Sieht brauchbar aus: Resveratrol

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Schnellinfo: Resveratrol gibt es beim Amazon im großen Kübel zum Kapselpreis von 35 Cent. Gewonnen wird es aus den Kernen von rotem Wein und Knöterich. Inzwischen liegen mehrere Studien vor, die zeigen, dass Resveratrol neuropathische Schmerzen mindern/abschalten kann. Der Haken: Die Wirkung ist dosisabhängig. Bei Ratten wurde der wirksamste Pegel bei 400 mg/kg Körpergewicht gemessen. Direkt auf den 70kg Menschen übertragen – was nicht zulässig ist – wären das 70 Kapseln a 400 mg pro Tag. Die hier gezeigte Studie zeigt den Effekt auf einen krankgemachten Oberkiefer Trigeminus Ast bei der Ratte.

Resveratrol suppresses glial activation and alleviates trigeminal neuralgia via activation of AMPK

  • Yan-jing Yang†Email author,
  • Liang Hu†,
  • Ye-peng Xia,
  • Chun-yi Jiang,
  • Chen Miao,
  • Chun-qing Yang,
  • Miao Yuan and
  • Lin WangEmail author

†Contributed equallyJournal of Neuroinflammation201613:84

https://doi.org/10.1186/s12974-016-0550-6

©  Yang et al. 2016

  • Received: 26 November 2015
  • Accepted: 11 April 2016
  • Published: 19 April 2016

Abstract

Background

Glial activation and neuroinflammation in the spinal trigeminal nucleus (STN) play a pivotal role in the genesis and maintenance of trigeminal neuralgia (TN). Resveratrol, a natural compound from grape and red wine, has a potential anti-inflammatory effect. We hypothesized that resveratrol could significantly suppress neuroinflammation in the STN mediated by glial activation and further relieve TN. In this study, we evaluated whether resveratrol could alleviate trigeminal allodynia and explore the mechanism underlying the antinociceptive effect of resveratrol.

Methods

Animals were orally injected with resveratrol after chronic constriction injury (CCI) of the infraorbital nerve. Mechanical thresholds of the affected whisker pad were measured to assess nociceptive behaviors. The STN was harvested to quantify the changing levels of p-NR1, p-PKC, TNF-α, and IL1-β by western blotting and detect the expression of calcitonin gene-related peptide (CGRP) and c-Fos by immunofluorescence. Glial activation was observed by immunofluorescence and western blotting. Mitogen-activated protein kinase (MAPK) phosphorylation in vivo and in vitro was examined by western blotting.

Results

We found that resveratrol significantly attenuated trigeminal allodynia dose-dependently and decreased the increased expression of CGRP and c-Fos in the STN. Additionally, resveratrol showed an inhibitory effect on CCI-evoked astrocyte and microglia activation and reduced production of pro-inflammatory cytokines in the STN. Furthermore, the antinociceptive effect of resveratrol was partially mediated by reduced phosphorylation of MAP kinases via adenosine monophosphate-activated protein kinase (AMPK) activation.

Conclusions

AMPK activation in the STN glia via resveratrol has utility in the treatment of CCI-induced neuroinflammation and further implicates AMPK as a novel target for the attenuation of trigeminal neuralgia.

Resultate auf deutsch

Wir fanden heraus, dass Resveratrol die Trigeminus-Allodynie (erniedrigte Schmerzschwelle) dosisabhängig signifikant wiederherstellt und die erhöhte Expression (Produktion) von CGRP und c-Fos (verstärkt in vielen Krebszellen) im STN (Umschaltstelle des Trigeminus im verlängerten Rückenmark) senkt. Darüber hinaus zeigte Resveratrol eine hemmende Wirkung auf die CCI-evozierte Astrozyten- und Mikroglia-Aktivierung (Nichtnervenzellen um die Trigeminuszellen, können Schmerz verstärken) und verringerte die Produktion entzündungsfördernder Zytokine (Signalstoffe) im STN. Darüber hinaus wurde die antinozizeptive (schmerzhemmende) Wirkung von Resveratrol teilweise durch eine verringerte Phosphorylierung von MAP-Kinasen über die Aktivierung von Adenosinmonophosphat-aktivierter Proteinkinase (AMPK) (ein Sensor für den Energielevel der Zellen, kann bei Krebszellen den Zelltod einleiten) vermittelt.

Ausführlicher

Die Sache ist kompliziert. CGRP calcitonin gene-related peptide bitte bei Wikipedia nachlesen. Das Eiweiß regelt den Blutgefäß Durchmesser und kommt in hoher Dichte im Nervus Trigeminus vor. Bei Migräne ist zuviel CGRP im Spiel. Und das wird bei Migräne vom Trigeminus falsch geregelt. Inzwischen gibt es Gen Medikamente zum Abschalten von CGRP in Härtefällen von Migräne, die einen nachgewiesenen Zusatznutzen gegen bisherige Antimigräne Mittel haben. Das wiederum ist interessant bei Trigeminus Neuropathie. Für diese Anwendung haben die entsprechenden Produkte zwar keine Zulassung, aber mir ist ein Fall von Trig. Neuropathie berichtet worden, wo dieser CGRP Antagonist durchschlagend gewirkt hat.

