Biss der Woche – Hardcore

Lesen Sie dazu auch die Artikel  Wieder einer für die CMD Jungs: der Silvesterbiss und Das Dahl Prinzip – Bisshöhe ohne Denkverbot   aus der Rubrik Biss, Knirschen und ‚Funktion‘


Wer sich als Zahnarzt die Mühe macht, im Altenheim Kranke zu besuchen, kennt das Problem: mindestens 10% der Insassen haben akute Entzündungen der Mundschleimhaut, des Zahnfleischs und/oder des Kieferknochens. Verursacht werden diese durch zu lange Prothesenränder, monatealte Zahnbeläge und unbehandelte kariöse Zahnzerstörungen mit Untergang der vitalen Pulpa. Der Fall heute zeigt das Elend von Patienten, die sich nicht mehr äußern können, obwohl sie massivste Schmerzen haben. Diese 90 jährige alte Dame leidet u.a. an Parkinson und Altersdemenz. Unglücklicherweise führt diese Kombination dazu, dass sie sich mit ihren eigenen Unterkiefer-Backenzähnen dermaßen im Oberkiefer verletzt, dass zunächst die alte Oberkieferprothese als Beißschutz umgearbeitet wurde. Leider ohne Erfolg, so dass jetzt als Ultima ratio die Entfernung der unteren Backenzähne ansteht.

Das bedeutet: Anfahrt zum Altenheim, zuständige Pflegekraft auftreiben, mit Taschenlampe und etwas Glück 2 mal Leitungsanästhesie legen, die Zähne im Halbdunkel – ohne Röntgenbild natürlich – herauszaubern, und darauf hoffen, dass keine Komplikation eintritt. Der komplette Zeitaufwand incl. An- und Abfahrt dürfte bei 90 min liegen. Die Abrechnung über die Krankenversicherungskarte dafür bringt maximal 100 Euro, der Rest ist Gotteslohn. Fürs An- und Abfahren gibts übrigens keine 8 Euro – das Altenheim ist 5 km weit weg. Falls der Arzt aus bestimmten Gründen Taxi fahren muss, bringt er eigenes Geld mit, um hin und wieder wegzukommen. Super Regelung das.Jeder Handwerker kassiert für eine vergleichbare Aktion ganz sicher mehr.

Wer sich jetzt also wundert, warum die (zahn-)ärztliche Versorgung von pflegebedürftigen Bürger in vielen Altenheimen schlicht nicht existiert, kann hier gleich mal 1 und 1 zusammenrechnen.

Kommentar verfassen