Behandlungsziel Trigeminus Neuropathie realistisch

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Seit mehr als 12 Jahren bin ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) in der praktischen Behandlung von Menschen mit einer Trig. Neuropathie tätig. Theoretisch noch deutlich länger. An dieser Stelle möchte ich die Zusammenfassung meiner Beobachtungen skizzieren.

Den meisten der noch nicht anderweitig anbehandelten Neupatienten rate ich im Erstgespräch zur Kombinationsmedikation mit 1. Amitriptylin, 2. Carbamazepin, und 3. Gabapentin (fast dasselbe wie Pregabalin). Der Grund ist, dass es einen Haufen internationaler Studien gibt, die diese 3 Medikamente als die Medikamente der ersten Wahl ausweisen. Anders gesagt: Besser geht es nicht. Warum die Kombination? Es gibt nur wenige Studien zur Beurteilung von Medi-Kombinationen bei Trig. Neuropathie. Aber diese wenigen sind sich weitgehend einig, dass die Kombination über die Wirkung der Einzelmedikamente hinausgeht. Meine bisherige Behandlungsphilosophie der Kombination niedriger Dosierungen der 3 Mittel der ersten Wahl habe ich darum bis heute nicht geändert.

Probleme

Wir wissen, dass Carbamazepin beim ersten Behandlungsversuch von Trig. Neuralgie (nicht Neuropathie) eine Verbesserung der Schmerzen um die Hälfte in 70% der Fälle erreichen kann. Der Wert für die Trig. Neuropathie liegt nach meiner Erfahrung bei 50% – 60%. Bei Amitriptylin kann mit 50% gerechnet werden. Und Gabapentin liegt in der gleichen Größenordnung.

Die Kombinationsbehandlung wirkt ganz sicher bei 50% aller Neufälle im Sinne einer Halbierung der Schmerzen. Bei 20% nicht so dolle, aber immerhin erkennbar und bei den restlichen 30% wirkt sie einfach nicht. Diese teilen sich in a) Medikamentunverträglichkeit, b) zu starken Nebenwirkungen und c) einfach gar nicht auf. Auffallend ist die schlechte Wirksamkeit bei der Unterabteilung „neuropathische Schmerzen des Trigeminus mit nächtlichen Schmerzen“. Es scheint, dass diese Unterabteilung unter einer besonderen Art von neuropathischen Schmerzen des Trig. leidet.

Was tun bei Unwirksamkeit?

Logischerweise kommen bei mir selten die erfolgreich anbehandelten Patienten zur Weiterberatung zurück, sondern die weniger oder gar nicht erfolgreichen. Zum Glück haben wir einiges an Ausweichmittel. Typischerweise wird dann Carbamazepin gegen Duloxetin (2. Wahl) getauscht. Bei Nichtwirkung desselben vermute ich automatisch eine sehr spezielle Unterabteilung der Trig. Neuropathie. Diese reagiert gerne auf Bromazepam 6mg.

Darüberhinaus verwende ich immer als Erstes Amitriptylin 10mg bei meinen Normalpraxis Patienten alleine ohne Kombination. Besonders, wenn es um Verdachtsfälle geht, die bisher nicht bestätigt sind. Diese Miniportion ist absolut in der Lage, zwischen zahnbedingten Schmerzen und solche ohne Zähne zu unterscheiden. „Kleinere Fälle“ reagieren auch schon mal auf Clenbuterol („Spiropent“) oder Zolmitriptan. Aber wir wollen ja nicht alle Details des Trig. Neuropathie Business verraten. …

Allgemeingültig

Alle meine Patienten werden informiert, dass die Medis der Kombi Therapie alles andere als Schmerzmittel sind. Sie provozieren vom ersten Tag an ungewohnte Nebenwirkungen (Trockener Mund, Schwindel, leichte Verwirrtheit oder Konzentrationsschwäche), aber brauchen 1 bis 4 Wochen, bis die erwünschte Wirkung wenigstens zum Teil wirksam wird. Kurz gesagt: Geduld ist absolut erforderlich.

