S+Ketamin Nasalspray gegen neuropathische Akutschmerzen demnächst verfügbar

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Im November 2018 besuchte ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) den DGPPN Kongress https://www.dgppnkongress.de/ in Berlin. Hier treffen sich jährlich etwa 8.000 Teilnehmer – vorwiegend Psychiater, Neurologen und psychologische Psychotherapeuten – um über 4 Tage Vorlesungen in etwa 40 parallel laufenden Hörsälen neue Erkenntnisse, Methoden und Trends zu hören. Die Auswahl ist also erdrückend, sich nur einen Überblick zu verschaffen nicht möglich.

Immerhin gab es für die Neuropathiker ein bemerkenswertes Poster (Zusammenfassung von Studien/Doktorarbeiten auf einem großformatigen Poster).

Die Firma Janssen/Cilag (Tochter von Johnson & Johnson) hat ein Nasalspray mit niedrig konzentriertem S+Ketamin, Trivialname Esketamin, bereits in der Produktion. Leider noch nicht auf dem deutschen Markt. Der Firmenvertreter erklärte mir, daß man in Deutschland im Herbst 2019 mit der Zulassung rechnet. Diese Mittel ist offiziell für den Gebrauch bei einer behandlungsresistenten schweren Depression (englisch: Major Depression) vorgesehen, weil sich gezeigt hat, dass Ketamin in einer Dosis deutlich unter narkotisierender Wirkung eine schnelle und für Tage anhaltende antidepressive Wirkung zeigt. Selbst bei Patienten mit wirkungsloser Elektrokonvulsiv Therapie (Elektroschock). Zum Glück für meine Trigeminus Neuropathiker: Ketamin bewirkt auch bei neuropathischen Schmerzen eine schnelle Linderung. Das macht das Mittel interessant. Näheres weiter unten.

 

Effects of low‐dose intranasal (S)‐ketamine in patients with neuropathic pain

First published: 09 January 2012
Cited by: 37

ABSTRACT

Background: NMDA receptors are involved in the development and maintenance of neuropathic pain. We evaluated the efficacy and safety of intranasal (S)‐ketamine, one of the most potent clinically available NMDA receptor antagonists.

Methods: Sixteen patients with neuropathic pain of various origins were randomized into two treatment groups: (S)‐ketamine 0.2mg/kg (group 1); (S)‐ketamine 0.4mg/kg (group 2). Plasma concentrations of (S)‐ketamine and (S)‐norketamine were measured over 6h by High Performance Liquid Chromatography combined with mass spectrometry. Quantitative sensory testing (QST) was conducted before, during and after treatment. Side effects and amount of pain reduction were recorded.

Results: Intranasal (S)‐ketamine administration lead to peak plasma concentrations of 27.7±5.9ng/ml at 10±6.3min (group 1) and 34.3±22.2ng/ml at 13.8±4.8min after application (group 2). Maximal plasma concentrations of (S)‐norketamine were 18.3±14.9ng/ml at 81±59min (group 1) and 34.3±5.5ng/ml at 75±40min (group 2). Pain scores decreased significantly in both groups with minimal pain at 60min after drug administration (70±10% and 61±13% of initial pain in groups 1 and 2). The time course of pain decrease was significantly correlated with plasma concentrations of (S)‐ketamine and (S)‐norketamine (partial correlations: (S)‐norketamine: 0.90 and 0.86; (S)‐ketamine: 0.72 and 0.71 for group 1 and group 2, respectively). Higher dosing elicited significantly more side effects. Intranasal (S)‐ketamine had no significant impact on thermal or mechanical detection and pain thresholds in normal or symptomatic skin areas.

Conclusions: Intranasal administration of low dose (S)‐ketamine rapidly induces adequate plasma concentrations of (S)‐ketamine and subsequently of its metabolite (S)‐norketamine. The time course of analgesia correlated with plasma concentrations.

Zusammenfassung

Ein Nasenspray mit S+Ketamin in der Konzentration von 0,2 oder 0,4 mg/kg wird Patienten mit chronischen Schmerzen unterschiedlichen Ursprungs verabreicht. Bis etwas 60 Minuten erreichen die Schmerzpegel darauf ihre niedrigsten Stand um anschließend langsam wieder anzusteigen.

 

Bewertung

Die Erprobung des Ketamin Sprays am chronisch leidenden Menschen beweist, dass die Substanz einen klaren Nutzwert hat. Er ist nur leider etwas kurz mit 2 bis 4 Stunden. Auch treten erkennbare Nebenwirkungen auf. Die dürften einem Menschen mit Dauerschmerzen von 7 von 10 (Durchschnitt der getesteten Personen) aber reichlich egal sein. Natürlich wäre diese Anwendung wieder ein „Off-Label“ Use, aber das betrifft letztlich viele Mittel, die in der Behandlung von Neuropathien Wirkung haben (z.B. Duloxetin, Bromazepam, Clenbuterol …) Kurz und gut: Wir hoffen, dass das Mittel möglichst schnell zugelassen wird.

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