An Mrs Rabbit – wie isses Dir denn mittlerweile?

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  • #9552
    Neuro
    Teilnehmer

    Hallo Mrs. Rabbit,

    habe vorhin gesehen, dass Du doch mal wieder online warst bei einem anderen Thread – dachte schon Du wärst auch verschollen 🙂

    Darf ich fragen, wie es sich denn bei Dir entwickelt hat in den letzten Monaten?
    Kommst Du immer noch ohne Medikamente über den Tag und akzeptierst einfach den Schmerz?
    Hast Du es geschafft Dich soweit davon gedanklich zu distanzieren, dass Du halbwegs glücklich damit leben kannst auf Dauer und die Situation akzeptierst ohne Dich mit Tabletten vollzustopfen?
    Hast Du denn den Eindruck über die Jahre verläuft sich das und es besteht Hoffnung auf komplette Schmerzfreiheit, wenn auch erst in Jahren – langfristige Tendenz?

    Fällt mir teilweise immer noch schwer die Krankheit komplett zu akzeptieren, vor allem da es im Oberkiefer ist, wo ja bekanntlich durch Zahnbehandlung kein Hauptnerv verletzt werden kann (sagen zumindest die Ärzte), allenfalls kleinere Äste von denen man eigentlich eine Regeneration erwarten kann, da die Nerven als Geflecht über den Oberkieferzähnen in der Kieferhöhle verlaufen. Habe innerlich immer noch Zweifel, ob die Mediziner nicht einfach unfähig sind die Ursachen aufzudecken – das ist natürlich nicht hilfreich, denn irgendwann muss man die Situation einfach akzeptieren und sehen wie man klar kommt.

    Ich senke grad wieder mal das Medikament Stück für Stück – was bekanntlich erstmal anstrengend ist und daher hat man den subjektiven Eindruck die Schmerzen steigen – glaub ich aber nicht dran, ist eher ein Entzugssymptome-Problem was dazu kommt. Das war bei Runtersetzen des Ami damals genauso und hat sich dann normalisiert nach 4-6 Wochen ohne Medikament. Man fühlt sich nicht besonders und dann ist man etwas unruhig und hat natürlich mehr Schmerzen. Ob ich noch weitere Versuche starte weiss ich noch nicht im Moment.

    Irgendwie ist in dem Forum nicht allzu viel los – entweder ziehen viele nur Infos hier raus und melden sich nicht oder die Krankheit hat doch mehr Seltenheitswert als ich dachte…:-).

    Wenn Du magst meld Dich doch mal, bin ja mittlerweile auch auf dem Weg das dritte Jahr voll zu machen und damit zum Langzeitbetroffenen geworden, bei dem eine Spontanheilung eher unwahrscheinlich ist. Herr Wagner hatte mal geschrieben in den ersten 2 Jahren hat man gute Chancen auf komplette Heilung – naja, ich weiss nicht, sehe häufig auch Berichte von Leuten, bei denen es später noch aufgehöhrt hat bzw. die zumindest deutliche Besserung erfuhren. Das kann man glaube ich einfach nicht wissen, woher auch, es weiss ja keiner so genau was da abläuft in den Nerven…

