MTA, das Wundermittel

INTRODUCTION

A mineral trioxide aggregate (MTA) has been developed at Loma Linda University to seal communications between the tooth and the external surfaces (1). This material was studied in a series of in vivo and in vitro investigations, which reported good sealing ability (2) and tissue behavior (3,4). Formation of new cementum over the material was reported in experimentally perforated furcation (5), in root end filling (6) and root canal filling of dogs teeth (4). Bridge-like dentin was observed in cases of pulp capping (7) and pulpotomy (8) in monkey and dog teeth.

When MTA was implanted in rat connective tissue, in dentin tubes, the observation of Von Kossa-positive granules, birefringent to polarized light was reported (3). Next to these granulations, there was also
irregular tissue like a bridge that was Von Kossa-positive. The dentin walls of the tube exhibited in the tubules a structure highly birefringent to polarized light, usually like a layer and at different depths. Similar results were reported for calcium hydroxide (CH) (9-11).

Wucherpfenning and Green (12) reported that both MTA and Portland cement (PC) seem almost identical macroscopically, microscopically and by X-ray defraction analysis. They reported that both substances support matrix formation in a similar fashion in cultures of osteoblast-like cells, and also as apposition of reparative dentin when used as direct pulp capping material in rat teeth.

Estrela et al. (13) studied the antimicrobial and chemical properties of some materials, including MTA and PC. The analysis of chemical elements present in MTA and in two samples of PC were performed with a spectrometer of fluorescence of X-ray. They reported that PC contains the same principle chemical elements as MTA, except that MTA also contains bismuth. They also reported that PC had pH and antimicrobial activity similar to MTA.

Considering the reported results, the purpose of this study was to analyze the reaction of rat subcutaneous connective tissue to the implantation of dentin tubes filled with MTA, PC or CH, in order to observe if the calcified structures reported by Holland et al. (3) occur with these materials

Die Details sind hier nachzulesen: http://www.forp.usp.br/bdj/bdj12(1)/trab01121/trab01121.html

Und auf Deutsch

EINFÜHRUNG

An der Loma Linda University wurde ein Mineral-Trioxid-Aggregat (MTA) entwickelt, um Zähn zu anderen Geweben abzudichten (1). Dieses Material wurde in einer Reihe von In-vivo- und In-vitro-Untersuchungen untersucht, bei denen eine gute Siegelfähigkeit (2) und ein gutes Gewebeverhalten (3,4) festgestellt wurden. Die Bildung von neuem Zement über dem Material wurde in experimentell perforierten Furkationen (5), in Wurzelfüllungen (6) und in Wurzelkanalfüllungen von Hundezähnen (4) berichtet. Bei Affen- und Hundezähnen wurde brückenartiges Dentin bei Pulpa Capping (7) und Pulpotomie (8) beobachtet.

Bei der Implantation von MTA in Rattenbindegewebe in Dentinröhrchen wurde über die Beobachtung von Von Kossa-positiven Granula berichtet, die für polarisiertes Licht doppelbrechend waren (3). Neben diesen Körnungen gab es auch unregelmäßiges Gewebe wie eine Brücke, die von Kossa-positiv war. Die Dentinwände des Röhrchens zeigten in den Röhrchen eine Struktur, die für polarisiertes Licht stark doppelbrechend ist, gewöhnlich wie eine Schicht und in verschiedenen Tiefen. Ähnliche Ergebnisse wurden für Calciumhydroxid (CH) (9-11) berichtet.

Wucherpfenning und Green (12) berichteten, dass sowohl MTA als auch Portlandzement (PC) makroskopisch, mikroskopisch und durch Röntgenbeugungsanalyse nahezu identisch zu sein scheinen. Sie berichteten, dass beide Substanzen die Matrixbildung in Kulturen von osteoblastenähnlichen Zellen auf ähnliche Weise unterstützen und auch als Apposition von reparativem Dentin, wenn sie als direktes Pulpa-Capping-Material in Rattenzähnen verwendet werden.

Estrela et al. (13) untersuchten die antimikrobiellen und chemischen Eigenschaften einiger Materialien, einschließlich MTA und PC. Die Analyse der in MTA und in zwei PC-Proben vorhandenen chemischen Elemente wurde mit einem Röntgenfluoreszenzspektrometer durchgeführt. Sie berichteten, dass PC die gleichen chemischen Elemente wie MTA enthält, außer dass MTA auch Wismut enthält. Sie berichteten auch, dass PC einen ähnlichen pH-Wert und eine ähnliche antimikrobielle Aktivität wie MTA aufwies.

