Die wichtigsten Artikel auf Zahnfilm.de
Fallsammlungen
Fallsammlungen II
Doku: Gebisszerstörung durch unflexible Fachleute
- Details
- Kategorie: Wurzel-Behandlung
- Erstellt am Donnerstag, 10. Mai 2012 14:25
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 147
Der behandelnde Zahnarzt hält von Wurzelbehandlungen oder deren Wiederholungen nicht viel. Damit fängt das Drama an, das zuerst 6 noch erhaltbare Zähne im Oberkiefer dahinrafft. Dann kommt der fatale Plan, die vorhandenen Brücken im Unterkiefer gegen solche aus Zirkon auszutauschen. Die Ausführung läuft in kürzester Zeit derart aus dem Ruder, dass direkt nach dem Einbau der Brücken weitere 2 Zähne entfernt werden. Damit sind die Schmerzen aber nicht beseitigt und besonders der beteiligte Gutachter fällt durch sein Festhalten an alten Zahnarztglaubenssätzen, die hier überhaupt nicht passen, unangenehm auf.
Die betroffene Patientin "Bianka1" schildert ihre akuten Beschwerden nach dem Einbauen der 2 Zirkonbrücken im Unterkiefer auf der Internet Plattform www.symptome.ch , ein Forum, das von Zahnfilm.De nicht weiter empfohlen wird. Vergleicht man Bild 1 mit Bild 2, dann fallen zunächst die fehlenden 6 Zähne (plus 1 Brückenglied) im Oberkiefer auf. Diese wurden im Zeitraum zwischen den beiden Röntgenbildern entfernt, also Ende 2010 und April 2012. Dafür erhielt die Patientin eine herausnehmbare Teilprothese.
Nun zum Highlight
Am 14.04.2012, und damit eine Woche nach Einbau der neuen Brücken 38-35 und 48-45 hält es die Patientin vor Schmerzen nicht mehr aus und will vom Behandler Abhilfe geschaffen haben. Der Brückenbau Zahnarzt läßt sich erweichen, den Zahn 48 (im Ausschnittbild 3 ganz links) durch die Zirkonkrone hindurch zu trepanieren (= aufbohren) und beginnt dort eine Wurzelbehandlung unter Verwendung von Calciumhydroxyd. Die Verdunkelung (für die Kollegen: die Aufhellung) um die Wurzelspitze des Zahns 48 dürfte der Grund für das Einlenken des Behandlers gewesen sein. Auf der linken Seite möchte er nichts veranlassen, obwohl die Patientin dort die gleichen Schmerzen spürt.
Leider erweist sich die Behandlung auch rechts als nicht ausreichend wirksam, weshalb die Patientin weitere Fachleute, u.a. eine "kiefer-chirurgische Fachklinik" bemüht. Dort erfährt sie, dass nach deren unmaßgeblicher Meinung die seit 20 Jahren genau so aussehenden wurzelgefüllten Zähne 45 und 46 (im Ausschnitt rechts) "eine Entzündung an der Wurzel" hätten und neue Wurzelfüllungen und WSR benötigen würden.
Der Gutachter
Weil die Brücken mit Beteiligung der gesetzlichen Krankenversicherung eingesetzt wurden, kann eine Zahnentfernung nicht ohne deren Einwilligung von einem Schmerzbehandler durchgeführt werden. Die Patientin erwirkt deshalb im Eilverfahren einen Gutachtentermin, bei dem der Gutachter zum Schluss kommt, dass die beiden Weisheitszähne nicht hätten überkront werden dürfen. Begründung: Beide hätten eine Entzündung an der Wurzelspitze.
Damit erhält die Schmerz Behandlerin grünes Licht zu Ziehen der beiden Weisheitszähne, welches bereits am 20.04.2012 erfolgt. Auf der rechten Seite deutet sich ein Erfolg der Maßnahme an, links jedoch nicht. Vielmehr konzentriert sich der Schmerz jetzt auf die Zähne 36,35. Die jetzt verantwortliche Schmerz Zahnärztin fertigt ein neues Röntgenbild von 35 und 36 an, auf der sie Entzündungen an der Wurzelspitze sehen will. Daraufhin will die Patientin beide Zähne entfernt haben.
