Schmerzstärke 10 von 10 durch Papierspitze

Lesen Sie auch die Artikel  Schmerzstärken während der Wurzelbehandlung   und  Neuropathische Schmerzen fangen am oberen 6-er an   aus der Rubrik   Chronische Schmerzen im Gesicht und Kiefer

 

Frau X (28) aus S. schildert ihre Neuropathiekarriere der letzten 8 Monate. Alles begann mit einer Kunststoff Füllung im Zahn 15 (rechts oben, einer vor dem berüchtigten 16) im Oktober 2008. Der Schmerz nach der Füllung wollte nicht enden, so dass der Behandler sich genötigt sah, den Zahnnerv zu entfernen. Und jetzt kommt schon die entscheidende Stelle, an der alle aufmerken sollten, die mit Wurzelbehandlungen und ungeklärten Therapiemißerfolgen zu tun haben. Der Schmerz ließ vorübergehend leicht nach, kam aber nach 2 Tagen stärker zurück und als der Behandler versuchte, den bereits geleerten Wurzelkanal mit Hilfe einer Papierspitze (= sehr dünnes Stiftchen aus Papier) zu trocknen, durchfuhr die Patientin ein Schmerz, der so schlimm war, dass sie in der Sitzung nur noch weinen und sich selbst abends bei der Erinnerung daran nicht beruhigen konnte. Explizit befragt, stuft sie diesen Schmerz auf der Skala VAS 0 bis 10 auf den Wert 10 ein. Nachts jedoch spürte sie keinen Schmerz. 

Weitere Auffälligkeiten in der Krankengeschichte

Wegen fortgesetzten Drucks/leichten Schmerzen entfernte ein nächster Zahnarzt schließlich den 15, aber der Druck / Schmerz blieb. Eine Überweisung zum HNO führte zur Verdachtsdiagnose „Sinusitis“ (= chronische Kieferhöhlenentzündung). Der HNO operierte daraufhin – offensichtlich ohne nähere Diagnosesicherung – die Kieferhöhlen, und der Schmerz verstärkte sich. Es erschließt sich im Nachhinein auch nicht, warum der HNO rechts und links operierte, denn die Schmerzen konzentrierten sich bis dahin auf die rechte Seite. Ab diesem Zeitpunkt wechselten sich die Dauerschmerzen bzw. der Dauerdruck rechts und links praktisch ab. Insbesondere erschien nun Zahn 27 (links oben letzter) als schmerzverursachend. Erschwerend kam hinzu, dass gleichzeitig eine Goldinlay Behandlung am 27 und 26 durchgeführt wurde mit der fatalen Idee, die Metallteile nur provisorisch (= undicht) einzusetzen. Der Zahn 27 entwickelte dadurch ein Mixtur von Symptomen, die beinahe noch zu dessen Totalabsturz mit Wurzelbehandlung und vorhersagbarem Mißerfolg geführt hätten. Zum Glück entschloß sich der zahnärztliche Behandler dann doch, die Metallteile fest zu zementieren. Gleichzeitig beging der HNO den Fehler Nummer 2, nämlich die linke Kieferhöhle erneut wegen angeblicher Verwachsungen etc. zu operieren. Der Erfolg dieser Maßnahmen war, dass der Zahn 27 etwas ruhiger wurde, aber das gesamte Schmerzniveau linksseitig anstieg. Das brachte Frau X auf die Idee, im Internet der Frage nachzugehen, ob ihre Behandlung dem Stand der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnis entspricht – oder nicht.

Dass wir in Bezug auf den Druck / Schmerzen im Kopf nicht von Peanuts (= Erdnüssen) reden, geht aus der Antwort der Patientin auf meine Frage hervor, ob die Beschwerden sie im Alltag erkennbar beeinträchtigen. „ja, ich bin Mutter und habe einen Job, das wird zunehmend schwieriger, letztens hatte ich furchtbare Kopfschmerzen links in einer Form, die ich vorher nie …“ Dazu erfahre ich, dass in der Familie Migräne (Vater), und die richtige Trigeminusneuralgie (Oma) vorkam. Und noch etwas: Frau X leidet seit einigen Monaten unter einem Metallgeschmack. Darum wollte sie sich schon die neuen Goldinlays entfernen lassen. 

Was sagt der Internet Neuropathie Zahnarzt Wagner dazu?