In Anbetracht der gemeldeten Ergebnisse bestand der Zweck dieser Studie darin, die Reaktion des subkutanen Bindegewebes der Ratte auf die Implantation von mit MTA, PC oder CH gefüllten Dentintuben zu analysieren, um festzustellen, ob die von Holland et al. (3) bei diesen Materialien beobachteten Effekt auftreten.

Warum Wundermittel?

Ich (Zahnarzt Joachim Wagner) habe erst vor vier Wochen das Material für mich entdeckt. Ich erwarb eine Packung „MTA Angelus grau 2g“ für brutto 90,– Euro. Und hatte gleich Gelegenheit, die hochgelobten Eigenschaften am lebenden Patienten kennenzulernen.

Fall 1: Abszess am Eckzahn links oben (= dicke Backe)

Der Patient erschien 5 Tage vor Weihnachten mit einer deutlichen Schwellung neben der Nase. Wie immer führte ich eine sofortige Eröffnung des Zahns per Diamantbohrer durch, ohne Anästhesie. Ebenso das Ausräumen des infizierten Wurzelkanals mit entsprechenden Feilen. Häufig kann dabei schon das Herausfließen von Eiter beobachtet werden, leider nicht in diesem Fall. Einen Tag später stellte sich der Patient mit einer deutlich größeren Schwellung und mehr Schmerzen vor. Die Schwellung fühlte sich jedoch nicht wie ein flüssigkeitsgefüllter Ballon an, sondern eher fest im Sinne einer Infiltration = kein Eiter, sondern entzündetes Bindegewebe. Ich konnte mir in diesem Stadium schwerlich eine sinnvolle Behandlung mit dem Skalpell vorstellen, denn es würde lediglich bluten, aber keine gelbe Sauce zum Vorschein kommen.

An dieser Stelle fiel mir das neuerworbene Material ein. Es ist bakterizid (= vernichtet Bakterien) und bildet den biologisch besten Abschluss der Wurzelspitze, der derzeit für Geld zu haben ist. Nach einer weiteren Reinigung des großen und langen Kanals füllte ich das wurzelspitzennahe Drittel der Wurzel mit MTA in der zweiten Sitzung. Beim Kontrolltermin im Jan. 2020 schilderte der Mann, dass am selben Tag die Schmerzen unmittelbar aufhörten und die Schwellung schon 24 Stunden später erkennbar zurückging und 5 Tage später komplett verschwand.

Fall 2: Meine eigenen Pulpitis Schmerzen am Wochenende nachts um 1:00

Nach dem Motto, was du heute kannst besorgen, verschiebe lieber auf morgen, hatte ich quasi wissentlich die Warnungen (=Schmerzen) an meinem Zahn 27 (links oben hinten) ignoriert. Und es kam, wie es kommen musste: Samstags nachts um 1:00 steigt der Schmerzpegel auf lockere 6 auf der Skala 0 bis 10. Subjektiv hätte ich mir am liebsten den Zahn sofort selbst gezogen. Also erst mal 1.000mg Novamin-Sulfon eingeworfen, die aber auch nach 30 Minuten nicht wirklich halfen. Ich konnte auch nicht zur Praxis fahren, da ich leicht angetüttelt war. Auch die Option, mit einem Taxi zum diensthabenden Kollegen zu fahren, erschien mir unerquicklich, weil ich selber als Notdienst Zahnarzt das Handy spätestens nachts um 1:00 still lege. Wer danach anruft, den trifft der Zorn des bereits schlafenden Zahnarztes.

Zum Glück fiel mir ein, dass MTA nichts anderes als Portland Zement ist, dem man für die bessere Röntgensichtbarkeit Wismuth beigemischt hat. Die biologischen Eigenschaften des Baumarkt Zementes aus dem 40 kg Sack für Euro 2,99 sind die gleichen wie MTA. Und davon lagen noch Reste im Keller, leider festgeworden. Mit improvisiertem Werkzeug (aufgebogene Büroklammer) gelang es mir, die Karies und lockere Füllung aus dem Zahn 27 zu entfernen. Entgegen meiner Annahme, dass der Zahnnerv zugrunde gegangen sei (= tot), konnte ich mit meinem „Werkzeug“ eindeutig die Stelle im Loch identifizieren, die richtig kräftig funkte. Für Nichtzahnärzte: Das ist die dünnste Stelle zum Zahnnerv, wenn er noch lebt. Sehr irritierend für mich als Zahnarzt war die Tatsache, dass der Zahn schon eindeutig klopf- und beißempfindlich war. Das hatte ich bisher für ein eindeutiges Zeichen einer nicht reversiblen (nicht umkehrbaren) Pulpitis gehalten.