Telefonisch vereinbart die Krankenkasse, dass das neue Röntgenbild erst zum Gutachter gehen muss, bevor erneut die Extraktionszange angelegt werden darf. In dieser Situation läßt sich der Gutachter plötzlich etwas Neues einfallen: a) Liegt seiner Meinung nach keine Entzündung an den Wurzeln vor und b) kommen die Schmerzen von einer Kiefergelenkserkrankung.
Das wiederum wird umgehend per "Kiefergelenksdiagnostik" bei der kieferchirurgen Klinik überprüft, die zum Schluss kommt, dass den Kiefergelenken überhaupt nichts fehlt. Tags darauf konfrontiert die Patientin den Gutachter mit dem Befund der Kieferchirurgen, aber der Mann bleibt dabei: "Der Gutachter aber blieb bei seiner Meinung das meine schmerzen vom Kiefergelenk kommen würden und zu den Zähnen 35,36 ausstrahlen und an den Zähnen keine Entzündung zu sehen sei, ich brächte eine Schiene und die OK Prothese müsste unterfüttert werden."
Die Geschichte ist übrigens noch im Gange und wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung unter diesen Bedingungen.
Wer ist hier unflexibel?
1. Der ursprüngliche Behandler. Der Brückenbauer zeigt sich an 2 Stellen nicht geschmeidig genug. Zuerst versiebt er die wichtige Gelegenheit, den abgestorbenen Weisheitszahn 48, erkennbar auf Bild 3, mit einer angemessenen Wurzelbehandlung zu retten. Statt den Zahn aufzubohren, sorgfältig von innen zu reinigen und einige Tage halboffen (= mit Schwamm drin) zu lassen, rührt der Mann Calciumhydroxid hinein. Das verschlimmert eine solche Situation vorhersagbar. Mitlesende Kollegen werden einwänden, dass die offizielle Lehre das aber so vorsieht. Selber denken, sage ich dazu.
Und dann geht er nicht auf die starken Schmerzen der Patientin links unten ein. "Ich sehe ja nichts im Röntgenbild". Damit verliert er die Patientin. Merksatz: Leidet ein Patient unter starken Schmerzen, dann bildet er sich das niemals ein. Und ein Röntgenbild beweist dazu leider gar nichts, weder positiv noch negativ.
2. Die Kieferchirurgen. Am 17.04.2012 sucht die Patientin besagte Chirurgen auf, um deren Meinung zu den Schmerzen rechts und links unten zu hören. Peinlicherweise wollen die Kieferchirurgen dafür die Zähne 45 und 46 verantwortlich machen, die angeblich Entzündungen an der Wurzelspitze aufweisen würden. Das geschieht gemäß der amtlichen Lesart von Wurzelbehandlungen, die dann als ungenügend zu betrachten sind, wenn sie mit ihrer sichtbaren Ausdehnung im Röntgenbild nicht bis in das apikale (Wurzelspitze nahe) Drittel reichen.
Tatsächlich hätten diese Chirurgen besser ihren Mund gehalten. Die Zähne 45 und 46 erhielten ihre Wurzelfüllung nachweislich vor mehr als 20 Jahren, haben sich in dieser Zeit kein bißchen unangenehm gerührt und zeigen - soweit im OPG überhaupt beurteilbar - keine Entzündung an ihren Wurzelspitzen. Der akute Weisheitszahn 48 ist zu diesem Zeitpunkt das Hauptproblem.
3. Der Gutachter. Die erste Begutachtung am 19.04.2012 geht so aus, dass
- das sofortige Eingliedern der Brücken ein Fehler gewesen sein soll (Ja 48, Nein 38)
- der Biss nicht stimmen würde (Unwichtig)
- der Zahn 46 wohl unschuldig ist und deshalb so bleiben könne (Ja)
- beide Weisheitszähne 38 und 48 an der Wurzelspitze entzündet wären und deshalb gezogen werden sollten (Ja 48, Nein 38)
In der zweiten Begutachung (nach der Extraktion der 2 Weisheitszähne) äußert er, dass
- das Kiefergelenk links erkrankt sei und von da die Schmerzen auf die Zähne 35 und 36 ausstrahlen (Unsinn)
- die richtige Therapie also eine Schiene und das Unterfüttern der OK Prothese wäre (Unsinn)
Meine (Joachim Wagner, Zahnarzt) Meinung dazu lesen Sie in den Klammern dahinter.