Realistisch

Was kann der durchschnittliche Trig. Neuropathie Patient erwarten? Ganz einfach. Die Hälfte aller Trig. Neuropathie Patienten kann von der CAG Kombinationstherapie (Carbamazepin, Amitriptylin, Gabapentin) erwarten, dass ihre Schmerzen sich nach 1 bis 4 Wochen halbieren. Weitere 20% erleben eine „Entschärfung“ der Schmerzen, aber keine Halbierung und 30% müssen sich auf eine erhebliche Veränderung der Medikation einstellen.


2 Replies to “Behandlungsziel Trigeminus Neuropathie realistisch”

  1. Sehr geehrter Hr Dr Wagner, ich habe nun schon seid 13 Jahren Schmerzen. Im Oberkiefer an den zwei großen Schneidezähne hatte ich immer wieder Eitrige Entzündungen die aber nicht schmerzhaft waren. Mein Zannarzt hat mir vorgeschlagen diese zu entfernen, mir die danebenliegenden kleinen Schneidezähne und Eckzähne zu beschleifen für eine Brücke. Muss noch erwähnen das die Schneidezähne locker waren, konnte einen schon nach links und rechts drehen.Wie gesagt keine schmerzen. Dann kam der Tag als meine Zähne beschliffen wurden.Mein Zahnarzt musste des öfteren die Betäubungsspritze ansetzen, trotzdem tat es weh. Nach dem Abschliff hat er um die Zähne herum das Zahnfleisch mit dem Laser weggebrannt. Dann fing das Grauen an, nur Schmerzen. Erst habe ich gedacht die Nerven müssten sich beruhigen, Taten sie aber nicht im Gegenteil, die Schmerzen wurden immer schlimmer. Ich habe mir die Brücke die schon einzementiert war wieder rausnehmen lassen. Die zwei kleinen Zähne und ein Eckzahn waren abgestorben und trotzdem so wahnsinnige Schmerzen. Es sind brennende ziehende Schmerzen und ich hatte das Gefühl als ob mir jemand eine Schraubzwinnge am Kiefer befestigt hat. Ich bin Depressiv geworden,habe 15 Kilo verloren und wollte nicht mehr leben.Nach 18 Monaten des Leidens war ich bei einem Schmerztherapeuten dermir Gabapentin und Amitriptilin verschrieben hat.Schon nach einer Woche ging es mir besser, war sogar 2Wochen komplett schmerzfrei.Die Schmerzen kamen wieder aber nicht so stark wie zuvor. Sie schwanken,mal sind sie schwächer mal stärker. Warum habe ich diese Schmerzen und gehen sie jemals wieder weg. Ich muss noch erwähnen das ich mir ein Eckzahn und die kleinen Schneidezähne hab ziehen lassen vor lauter Verzweiflung. Wenn ich mit der Zunge die Stelle berühre wo die kleinen Schneidezähne verankert waren, fühlt sich seltsam an. Da sitzt auch der Schmerzherd. Über Antworten würde ich mich sehr freuen. LG Biene

  2. Guten Tag Herr Wagner,
    Wie viele bin ich in einer schlaflosen Nacht auf diese Seite gelangt und auch ich hoffe das Sie mir vielleicht helfen können.
    Im Februar 2019 hatte ich eine Wurzel Behandlung und werde seitdem die Schmerzen nicht mehr los. Ich habe auch schon einiges versucht. Ich war schon beim osteropaten, einer kieferorthopädin, einer kiniolosologin, HNO und zu guter letzt auch beim Neurologen, der mir pregabalin (400 am Tag ) und opipram verschrieben hat. Das habe ich jetzt 5 Wochen genommen und habe sehr unter den Nebenwirkungen gelitten. Leider habe ich nach wie vor Schmerzen. Haben Sie noch eine Idee ??
    Mit freundlichen Grüßen Rosa

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