken führt zügig zu einer belastbaren Verdachtsdiagnose.

Und dann kommt als letztes das Röntgenbild, aber nur zur Bestätigung der Vermutung. Im Gegensatz zum „gesunden Volksempfinden“ ist bei einer Pulpitis das Röntgenbild fast unbrauchbar für die Beurteilung der Situation. Beispiel: akute Pulpitis. Bei diesem Befund ist im Röntgenbild alles gut schön und gesund. Das liegt daran, dass bis zu einer Entzündung des Knochens noch ein weiter Weg ist (Wochen bis Monate später) und erst die Knochenentzündung im Röntgenbild zu sehen ist. Dann hat der Patient aber schon lange 50 Aspirin verzehrt und den Notzahnarzt bemüht und wird dort jetzt auch weiterbehandelt.Fazit: Lowtech in Form eines 8x8mm dicken Weichholzes kann den Patienten viele unnötige Zahnschmerzen ersparen.

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