Mit seiner angelernten Ansicht über das Kiefergelenk und dessen Beteiligung an den Schmerzen entfernt sich der Gutachter jedoch so weit von der Realität, dass man ernsthafte Zweifel an seiner Bodenhaftung hat. Zumal er auch noch extra vorher über den Befund weiterer Kollegen (Kieferchirurgen) informiert wurde, dass das Betasten der Kiefergelenke keinerlei Auffälligkeiten ergeben hätte.
Zwischendiagnose
Meiner (Joachim Wagner, Zahnarzt) Meinung nach liegen hier folgende Diagnosen zugrunde
a) Unerkanntes Absterben des Zahnnerven 48 VOR der Neuversorgung. Deshalb Akutwerden der bereits vorhandenen apikalen Entzündung kurz nach dem Schleifen am Zahn 48. Angemessene Behandlung: Wurzelbehandlung nach der "Timbuktu" Methode oder Extraktion.
b) Vermutlich ein Schleiftrauma am 35 oder 36 links unten. Einer der beiden Zahnnerven hat das starke Bearbeiten für die Zirkonkrone nicht unbeschadet überlebt. Das erklärt die Schmerzen jetzt. Angemessene Behandlung: Zahn 38 in Mund lassen und Vitalexstirpation (= Entfernung des lebenden Zahnnerven) 35 oder 36 je nach Wahrscheinlichkeit.
Fazit
- 1. Rechne mit Schwund beim Abschleifen für neue Kronen. Das zeigt sich am Beispiel der Zähne 35 und 36
- 2. Vermeide blödsinnige Verblockungen, wie hier am 35 zum 36 und 45 zum 46, denn dann würde jetzt die Diagnose der Pulpitis 35 oder 36 viel leichter fallen.
- 3. Glaube keinem Fachmann blind, der z.B. dem Zahn 46 eine akute Entzündung an der Wurzelspitze andichten will. So geschehen durch die Angestellte der kieferchirurgischen Fachklinik.
- 4. Verlasse dich niemals auf OPG Aufnahmen zur Diagnose. Bekanntermaßen zeigen OPGs (= die in Bild 1 und 2 dargestellten Übersichtsaufnahmen) aus physikalischen Gründen IMMER gewaltige Fehler und Ungenauigkeiten. Einzelaufnahmen sind grundsätzlich präziser.
- 5. Gutachter sind auch nur Menschen. Leider oft genug aber solche, die sich einbilden, den großen Überblick zu haben. Unberechtigterweise. Dem Gutachter hier hat irgendein Fortbildungsguru eingeredet, dass Kiefergelenkserkrankungen auf Zähne ausstrahlen können. Deswegen findet der solche Erkrankungen. Leider gibt es die so gut wie nie. Umgekehrt schon. Starke zahnverursachte Schmerzen strahlen dermaßen, dass der Patient nicht mehr weiß, ob er Männchen oder Weibchen ist, ob der Schmerz vom Ober- oder Unterkiefer oder Ohr = Kiefergelenk kommt. Die betroffene Patientin "Bianka1" schüttet darum auch ihren Hohn und Spott über den Fachmann aus. Zu Recht.
15 jähriger Knirscher kürzt seine Zähne
- Details
- Kategorie: Biss, Knirschen und 'Funktion'
- Erstellt am Mittwoch, 09. Mai 2012 13:26
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 39
Bild 1 Dieser Junge heißt S.B. und ist jetzt 15 Jahre alt (Baujahr 1996). Die angeknabberten Schneidezähne befinden sich gerade mal 9 Jahre im Mund (seit 2003). | |
Bild 2 Am Zahn 12 (zweiter von rechts im Oberkiefer) fehlen locker 1 bis 2 Millimeter an Originalsubstanz. | |
Bild 3 Für den Zahn 21 und 22 (Oberkiefer erster und zweiter von links) gilt das Gleiche. Auch diese waren noch vor 9 Jahren deutlich länger. | |
Bild 4 Die Aufnahme vom unteren bleibenden rechten Molar 46 beweist, dass sich der übermäßige Abrieb der Zähne nicht auf die Front beschränkt, sondern auch die wichtigen Backenzähne erfasst. Am abgebildeten Zahn fehlen wiederum mindestens 1 bis 2 Millimeter Höhe. |
Kommentar
Der Jugendliche entstammt einer bekannten Knirscherfamilie. Ich habe ihm mitgeteilt, dass die heute erstellten Fotos leider erst der Anfang der Betreuung sein können. Geplant sind engmaschige Kontrollen per Fotos in 2013 und 2014. Sollte sich daraus ergeben, dass der Substanzverlust im diesem Tempo anhält, dann braucht der junge Mann mit Sicherheit einen ordentlichen Auftrag von Material auf alle Zähne, besonders aber auf die Rückseite aller Oberkiefer Schneidezähne.