Mit Hilfe eines guten Mörsers gelang es mir, ein ordentliches graues Pulver aus dem Baumarkt Zement herzustellen. Mit einigen Tropfen Wasser stellte ich eine Mischung in der Ausführung „Trockenmörtel“ her. Dann ist die Formung einer kleinen Kugel des Materials möglich. Diese deponierte ich mit dem dicken Daumen in das frisch geschaufelte Loch und konnte mit einen kleinen Bit (Inbus 3 oder 4) im Halter als Verdichter einsetzen. Und nun der Knallpunkt:

Wir befinden uns ca. 1 Stunde nach der Einnahme von 1.000 mg Novalgin und 30 Minuten nach der Versorgung der Karies mit Portland Zement. Was ich feststellte, war: Der Schmerz wird mit jeder Minute weniger. Gut, um 2 Uhr schlief ich ein. Nach 7 erholsamen Stunden in Morpheus Armen erwachte ich und mir fiel als Erstes auf, dass dieser Dreckszahn absolute Ruhe gab. Ich konnte drauf kauen, null Empfindlichkeit beim Drücken mit der Zunge und vollkommene Ruhe an der Schmerzfront.

Das hatte ich absolut nicht erwartet. Meine bisherige Vorstellung von der Erhaltbarkeit einer stark schmerzenden Pulpitis (= Entzündung des Zahnmarks) hat dieser Eigenversuch umgeworfen. Ich will hier keine Sensationsmeldung veröffentlichen. Tatsache ist, dass MTA in vielen Studien bereits an Tier und Mensch erprobt wurde, und ausnahmslos alle Studien attestieren MTA (oder auch Portland Zement) eine überragende biologische Verträglichkeit. Und sie ist eindeutig besser als die von Calcium Hydroxid, welches bis heute an jeder deutschen Uni als Präparat Nummer eins für Pulpabehandlungen hochgejubelt wird. Das sage nicht ich, sondern ein tüchtiger Haufen internationaler Studien.

Und nun zum Hauptproblem des Materials.

Der Preis. Das Gramm Portland Zement kostet ab Obi ungefähr [0,075 (3 Euro / 40 kg) durch 1000 (Gramm pro Kilo)] = 0,0075 Eurocent. Die kommerziell erhältlichen Präparate wie bereits erwähnt kosten pro Gramm 4.500 Eurocent = 45 Euro. Das ist ein Multiplikator von roundabout 10hoch6. Ich bin von der Dentalhandelmafia einiges gewöhnt, aber dieses Mißverhältnis zwischen Einkauf- und Verkaufspreis ist schlicht unerträglich. Weil es dazu führt, dass ein täglich notwendiger und hochgradig sinnvoller Grundstoff für Zahnärzte nur zu einem unverschämten Skandalpreis zur Verfügung steht. Und genau deshalb nicht im erforderlichen Umfang eingesetzt wird. Zum Glück hat mich selber der Eigenversuch davon überzeugen können, dass das MTA der Dentalmafia Abzocker problemlos durch Portland Zement ersetzbar ist.

Und genau das kann man in der oben erwähnten Studie nachlesen.

2 Replies to “MTA, das Wundermittel”

  1. „…Also erst mal 1.000mg Novamin-Sulfon eingeworfen, die aber auch nach 30 Minuten nicht wirklich halfen. “

    Irgendwie liest man hier im Forum doch immer, wenn das nicht hilft, kann es gar nicht von den Zähne kommen! Sofort wird man als Neuropatiker dargestellt, soll nichts machen, auf gar keinen Fall eine Behandlung beim Zahnklemptner suchen und den Schmerz (notgedrungen) aushalten müssen!

    1. Leider erschließt sich mir nicht, was Ihr Problem ist. Entweder wirkt Novalgin, dann nehmen Sie es, oder es wirkt nicht. Dann besteht der begründete Verdacht auf nichtzahnverursachte Schmerzen.

      VG J. Wagner

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