CHKM, Jodoform und Dr. Walkhoff

Bewerte diesen Beitrag

Lesen Sie dazu auch die Artikel  Formokresol im Kindermund ist besser als Calciumhydroxyd  und Gescheiterte Wurzelbehandlung  aus der Rubrik Wurzelbehandlung

 

Auch unter Zahnärzten spricht es sich langsam herum, dass der Besiedelung toter Wurzeln mit Mikroben am sichersten mit dem richtigen Desinfektionsmittel beizukommen ist. Chirurgische Methoden sind dagegen eher von zweifelhaftem Nutzen. Wenn trotz einer WSR (Wurzelspitzenresektion) die Fistel (der Pickel mit Eiterauslauf) am Zahnfleisch nach wenigen Tagen wieder auftaucht, dann war die ganze chirurgische Heldentat für die Katz. Statistisch geschieht das übrigens in 50% (!) aller WSR Fälle, was im übrigen kein Wunder ist, weil die einzigen, die sich beim Anblick von Skalpell, Spritze und Bohrer fürchten, die Patienten sind. Die Kleinstlebewesen mit Namen Escherichia coli oder Enterococcus fäcalis in der Zahnwurzel beeindrucken solche Dinge genau genommen gar nicht.

Unser werter Kollege

Dr. med. dent. Paul Grabowski

Hoher Heckenweg 139

48147 Münster

gehört zu den überzeugten Timbuktu Zahnärzten Deutschlands. Er hat Zahnfilm DE dankenswerterweise eine Miniserie aus seinen Werken zur Verfügung gestellt. Und wieder bestätigt ein weiterer Behandler das Prinzip: die Ursache der Entzündungen an den Wurzelspitzen von toten Zähne ist immer eine Besiedelung der Wurzel innen und/oder außen mit einzelligen Kleinstlebewesen. Nur eine radikale Abtötung jedes einzelnen Keimes kann das Problem aus der Welt schaffen.

Patient 1 von Kollegen Grabowski: Es geht in dieser Reihe um den oberen linken mittleren Schneidezahn (im Bild rechts vom schwarzen Strich). Vom Vorbehandler übernahm der Kollege eine sogenannte "Residualzyste" am 21, die übrig blieb nach erfolgloser WSR. Im Mund konnte Narbengewebe, eine Verdickung über dem Zahn und eine Fistel mit Eiterentleerung beobachtet werden. sany0028.jpg

 Bild 2

Die helle Wolke besteht aus Jodoform Paste (nach Dr. Walkhoff) und wurde nach 2 Vorbehandlungen mit CHKM Einlage in den Kanal in der 3. Sitzung am 06.10.2008 eingefüllt. Um die helle Wolke herum sind die Umrisse der Zyste gut erkennbar.

 sany0036.jpg

 Bild 3

Kontroll Röntgebild vom 01.12.2008: Die Jodoform Paste resorbiert der Körper selbstständig, gleichzeitig verkleinert sich die Zyste, weil Jodoform alle Bakterien niedermacht.

 sany0037.jpg

 Bild 4

Kontroll Röntgenbild vom 08.01.2009. Zwischen Bild 2 und Bild 4 wurde keine Veränderung am Zahn vorgenommen. Der Abbau des Desinfektionsmittels verläuft komplett alleine. 

 sany0038.jpg

 Bild 5

Kontroll Aufnahme am 19.02.2009 unmittelbar nach Einbringen einer neuen Wurzelfüllung aus Endomethasone N und Guttapercha. Vergleichen Sie bitte die Knochendichte und -form von Bild 2 mit Bild 5. Dazwischen liegen 5 Monate. Beim genauen Betrachten läßt sich im Bereich der ehemaligen Zyste ein neuer Parodontalspalt an der Wurzelspitze des 21 erkennen. So stelle ich mir eine biologisch korrekte Heilung des Gewebes vor.

 sany0039.jpg

 Bild 6

Fall 2 von Dr. Grabowski. Just an diesem Wochenende las ich (Joachim Wagner, Zahnarzt) die Ergüsse von Max Daunderer, seines Zeichens Internist-in-Rente und selbsternannter Amalgambekämpfer Nr. 1 der Republik. An mindestens 500 Stellen schreibt der Mann über "Eiter" im Kiefer *) und man merkt als Zahnarzt, dass er nie lockere Zähne in wirklichen Mündern gesehen geschweige denn behandelt hat. Denn jetzt könnte Meister Daunderer ein Kunststück lernen.

 sany0029.jpg

 Bild 7

Auf Bild 6 vom 29.05.2006 ist der Backenzahn 46 (rechts unten Vorletzter) so locker, dass man meint, ihn mit den Fingern ziehen zu können. Im Volksmund : "er steht im Eiter".  Auf Bild 7 vom 17.08.2006 hat Dr. Grabowski in der 3. Sitzung nach 2 mal CHKM dieses Mal nun Jodoform in die Kanäle gefüllt. Zwischen diesen beiden Bildern liegen "eitermäßig" Welten. Auch der zahnmedizinische Laie kann die Unterschiede leicht aufzeigen.