Hier punktet Resveratrol, allerdings dosisabhängig. Dazu später.

C-Fos ist ein Proto Oncogene = Vorläufer eines krebsauslösenden Eiweisses. Siehe Wikipedia , mit Grafik. C-Fos kommt in verschiedenen Krebsgeweben verstärkt vor. Die genaue Rolle im Krebsgeschehen ist aber noch nicht geklärt. Hier wichtig: Die Erhöhung von C-Fos im Nervgewebe zeigt immer eine Verstärkung der Aktivität des Nerven an.

Resveratrol senkt die C-Fos Produktion im Nervengewebe, dosisabhängig.

Astrozyten und Microglia (Stütz und Begleitzellen der Nervzellen). Früher hat man diese Bindegewebszellen zwischen den Nervenfasern als „dumm“ gedacht. Soll heißen, dass sie an der Signalübertragung durch die Nervenzellen keinen Anteil haben. Das stimmt auch zum Teil noch, aber heute wissen wir, dass bestimmte Zustände (Entzündung, hohe Erregungszustände des Nervs) die Stütz- und Begleitzellen selber Signale auf den Nerv senden läßt. In der Regel in Richtung einer höheren Empfindlichkeit. Das spielt bei Trig. Neuropathie eine wichtige Rolle.

Resveratrol hemmt die Astrozyten und Microglia Aktivierung. Dosisabhängig?

Entzündungsfördernde Zytokine. Bitte nachlesen Wikipedia . Der Versuch mit den Ratten funktioniert im Prinzip so: Der Oberkiefer Trigeminus Ast wird freipräpariert, dann mit 2 Schlingen aus Nahtmaterial locker umschlungen, zugenäht und anschließend die Empfindlichkeit der Oberlippe mit genormten Nylondrahtborsten getestet. Wenn das Tier den Kopf wegdreht, ist die Reizgrenze erreicht. Typischerweise geht die Drahtstärke am Tag 2 nach der OP von etwa 10 gramm auf 1 gramm runter. Die entzündungsfördernden Zytokine entstehen nicht etwa wegen einer bakteriellen Entzündung, sondern wegen der Reizung des Trigeminus durch die Schlingen.

Resveratrol senkt die Bildung von entzündungsfördernder Zytokine.

MAP Kinasen. Ganz ehrlich: War mir zu kompliziert.

AMPK Adenosinmonophosphat-aktivierter Proteinkinase. Dieses Eiweiß wird noch eine große Rolle in der Entwicklung von neuen antineuropathischen Mitteln spielen. Wird AMPK aktiviert, vermindern sich die Spezial Schmerzen, von denen in zahnfilm.de die Rede ist. Kein Wunder, dass das Interesse von Big Pharma hier besonders groß ist. Übrigens kann AMPG ganz simpel mit ordentlichen Mengen von Metformin (Medikament Nummer 1 bei Typ2 Diabetes mellitus) aktiviert werden.

Resveratrol aktiviert AMPK.

Resume

Resveratrol scheint ein wahrer Glückstreffer zu sein. Rezeptfrei, aus natürlichen Quellen gewonnen und dazu viele biochemische Wege der Schmerzverarbeitung des Trigeminus günstig beeinflussend. Wäre da nicht das kleine Wort „dosisabhängig“. Wer die Studie im Originaltext liest, bekommt ganz klar gezeigt, dass die Kurven für die Schmerzminderung durch Resveratrol bei kleinerer Dosierung direkt nach unten zeigen. Nach den Vorgaben dieses Rattenversuchs müsste sich ein Mensch mit Trig. Neuropathie eine komplette Dose mit 90 Kapseln pro Tag einverleiben, um den Effekt zu erziele

Zum Glück kann ein Rattenversuch nicht 1 zu 1 auf Menschen übertragen werden. Bei Groß Säugetieren kann man aproximal den Faktor 10 runterrechnen. Sind aber immer noch 7 Gramm Resveratrol pro Tag. Leider gibt es keine klinische Studie von Resveratrol mit Trigeminus Neuropathie am Menschen. So weit ich sehe. Es bleibt also spannend, zu sehen, was meine Leser aus dieser Information machen.

4 Replies to “Sieht brauchbar aus: Resveratrol”

  1. Das klingt ja sehr interessant. Das würde ich glatt mal ausprobieren.. Ich würde das jetzt erstmal ähnlich wie die Ferulasäure berechnen also statt 70 Kapseln 7, was ja auch viel ist, aber durchaus machbar wenn man es will. Die Frage ist ob mit ernsthaften Nebenwirkungen zu rechnen ist, in dieser Dosierung.

    1. Genau etwa 7 Kapseln. Nebenwirkungen ernster Art: Sicher nicht, sonst dürfte es nicht OTC (over the counter) verkauft werden.
      VG J. Wagner

  2. Guten Morgen, habe diese Dissertation von Sarah Maria Forstner über Reservatol gefunden. https://d-nb.info/1069105236/34
    Hier geht es um Reservatol als Antioxidanz, aber die angehende Dr. med.dent. äußert sich hier auch über Dosierung und dadurch bedingte Nebenwirkungen.
    LG
    Hildegard

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