    Beste Grüße
    Neuro

    #9553
    Mrs.Rabbit
    Teilnehmer

    Hallo Neuro,

    schön von Dir zu lesen! Bitte entschuldige meine längere Abwesenheit, sie soll keineswegs andeuten, dass ich schmerzfrei bin, viel mehr, dass ich umgezogen bin und für absolut nichts Zeit hatte 😉
    Ich nehme keine Medis mehr, ja noch nichtmal Vitamin B (nachdem ich schon einen ordentlichen Überschuss hatte). Im Nachhinein betrachtet hat mir all das NICHT geholfen und dennoch habe ich einige Anläufe gebraucht um das Ami abzusetzen. Fakt ist, dass Ami bereits in geringen Dosen angstlösend ist, deine Unruhezustände nach der Reduktion lassen sich somit leicht erklären. Ich hatte zum Schluss nur noch 10 mg genommen, und diese Dosis habe ich irgendwann in 4 geteilt… eine einzige Tablette mit einer Schere zerteilt. Die Schmerzen steigerten sich ins unerträgliche, sodass ich oft mit dem Gedanken spielte doch wieder eine Tablette zu nehmen. Mein Hausarzt meinte, das würde sich nur in meinem Kopf abspielen, denn Entzugserscheinungen würde man nicht bereits am nächsten Tag bekommen. Und heute weiß ich, dass er Recht hatte. Kaum hatte ich meine Tablette zerkleinert, wartete ich regelrecht auf die Verschlimmerung der Beschwerden! Ich war überzeugt davon, dass jetzt alles viel schlimmer wird…. und das wurde es auch! Der Nocebo-Effekt. Je mehr Zeit verstrich und ich mich auf andere Dinge konzentrierte, desto leichter wurden die Beschwerden.
    Ich bin jedenfalls froh das Zeug los zu sein und würde es auch NIE wieder nehmen.
    Ich habe den Schmerz „akzeptiert“, ja. Auch die schlechten Tage zwischendurch.
    Erst vor ein paar Wochen, geschah was Interessantes. Meine Arbeitskollegin kehrte aus ihrem Urlaub zurück und erzählte mir, dass sie furchtbare Zahnschmerzen seit einigen Tagen hätte. Sie könne kaum klar denken und müsse unbedingt zum Zahnarzt… während ich das früher normal kommentiert hätte, begann dieses Mal mein Hirn zu arbeiten. Ich fliege im November nach Afrika und bekam plötzlich Panik dort selbst wirkliche Zahnschmerzen zu bekommen (ich hab jetzt generell Panik vor Schmerzen). Wie eine verrückte suchte ich nach Zahnärzten, die sich im Zuge meiner Reise eventuell in meiner Reichweite befinden würden. Nichts da, in Afrika ist das nicht so easy. Mein Puls stieg, ich bekam Angst und konnte den Gedanken gar nicht mehr los lassen. Am nächsten Tag bin ich aufgewacht und bekam im Laufe des Vormittages solch schlimme Schmerzen, dass ich mich zurück versetzt fühlte, ganz am Anfang meiner Probleme. Der Schmerz war rechts unten (da begann es eigentlich) – hier war die Situation die letzten Monate/Jahre aber vorwiegend ruhig, nur hin und wieder tat es ein wenig weh. Was sich hier abspielte trieb mir regelrecht Tränen in die Augen. Zunächst tat der Zahn im UK neben dem Dauerschmerz beim beißen weh, am Nachmittag gesellte sich der Oberkiefer dazu…: einfach so. Alles spielte verrückt. Nachdem ich nun recht viele, tiefe Füllungen habe – ist es für mich sehr schwer auszuschließen, dass nicht doch ein Zahn schuld ist. So begab ich mich wieder zu meinen Zahnarzt (war schon länger nicht mehr 😛 ), welcher mein Problem kennt. Ich sagte bereits im Vorfeld, ich wüsste nicht ob der Schmerz wirklich zahnbedingt ist. Nachts kann ich schlafen und Schmerzmittel wirkten mal, mal nicht (kam mir zumindest so vor). Er kontrollierte alles und schickte mich wieder heim. Nach 2 Wochen war der Spuk vorbei.
    Dass die Story meiner Arbeitskollegin und meine daraus resultierende Angst wirklich nur ein Zufall waren, kann ich mir echt nicht vorstellen.

    Dass der Schmerz bei den Betroffenen aufgrund einer Zahnbehandlung entstand, aufgrund einer Nervschädigung, glaube ich nicht. Menschen mit einem amputierten Bein haben auch nachts schmerzen, und Menschen mit einem kaputten Gebiss haben oft gar meine Problem. Und wie genau soll ein Nerv bei einem Füllungswechsel z.B. entstehen? Mir ist damals nämlich nur ein Stück Füllung rausgebrochen (dieser Zahn hatte nur eine kleine Füllung und lebt immer noch). Die Füllung wurde neu gemacht und alles war gut. Erst Tage später bekam ich einschießende Gesichtsschmerzen, und das Drama begann. Schmerzen und inkompetente Zahnärzte führen zu vielen weiteren Problemen. Ein Zahnarzt entdeckte im linken Oberkiefer Karies und bohrte hier… (Schmerz war da noch im rechten Unterkiefer) – und plötzlich verlagerte sich alles vorwiegend nach oben. Einfach so. Der Schmerz kommt sicher von keiner Verletzung. Es gibt so viele Schmerzerkrankungen die keinen organischen Grund haben.
    Und um deine Frage zu beantworten, ja, ich kann mein Leben ganz normal leben. An schlechten Tagen liege ich meinem Mann mit meiner Jammerei in den Ohren, aber da muss er durch. Ich gehe nach wie vor Vollzeit arbeiten, gehe ins Kino, shoppen usw. und habe den Umzug geschafft ohne mich aus dem Fenster zu stürzen 😛 Bei mir sind es im Jänner 4 Jahre.
    Solange Du zwanghaft versuchst für deine Schmerzen einen organischen Grund zu finden, so lange wird es Dir sicherlich nicht besser gehen. Dieses Ärztehopping hat bei mir zu Beginn alles nur verschlimmert… je weniger ich mich damit beschäftige, desto besser geht’s mir. Ist ein wirklich gut gemeinter Rat. Lösche hier erstmal deinen Account, versuche dich von all dem zu distanzieren und mache Dinge, die Dir Spaß machen.
    Übrigens mache ich auch eine Therapie, die mir gut tut. Vielleicht wäre das auch was für dich?

