Kommende ICD-11 enthält endlich Diagnoseschlüssel für chronische neuropathische Schmerzen

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Zunächst eine Erläuterung der Abkürzung ICD

ICD steht für englisch „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“. Wie bereits der Name sagt, geht es um die eindeutige Zuordnung einer Diagnose zu einem bestimmten Krankheitsbild.  Dieses ICD Schlüsselsystem gibt es auch in Deutschland schon lange und ist Bestandteil der Kassenabrechnung aller Mediziner. Die Zahnärzte verteilen noch keine ICD Diagnosen, haben dementsprechend davon auch noch keine Ahnung. Derzeit gilt die Version ICD-10.

Um es anders zu formulieren: Die ICD bildet alle bedeutenden Erkrankungen des Menschen in einem systematischen Rahmen ab. Was an Krankheiten nicht in der ICD steht, gibt es nicht, könnte man meinen. Aber wie wir alle wissen, kommen ständig neue Erkenntnisse hinzu, weshalb die ICD auch immer wieder überarbeitet und geändert werden muss.

Eine Arbeitsgruppe aus Marburg um den bekannten Schmerzforscher Rolf Detlef Treede hat auf dem DGPPN Kongress 2018 ein Poster veröffentlicht, um endlich die Klassifizierung von chronischen Schmerzen voranzubringen.  Bisher (Ausgabe ICD-10) waren chronische Schmerzen unzureichend in dem ICD Schema vertreten.

Die obige Arbeitsgruppe schlägt für den Bereich der hier in zahnfilm.de behandelten Trigeminus Neuropathie folgende neue Kategorien vor:

  • MG30.5 Chronische neuropathische Schmerzen
  • MG30.6 Chronische sekundäre Kopfschmerzen oder orofaziale Schmerzen

Dabei wird chronisch definiert als Schmerzen länger als 3 Monate. Die Kategorien haben weitere Unterkategorien, die aber jetzt hier nicht diskutiert werden sollen.

Warum das wichtig ist

Es wird höchste Zeit, dass das Diagnose Chaos bei der Bezeichnung der Trigeminus Neuropathie aufhört. Man denke nur an die vielen verwendeten Namen wie „Atypische Gesichtsschmerzen“, „Idiopathischer persisiterender Gesichtsschmerz“, „Odontalgie“ etc. Bisher lag es im Belieben des Behandlers, welche der vielfältigen Begriffe er benutzt und damit natürlich auch die Behandlung vorbestimmt. Wenn sich die ICD-11 wie vorgesehen durchsetzt, muss der Mediziner sich aber dann entscheiden, ob es sich beim konkreten Dauerschmerz Patienten um einen „einfachen“ chronischen orofazialen Schmerz MG30.6 oder um einen neuropathischen chronischen Schmerz MG30.5 handelt. Eine TMD (CMD) wäre eine MG30.6, eine Trigeminus Neuropathie dagegen eine MG30.5 .  Mit diesen ICD Schlüsseln entsteht dann letztlich eine belastbare Statistik der Trigeminus Neuropathie, die bisher im völligen Dunkeln liegt.

 

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