  • 1. Ungeheure Schmerzen beim reinen Betasten der Wurzelspitzen von innen mit Instrumenten (Feilen oder Papierspitzen oder ähnlichem) Tage nach dem Entfernen eines Zahnnervs sind IMMER (!) ein Zeichen einer total überdrehten Trigeminus Schmerzübertragung.
  • 2. Diese Zustände sollten immer dokumentarisch herausragend erfasst werden, denn sie sind für diesen Patienten charakteristisch und lassen sich für alle Zähne im betroffenen Trigeminus Ast vorhersagen.
  • 3. Es ist nicht sinnvoll, solche Zähne zu entfernen, weil damit das Schmerzproblem nicht gelöst werden kann. Sinnvoll ist eine mehrwöchige Einlage von bakteriziden Substanzen (und zwar stärker als CaOH bitte), um alle Keime abzutöten, und die Schmerztherapie unabhängig davon mit Ibuprofen 10mg / kg Körpergewicht tagsüber Dauerdosis alle 4 Stunden zu bestreiten. Bei Nichtwirkung von Ibuprofen ist Amitriptylin 10 mg Tagesdosis die Alternative. Die Wurzelfüllung sollte planmäßig auch bei noch bestehenden Schmerzen durchgezogen werden. 

 

Diese Wahnsinnsschmerzen bei einem – für den Behandler unverständlichen – Leichteingriff sind absolut charakteristisch für die Neuropathie des Trigeminus. Das Gesagte gilt auch für die Schmerzverstärkung durch eine Kieferhöhlen OP und den Metallgeschmack. Viele Patienten und auch Zahnmediziner meinen ja, ein Metallgeschmack müsse zwangsläufig von Metall kommen und wäre durch das Ausbohren zu kurieren. Leider beweisen Patienten mit Neuropathie des Trigeminus und Totalprothesen aus Kunststoff im Mund das Gegenteil. Diese leiden typischerweise weiter unter Zahnschmerzen, Zungenbrennen und Metallgeschmack. Höchstwahrscheinlich beruht das eigenartige Geschmackerlebnis auf der gleichen Grundlage, wie die gesamte Neuropathie: bestimmte Nervleitungen feuern heftigst, ohne dazu berechtigt zu sein.

 

Was ich, Joachim Wagner Zahnarzt, der zahnmedizinischen Forschung vorwerfe

Seit Urzeiten der Menschheitsgeschichte gibt es das Problem der viel zu starken Schmerzen um die Zähne herum. Eigenartigerweise befallen die ganz üblen Schmerzen immer die gleichen Personen, hauptsächlich Frauen und sind – wenn sie denn einmal bei einer Person aufgetreten sind – schon für die Folgebehandlungen vorhersagbar . 

Wieso erfahre ich das in meinem Studium 1978 bis 1983 nicht und zwar kein Sterbenswort?  Aber damit nicht genug; bis heute tun viele Lehrbuchautoren (z.B. Prof. Dr. Hülsmann im aktuellen Wurzelbehandlungs Lehrbuch) so, als gäbe es diese Erscheinung nicht. Das ist unredlich und wirkt sich in der Praxis ziemlich fatal aus. Z.B. so, dass die Praktiker vor Ort den Patienten nicht glauben, dass es SOOO  weh tut.

One Reply to “Schmerzstärke 10 von 10 durch Papierspitze”

  1. RE: Schmerzstärke 10 von 10 durch Papierspitze
    Wie man in dem nachfolgenden Link erkennen kann, versorgt der Trigeminusnerv die Zahnwurzeln.
    Zahntoxine, d. h. Eiweißzerfallstoffe von toten Zähnen und wurzelgefüllten Zähnen, bei denen durch die vielen Dentinkanälchen nie eine völlige Abtötung der Bakterien erreicht werden kann, wandern in den Trigeminusnerv und schädigen diesen.
    Es ist also sehr wichtig diese Zähne zu ziehen, dass eine Entlastung erfolgt, damit der Trigeminusnerv nicht permanent damit belastet wird.
    Ist die Schädigung weit fortgeschritten, kommt die Fehlannahme, es liegt nicht den Zähnen, weil die Beschwerden nach der Zahnextraktion oft bleiben. Es besteht aber die Chance, dass der Trigeminusnerv regenerieren kann, wenn die Ursache beseitigt ist.
    http://www.neuro24.de/hirnnerven_trigeminus.htm

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