Neue Behandlung neuropathischer Schmerzen: Clenbuterol

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Es scheint inzwischen klar zu sein, dass die Minderung neuropathischer Schmerzen über den Beta2-Adrenoceptor erfolgt. Jedenfalls wirken alle schmerzbekämpfenden Antidepressiva (Amitriptylin, Paroxetin, Mirtazapin, Duloxetin …) auf diesen Rezeptor im Sinne einer Aktivierung ein. Daher liegt es nahe, schon lange bekannte Beta2-Adrenoceptor Agonisten (Aktivierer) wie Clenbuterol, Terbutalin usw. direkt einzusetzen. Diese Substanzen wurden bisher hauptsächlich zur Behandlung von verengten Bronchien wie bei COPD etc. eingesetzt, sind also lange am Menschen erprobt. Clenbuterol fand auch jahrzehntelang Verwendung zum Doping (Tour de France) und für den Muskelaufbau in der Viehzucht.

Die hier vorgestellte Studie macht genau das am Mausmodell. Man testet hier mehr als 8 verschiedene dieser sogenannten Symphatomimetika. In der Grafik zeigen die Forscher, wie sich Terbutalin nach Dauergabe auswirkt. Die Tiere erhalten eine Operation des Ischiasnerven rechts und links, aber nur der rechte Ischias bekommt eine Einengungs-Nahtschlaufe (=Cuff) verpasst. Daraufhin wird der Fuss rechts innerhalb von 2 – 3 Tagen stark überempfindlich (Grafik A). Gibt man nun länger als 20 Tage lang dem Tier Terbutalin, erholt sich der Fuss komplett (Grafik B Rigth Paw).

Ist dieser Mausversuch auf den Menschen übertragbar? Die meisten Forschungen am Tier können nicht 1:1 auf den Menschen übernommen werden. Das hat regelmäßig mit den eingesetzten Wirkstoffmengen zu tun. Sehr sehr viele dieser neuropathischen Schmerzversuche am Tier kranken an einsetzten Substanzmengen, die bis zu 100-fach (!) höher dosiert sind, als am Menschen wegen der Nebenwirkungen überhaupt möglich wäre. Ich sehe das immer wieder in den Beschreibungen der Versuchsbedingungen, z.B. Gabapentin bis 200 mg pro kg Lebendgewicht, was umgerechnet auf den 70kg Normalmensch 14.000 mg pro Tag bedeuten würde. Ein solcher Mensch befände sich im Tiefstschlaf und geistiger Vollverwirrung.

Glücklicherweise braucht man von den hier angesprochenen Symphatomimetika auch am Tier so niedrige Substanzkonzentrationen wie am Mensch. Deshalb gibt es auch die ersten Menschenversuche damit. In dieser Studie http://anesthesiology.pubs.asahq.org/article.aspx?articleid=1933097 zeigen die Forscher sechs Fälle von neuropathischen Schmerzen, die mit den einschlägigen Mitteln (Antidepressiva + Antiepileptika + Opiate) nicht in den Griff zu bekommen waren. Bei allen 6 Patienten konnte Salbutamol den Schmerz um mehr als 50% senken ohne erkennbare Nebenwirkungen.

 

 

Natürlich sind Falldarstellungen aus verschiedenen Gründen als Beweis für die Wirksamkeit eines Medikamentes nicht ausreichend. Aber solche Einfachversuche sind eine gute Motivation für andere Forscher, bessere Studien zum Beweis des Konzeptes zu beginnen. Da es sich bei den Mitteln komplett um Generika (=patentfrei) handelt, also kein Pharmaunternehmen großes Geld damit machen kann, wird sich allerdings die Beweislage so schnell nicht ändern.  Chinesische Forscher stört das am wenigsten, ist dort doch der Staat der Hauptgeldgeber für die klinische Forschung. Ich rechne ernsthaft damit, dass die Chinesen als erste mit belastbaren Studien zu den Symphatomimetika gegen neuropathische Schmerzen herauskommen werden.

2 Replies to “Neue Behandlung neuropathischer Schmerzen: Clenbuterol”

  1. Hallo dr. Wagner! Sollen wir einfach mal dieses Medikament testen? Ich mein schlimmer als anti epileptika, die wir genommen haben.. dürfte das ja auch nicht sein? Es hat ja Aucv keinen Einfluss auf den Stoffwechsel..

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