So wird systematische Trigeminus Neuropathie Forschung betrieben
- Details
- Kategorie: Fortbildung
- Erstellt am Mittwoch, 02. Mai 2012 08:29
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 87
Dr. Barry J. Sessle forscht seit 1968 (!) über Erkrankungen des Nervus Trigeminus. Einer der ersten Arbeiten lautete: "Tactile" stimulus intensity: information transmission by relay neurons in different trigeminal nuclei (auf deutsch: "Taktile" Reizintensität: Informations- übertragungdurchRelaisNeuronenin verschiedenenTrigeminuskernen). Knapp 50 Jahre später - im Januar 2012 - ist er immer noch Mitschreiber und Ideengeber bei einer bahnbrechenden Forschungsarbeit in Japan über die Rolle der Microglia (= Nichtnervzellen im Hirn und Rückenmark) bei der Entstehung neuropathischer Schmerzen.
Neue Erkenntnisse
Die Arbeit soll weiter unten noch im Detail gezeigt werden. Für den schnellen Leser fasse ich hier aber schon einmal die wesentlichen Ergebnisse zusammen.
- Schneidet man bei Ratten in einer Vollnarkose Operation das dicke Kabel des 3. Astes des Trigeminus etwa in der Gegend des unteren Weisheitszahns mit einem Skalpell glatt durch und legt die Enden wieder genau aneinander, dann wird nach 3 Tagen die Backe des Tieres auf der betroffenen Seite ganz krass überempfindlich. *) Bei Sham operierten Tieren (Vollnarkose und chirurgische Öffnung des Nervumfeldes, aber keine Trennung) passiert das nicht.
- Gibt man nun einem Teil der Tiere das patentfreie Antibiotikum Minozyklin, läßt sich dadurch die Überempfindlichkeit komplett unterdrücken.
- Schaut man sich das Stammhirn der Tiere im Bereich der Kerne des Trigeminus an, dann zeigt sich, dass Minozyklin in der Lage ist, die Entzündung der Microglia günstig zu beeinflussen.

Erläuterung zur Grafik: Die X-Achsen (= die nach oben) sind mit "Head withdrawal threshold" und 0 bis 80 Gramm beschriftet. Das soll bedeuten, dass die Ratten ihren Kopf von einem Berührungsreiz wegbewegen, der die angezeigte Stärke in Gramm überschreitet. Die Grafik E zeigt den Riesenunterschied zwischen Sham operierten Ratten und solchen mit einer Trennung im Unterkiefer Nerv. Die Empfindlichkeit der Backe steigt mindestens um den Faktor 10. Im Abschnitt G läßt sich erkennen, dass die Ratten +MC (mit Minozyklin) sich von Sham Ratten nicht unterscheiden.
*) Wenn Sie sich fragen, wie es denn sein kann, dass die Backe des Tieres mehr als 10-fach empfindlicher auf Berührung wird, obwohl da "nur" der Unterkieferast des Trigeminus durchschnitten wurde, dann sind Sie genau am Punkt angelangt: Wie entstehen Neuropathien? Sie entstehen indirekt. Das bedeutet, dass die Beschädigung eines Astes des Trigeminus die Übertragungseigenschaften der benachbarten Äste dramatisch steigert.