    #9554
    Neuro
    Teilnehmer

    Hallo Mrs Rabbit,
    Danke für Deine ehrliche und offene Antwort. Ehrlich gesagt kann ich das mit den Ängsten gut nachvollziehen. Es gibt halt Dinge die spielen sich hauptsächlich im Kopf ab. Ich persönlich gehe davon aus, dass ein akutes Problem zu dem ganzen Problem geführt hat bei mir aber heute hab ich den Schmerz als eigenständige Krankheit gespeichert und muss lernen mich davon zu
    lösen.
    Ich unterliege im Alltag wie viele Menschen verschiedenen Zwängen, kann ja meine Familie nicht hängen lassen und kämpfe dafür. Wenn dem nicht so wäre, wäre ich vermutlich aktuell auf Pilgereise nach Tibet oder sonstwo hin. Die Geschichte mit der Kollegin spricht Bände. Das selbst verrrückt machen potenziert die Probleme. Je mehr man sich da reinsteigert desto schlimmer wird es und manchmal frage ich mich ob Antidepressiva bei vielen nicht nur wirkt durch gelöstere Stimmung und verminderte Angst. Für mich war es ein grosser Schritt trotz Schmerzen wieder mehr zu reden. Habe lange geglaubt das geht nicht. Allerdings hab ich ständig Gewürznelken, tic tac oder chili schoten im Mund weil mich das ablenkt. Eine blöde Angewohnheit aber so komm ich über die Tage. Organische Gründe? Keine Ahnung, ich versuche die Situation zu akzeptieren denn helfen kann mir eh keiner bzw nur ich mir selbst indem ich tue was mir gut tut. Es wird auch noch lange dauern aber mein Ziel ist auf Dauer ohne Medikamente halbwegs vernünftig leben zu können und dafür muss man es schaffen den schmerz in den Hintergrund zu drängen. Klar können einem Antidepressiva dabei helfen aber bisher hat mir bei den Tabletten immer nur eins geholfen: dass sie mich am Anfang ruhig und gelassen gemacht haben und genau da liegt für mich der Schlüssel. Wollte schonmal Verhaltenstherapie machen, hab ich aber erstmal noch zurück gestellt im Moment. Wünsche Dir einen schönen Abend in eurem neuen Heim:-)

    #9555
    Neuro
    Teilnehmer

    Achso bei mir hatte das mit dem Ansetzen damals auch erst mit ganz kleinen Dosen geklappt. 1 tropfen 2 mg je Woche. Das ging dann. Einfach 10 mg weglassen ging gar nicht!

    #9556
    Neuro
    Teilnehmer

    Hallo nochmal,

    hab mir den Text von Dir nochmal genau durchgelesen und beschlossen mich hier aus dem Forum auch etwas zu distanzieren (das Account lösche ich aber nicht komplett) – sicher schaue ich hier noch von Zeit zu Zeit rein aber nicht mehr so oft, das treibt nur das Gedankenkreisen an.

    Wenn Du unabhängig vom Forum Interesse hast Kontakt zu halten und zu berichten, wie es Dir so langfristig geht, kannst Du mir unter neurozahnfilm@freenet.de eine Mail schicken – die Adresse lasse ich 1-2 Tage aktiv, damit Du ne Chance hast zu reagieren.
    Ich maile dann mit einer anderen Adresse zurück und lösche diese Alias-Adresse wieder (keine Sorge, Du kriegst dann nicht dauernd Mails von mir, es geht mir mehr um die Langzeitentwicklung bei Betroffenen und ich finde es sehr schade, dass die meisten nach kurzem ich brauch ein paar Infos komplett verschwinden von der Bildfläche und sich nie wieder melden, weder wie es ihnen geht, noch um anderen weiterzuhelfen – naja, vermutlich haben die dann alles in den Griff bekommen und keinen Leidensdruck mehr).

    Für die Vorbereitung auf die Afrika-Reise wünsche ich Dir ansonsten viel Erfolg, wird schon werden, Zahnarzt wirste nicht brauchen!!! Ich kanns aber nachvollziehen, bin trotzdem einfach immer verreist, wenn auch nicht so weit aber selbst in Spanien und Italien hab ich schon vorher geschaut, wo ich notfalls ne Klinik in der Nähe finde. Völliger Blödsinn aber das ist halt die Angst… Wenn alle Stricke reissen ist man auch aus Afrika im Notfall innerhalb eines Tages zurück aber der Fall kommt sowieso nicht.
    LG
    Neuro

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