Zertifizierung
Parodontose Behandlung durch Dentalhygienikerin schlägt an
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- Kategorie: Zertifizierung
- Erstellt am Montag, 21. November 2011 15:33
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 761
Manche seltsamen Zufälle im Leben der Patienten sind anscheinend dafür gut, dass ich hier in meinem Blog eine einwandfreie Dokumentation machen kann, wie sich Eingriffe im sogenannten Halbseiten Versuch auswirken. Damit ist gemeint, dass im gleichen Mund zwei verschiedene Behandlungen auf jeweils einer halben Seite durchgeführt werden und dann über eine möglichst längere Beobachtungszeit die Unterschiede festgehalten werden. Solche Versuche sind sehr sinnvoll hinsichtlich aller zahnmedizinischen Eingriffe, egal ob es um Füllungen, um Kronen, oder wie hier um Zahnfleischbehandlungen geht.
Unter den Bedingungen eines gleichen Mundes mit dem gleichen Speichel, der gleichen Knirschbelastung und aller anderen gleichbleibenden Umwelteinflüsse lassen sich viel leichter die Unterschiede der Behandlungen erkennen. Ob Amalgam länger hält als Kunststoff, ob der Tangentialschliff bei Kronen besser für die Zähne ist als der Stufenschliff, oder in unserem Bildfall ob eine Parodontose Behandlung mittelfristig irgendwas bewirkt gegenüber einer Nichtbehandlung.
Die Patientin M. A-L. (53) erhielt aufgrund erheblich vertiefter Zahnfleischtaschen in der Größenordnung von etwa 5mm bis 8mm (Spitzenwert am 27, im Bild 2 ganz links) eine professionelle Zahnreinigung verkauft und danach eine Parodontose Behandlung nach Kassenspezifikation.
So sah zumindest der Plan im April 2011 aus. Tatsächlich begann meine vieljährig qualifizierte DH nach intensiver Lokalanästhesie (= Betäubung) Mitte Mai 2011 im 2. Quadranten mit der Intensiv-Wurzelreinigung und -glättung unter dem Zahnfleisch. Die Patientin meldete sich einige Tage später mit der Krankengeschichte "Schwächegefühl, Schweißausbrüche für 3 Tage, Magenschmerzen, heller Stuhl etc." Kurzzusammenfassung: Sie sieht sich nicht imstande, die Behandlung fortzusetzen.
Anläßlich einer zahnärztlichen Routineuntersuchung im November 2011 gelang es mir, jeweils ein Foto der behandelten und der unbehandelten Hälfte des Oberkiefers anzufertigen. Selbst als Fachmann überraschte mich der erhebliche Unterschied in der Farbe, Form und Textur (= Oberflächenbeschaffenheit) beider Zahnfleischseiten. Es ist wie im Lehrbuch: links zeigt sich rosafarbenes, straffes Zahnfleisch ohne Entzündung, das auf der Oberfläche eine sogenannte "Stippelung" aufweist. Und rechts weist das Zahnfleisch an den Zähnen eine ungesund dunkelrote Farbe auf, ist teilweise geschwollen und erkennbar entzündet und nicht gestippelt. *)
Absolut klassisch
Die sorgfältige Entfernung von harten und weichen Belägen auf den Wurzeloberflächen in den Zahnfleischtaschen hat die Ausheilung der bakteriell verursachten Dauerentzündung bewirkt. Natürlich nur da, wo sie ausgeführt worden ist. Noch ein Wort zu der Dentalhygieniker Arbeit: Angeblich soll die Kassen Parodontose Behandlung eine zahnärztliche Tätigkeit sein, weil ja teilweise bis 10mm unter dem Zahnfleischniveau gearbeitet wird. Hinter vorgehaltener Hand geben natürlich alle Beteiligten zu, dass der enorme Zeitaufwand von etwa 10 Minuten Reinigung und Glättung pro Zahn (!) von einem Vollakademiker nicht allen Ernstes auf die Dauer abzuleisten ist. Und das ist auch gut so. Meine Fachkraft ist mir in Hinsicht auf Gründlichkeit, Systematik und Ausdauer bei der PA deutlich überlegen, so dass für unsere Patienten die DH Arbeit wertvoller ausfällt, als die des Zahnarztes.
Schlussfolgerung
Die Kassen Parodontose Behandlung sollte ordentlich und gründlich mit mechanischen Mitteln (Ultraschall, Scaler, Küretten, Eva-Winkelstück) ausgeführt werden. Das ist im Praxisbetrieb nur mit Hilfe ausgebildeter DH Kräfte vorstellbar.
Ob die Hinzunahme von Laser Gerätschaften tatsächlich einen wichtigen Beitrag liefern, wage ich als Praktiker ernsthaft in Frage zu stellen. In meiner Praxis wird solches deswegen nicht eingesetzt, weil die wissenschaftliche Datenlage dazu alles andere als eindeutig ist.
*) Für die "Eiter-Liebhaber", also die Daunderer Fraktion. Wenn Sie in Bild 3 mit dem Finger bei dem dicken Backenzahn (Zahn 16) auf den Gaumen drücken, können Sie kleinere Mengen von richtigem Eiter aus der Tasche gewinnen. Und kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit Amalgam.
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