Erste Statistiken aus der DiaFragNeuroTrig
- Details
- Kategorie: Ankündigungen
- Erstellt am Samstag, 28. April 2012 21:26
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 333
Diagramm 1 Die Gesamtmenge der ersten 40 Ausfüller des Diagnostischen Fragebogens zur Neuropathie des Trigeminus (DiaFragNeuroTrig) von Zahnfilm.De scheint aus 2 Schmerzgruppen zu bestehen. Das jedenfalls legt die Grafik nahe, die unerwarteterweise keine Normalverteilung (= "Gauss'sche Glocke") zeigt, sondern zwei Gipfel aufweist. Eine Gruppe hat den Gipfel bei der Schmerzstärke 3 und die andere bei 6, dazwischen findet sich ein deutlicher Graben. Über die Gründe wird man sich Gedanken machen müssen. | ![]() |
Diagramm 2 Dass wir es bei den Teilnehmern des Fragebogens nicht mit Spaßvögeln zu tun haben, die zuviel Zeit haben und deshalb halbanonyme Fragebögen im Netz ausfüllen, das geht aus der Grafik 2 hervor. Zwei von drei Teilnehmern haben wegen ihrer Schmerzen bereits mindestens 2 und bis zu 4 Zahnmedizinern bzw. Spezialisten aufgesucht. Weitere 10% bis zu 8 Zahnmediziner und 5% noch mehr Kollegen hinzugezogen. Dahinter steckt richtiges Leid. | ![]() |
Diagramm 3 Auch völlig unerwartet ist dieses Ergebnis des Fragebogens. Die Kandidaten sollen den Schmerz aus einer 6-er Liste nach seiner stärksten Auswirkung sortieren. Konkret lautet die Frage: "Stellen Sie eine Reihenfolge auf vom schwersten Schmerzort zum geringsten" und präsentiert werden dann alle Orte wie im Diagramm. 2 von 3 Teilnehmer entscheiden sich übereinstimmend für den Oberkiefer. Der Unterkiefer kommt viel weniger vor, nicht einmal 20% der Antworten entfallen darauf. Was auch auffällt: Das Ohr und das Kiefergelenk wurden hier auf eine Antwort gelegt und erhielten bisher von keinem einzigen Teilnehmer einen Bewertungspunkt. | ![]() |
Das Geschlechtsverhältnis in der Untersuchung beträgt zur Zeit 14 Männer zu 26 Frauen
Besprechung
Für die, die das nicht einschätzen können: Zahnfilm.De ist meines (Joachim Wagner, Zahnarzt) Wissens die erste Institution, die einen halbwissenschaftlichen Fragenbogen zur Erfassung von Dauerschmerzen im Mund/Gesichtsbereich im Netz online hat. Dass ein solcher Fragebogen lange überfällig war, ist abzulesen an seiner Benutzungshäufigkeit. Nicht weniger als 40 nachweislich verschiedene Betroffene haben sich in der Zeit vom 12. April bis heute (28. April 2012) der Mühe unterzogen, die 20 Fragen zu beantworten.
Dabei kommen interessante Fakten zum Vorschein, von denen die oben 3 gezeigten einen Vorgeschmack geben.
Für die mitlesenden Kollegen habe ich folgende Fragen:
- Warum kümmert sich eigentlich bei der DGZMK (= Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) niemand um solche - ganz offensichtlich nicht unwichtigen - Faktenerfassungen per Online-Fragebögen?
- Im Zusammenhang mit der Recherche für den Diagnostischen Fragebogen zur Neuropathie des Trigeminus bin ich auf einen ähnlichen Fragebogen in schriftlicher Form von Prof. Dr. J. Türp gestoßen. Den kennen 99% aller zahnärztlichen Kollegen jedoch nicht. Warum nicht?
- Kann es sein, dass die korrekte Faktenerfassung von chronischen Schmerzen im zahnmedizinischen Haus- und Hofbereich sowieso unbeliebt ist, so generell?
Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
- Details
- Kategorie: Biss, Knirschen und 'Funktion'
- Erstellt am Samstag, 28. April 2012 07:27
- Geschrieben von Joachim Wagner
- Zugriffe: 173
Hängen Bruxismus und der Biss kausal zusammen?
Source
Quelle
Klinik für Mund-Kinesiologie, Academic Centre for Dentistry Amsterdam (ACTA), Forschungsinstitut für MOVE, Universität Amsterdam und VU University Amsterdam, Niederlande Department of stomatognathe Physiologie und prothetische Zahnheilkunde, Institut für Zahnmedizin an der Universität Helsinki, Finnland Abteilung für Kiefer-und Gesichtschirurgie, TMD Clinic, University of Padova, Italien Department of Oral Rehabilitation, die Maurice und Gabriela Goldschleger School of Dentistry, University of Tel Aviv, Tel Aviv, Israel.