 sany0030.jpg

 Bild 8

Am 23.10.2006 erfolgte in diesem Beispiel die Wurzelfüllung mit Endomethasone und Guttapercha.

 sany0031.jpg

 Bild 9

Und die Kontrollaufnahme vom 20.03.2008 demonstriert, dass der Kollege auch hier alle
Anforderungen an eine biologisch korrekte Ausheilung erfüllt hat: die verantwortlichen Verursacher Keime wurden alle erfolgreich getötet und die Heilung des Knochens kann man ab da getrost der Natur überlassen. Kein Eiter mehr in Sicht, auch mit der Lupe keiner mehr aufzutreiben, der Parodontalspalt zieht sich um beide Wurzeln absolut gleichmäßig und ununterbrochen herum. 

 sany0032.jpg
   

  *) "Eiter im Kiefer" ist ohnehin als polemischer Kampfbegriff einzustufen. Was Doktor Daunderer dabei nämlich unterschlägt ist: a) in den allermeisten Fällen, in denen er von "Eiter" schwafelt, besonders in den von ihm befundeten Röntgenaufnahmen, handelt es sich um ein Infiltrat, also weiße Blutkörperchen in einem noch erkennbar organisierten Gewebe, nicht um die fließende eingeschmolzene Masse aus Bakterien, Gewebsresten und weißen Blutkörperchen, genannt Eiter. Und b) noch viel wichtiger: Infiltrate und sogar richtige Eiterbildungen im Mundbereich sind lange nicht so schlimm, wie solche im Restkörper. Das liegt an der stark organisierten Bakterienabwehr im gesamten Mund- und Rachenraum. Offene Wunden im Mund heilen auch bei der normalen Bakteriendichte des Speichels von 10 hoch 6 (= 1 Mio.) koloniebildende Einheiten pro Milliliter (!)  immer von alleine. Versuchen Sie das niemals auf der Bauchdecke.

 

 

5 Replies to “CHKM, Jodoform und Dr. Walkhoff”

  1. hallo!

    kann man so eine behandlung auch an einen zahn machen, der bereits eine krone und einen stift hat. Mir ergeht es genauso wie sie oben geschrieben haben. hatte wsr an 3 zähnen, kurze zeit später hatte bzw. habe ich seitdem immer wieder einen gelben pickel am zahnfleisch, der wenn zu groß wird, sich auch entleert. mein zahnarzt meinte, dass das jetzt was neues sei und nicht im zusammenhang mit den wsr stehe?!? er hat folgende behandlung vorgeschlagen: sollte erstmal mit wasserstoffperoxid tägl. munddusche machen. im neuen jahr dann nochmal eine komplette zahnreinigung, da er der meinung ist, dass die letzte nicht gut gemacht worden ist von einen anderen zahnarzt. anschließend möchte er dann versuchen meine krone aufzubohren, dass er dort hinkommt wo der stift ist um mich dann mit ckhm, jodoform und noch einen mittel zu behandeln. hat jemand erfahrung damit oder weis ob mir das was bringt, weis überhaupt nicht was ich machen soll.
    mfg julie

    1. Hallo Julie, ich gebe Ihnen die Kurzversion: Zahnreinigung, Wasserstoffperoxyd und Munddusche sind in diesem Fall für die Katz. Sie brauchen: a) Entfernung Krone, b) Entfernung Stift, c) Revision der WB mit Schwerpunkt Desinfektion und dann alles retour, wobei ich die stiftlose Krone bevorzuge. Viele Grüße Joachim Wagner

  2. RE: CHKM, Jodoform und Dr. Walkhoff
    [quote name=“Horst P.“]6er ridikulös zu hoch versorgt.[/quote]
    Nein, Herr P. Sie befinden sich hier auf der Internet Plattform „Form und Farbe (des Ersatzes) beißen sich ein“, smile.

    Viele Grüße Joachim Wagner

  3. Die Farbe beißt sich ein
    [quote name=“Joachim Wagner“][quote name=“Horst P.“]6er ridikulös zu hoch versorgt.[/quote]
    Nein, Herr P. Sie befinden sich hier auf der Internet Plattform „Form und Farbe (des Ersatzes) beißen sich ein“, smile.

    Viele Grüße Joachim Wagner[/quote]

    Hier ist ein etwas differenzierter Beitrag eines Menschen zu lesen, der nicht nur Zahnklempnerei, sondern auch Allgemeinmedizin gelernt hat. Und dem die klassischen Entzündungszeichen nicht fremd sind:

    http://www.tarzahn.de/rationale-funktionstherapie/iatrogene-hindernisse-durch-zahnersatz

    Es beißt sich nicht alles ein. Ich habe mir am 9. Mai 2014 den zweiten überhöhten Zahn ausgebissen. Mit der Zahnbürste rausgeschubst. 17 stand wahrscheinlich über 10 Jahre im Eiter.

    Was mir bei Ihnen gefällt, ist die klare Priorisierung von GIZ.

    LG

    h. p.

Kommentar verfassen