Zusammenfassung
In der Zahnmedizin ist die Überzeugung weit verbreitet, dass der Bruxismus und die Zahn (Fehl-) Okklusion ("der Biss") zusammenhängen. Das Ziel dieser Überprüfung war es, die verfügbare Literatur zu diesem Thema kritisch zu bewerten. Eine PubMed-Recherche der englischsprachigen Literatur, über die Abfrage "Bruxismus [Majr] und (Zahnokklusion [Majr] oder Kieferfehlstellung [Majr])" ergab 93 Artikel, von denen 46 Papiere zum Schluss in der vorliegenden Rezension eingeschlossen wurden. Ein Teil der eingeschlossenen Publikationen beschätigte sich mit den möglichen Zusammenhängen zwischen Bruxismus und Aspekten der Okklusion, aus denen sich schließen läßt, dass es weder für okklusale Störungen noch für Faktoren im Zusammenhang mit der Anatomie des Mund-Gesichtsschädels irgendwelche Beweise vorhanden sind, dass sie beteiligt sind in der Verursachung des Bruxismus. Stattdessen gibt es ein wachsendes Bewusstsein von anderen Faktoren (nämlich psychosoziale Faktoren und programmierte Bewegungsmuster) die in der Verursachung des Bruxismus wichtig sind.
Ein weiterer Teil der enthaltenen Papiere beurteilt die mögliche Vermittlerrolle der Okklusion zwischen Bruxismus und seine angeblichen Folgen (zB Abnutzung der Zähne, Verlust der parodontalen Gewebe und Kiefergelenk Schmerzen und Funktionsstörungen). Auch wenn sich die meisten Zahnärzte einig sind, dass der Bruxismus verschiedene nachteilige Wirkungen auf das Kausystems haben kann, hat sich bis heute für keine dieser angeblichen negativen Auswirkungen Beweise für eine vermittelnde Rolle der Okklusion und Artikulation gefunden. Daher sollte auf der Grundlage dieser Überprüfung festgestellt werden, dass es keinen Beweis für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Bruxismus und dem Biss gibt.
Are bruxism and the bite causally related?
Source
Department of Oral Kinesiology, Academic Centre for Dentistry Amsterdam (ACTA), Research Institute MOVE, University of Amsterdam and VU University Amsterdam, The Netherlands Department of Stomatognathic Physiology and Prosthetic Dentistry, Institute of Dentistry, University of Helsinki, Finland Department of Maxillofacial Surgery, TMD Clinic, University of Padova, Italy Department of Oral Rehabilitation, The Maurice and Gabriela Goldschleger School of Dentistry, University of Tel Aviv, Tel Aviv, Israel.
Abstract
Summary In the dental profession, the belief that bruxism and dental (mal-)occlusion ('the bite') are causally related is widespread. The aim of this review was to critically assess the available literature on this topic. A PubMed search of the English-language literature, using the query 'Bruxism [Majr] AND (Dental Occlusion [Majr] OR Malocclusion [Majr])', yielded 93 articles, of which 46 papers were finally included in the present review*. Part of the included publications dealt with the possible associations between bruxism and aspects of occlusion, from which it was concluded that neither for occlusal interferences nor for factors related to the anatomy of the oro-facial skeleton, there is any evidence available that they are involved in the aetiology of bruxism. Instead, there is a growing awareness of other factors (viz. psychosocial and behavioural ones) being important in the aetiology of bruxism. Another part of the included papers assessed the possible mediating role of occlusion between bruxism and its purported consequences (e.g. tooth wear, loss of periodontal tissues, and temporomandibular pain and dysfunction). Even though most dentists agree that bruxism may have several adverse effects on the masticatory system, for none of these purported adverse effects, evidence for a mediating role of occlusion and articulation has been found to date. Hence, based on this review, it should be concluded that to date, there is no evidence whatsoever for a causal relationship between bruxism and the bite.
Kommentar
Und immer klarer neigt sich die Waage in Richtung "Vergiss den Biss" bei vielen wesentlichen Schmerz- und Krankheitserscheinungen im Mund. Die hier wiedergegebene Auswertung von 42 weltweiten Studien wird sich nur schwerlich widerlegen lassen, dafür spricht die Qualität der beteiligten Wissenschaftler, allesamt gut bekannt und selbst mit ernsthafter - der Wahrheit verpflichteter - Forschung beschäftigt.
Gehen wir also davon aus, dass der Biss das Knirschen nicht beeinflusst. Was ist dann also von der so genannten Front- und Eckzahnführung zu halten, die angeblich die "schädlichen Angewohnheiten" , gemeint ist das Knirschen, verhindert? Ganz einfach: Das sind zur Philosophie erstarrte Behauptungen einzelner einflussreicher Zahnarzt-Häuptlinge des vergangenen Jahrhunderts, die nie auf ihre Standfestigkeit geprüft wurden.
Denn werden sie geprüft und mit der Wirklichkeit verglichen, lösen sie sich auf, wie Schnee in der Sonne,
Weitere Beiträge...
Neueste Forumbeiträge
- Versuch mit Botox/ Schmerzen seit 5,5 Jahren
- In Schmerzen länger als 6 Monate
- 1 Tag, 11 Stunden her
- Schmerzen nach U-Kiefer Entfernung+Implanten
- In Schmerzen länger als 6 Monate
- 2 Tage, 13 Stunden her
- Nach Füllungswechsel vor 1,5 Jahren immer noch...
- In Füllungsprobleme
- 2 Tage, 15 Stunden her
- Zähne li. oben u. unten extrem Kälte&Wärmeempf
- In Unklare Fälle
- 3 Tage, 3 Stunden her
- Weiheitszahn ziehen lassen trotz neuropath.Schmerz
- In Unklare Fälle
- 3 Tage, 12 Stunden her
Neueste Kommentare
Doku: Gebisszerstörung durch unflexible Fachleute
13.05.2012 21:46RE: Doku: Gebisszerstörung durch unflexible FachleuteNatürlich hat die "Endo-Front" recht. Oder auch nicht. Hier wurde ein Gebiß in kürzester Zeit vollkommen ...Doku: Gebisszerstörung durch unflexible Fachleute
13.05.2012 21:44RE: Doku: Gebisszerstörung durch unflexible FachleuteAndererseits: bevor ich mir neue Brücken anfertigen und eine ganze Reihe von Zähnen ziehen lasse ...Doku: Gebisszerstörung durch unflexible Fachleute
13.05.2012 20:43GebisszerstörungSehr interessanter Artikel. Der Weg zur Vollprothese ist geöffnet. Und hat dieser Patientin den Preis ...Doku: Gebisszerstörung durch unflexible Fachleute
11.05.2012 12:03RE: Doku: Gebisszerstörung durch unflexible FachleuteStatt den Zahn aufzubohren, sorgfältig von innen zu reinigen und einige Tage halboffen (= mit Schwamm ...Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
06.05.2012 23:53RE: Knischen wird nicht durch Biss beeinflusstWußten Sie schon, daß man auch Inhalte sachlich diskutieren kann? MfG H. P.
Neueste Artikel
- Doku: Gebisszerstörung durch unflexible Fachleute
- 15 jähriger Knirscher kürzt seine Zähne
- Schmerzbehandlung USA im Gesicht
- So wird systematische Trigeminus Neuropathie Forschung betrieben
- Erste Statistiken aus der DiaFragNeuroTrig
- Knischen wird nicht durch Biss beeinflusst
- GIZ ist karieshemmend
- DiaFragNeuroTrig wird erstaunlich gut angenommen
- Diagnostischer Fragebogen Neuropathie Version 1.1
- Verblockte Kronen plus Knirschen = Zahnschwund Teil 3
- Neuropathikerin der Woche 7
- Hinter den Kulissen von Zahnfilm.de
- Normal: Große Karies von 2 Vorbehandlern unentdeckt
- Liste von Zahnärzten mit Kenntnissen in Neuropathie
- Grundsatzartikel: Was bedeutet "Neuropathie" des Trigeminus
- Grundsatzartikel: Warum die Diagnose "CMD" veraltet ist
- Neuropathien verstehen: Nerven in der Haut
- Das Dahl Prinzip: Was es kann
- Zahnärzte und Spezialisten unterschätzen Häufigkeit von Dauerschmerzen in Mund und Gesicht
- Knirscher darf keine verblockten Kronen und keine Hohlkehle
GTranslate
Besucher
| Besuche heute | 77 |
| Besuche gestern | 232 |
| Besuche Monat | 4246 |
| Besuche Jahr | 11910 |
| Seiten heute | 16351 |
| Seiten Monat | 91788 |
| Bots heute | 94 |





