CHKM plus GIZ behebt akute Pulpitis

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Um in Fällen von extrem tiefer Karies die fast sichere Wurzelfüllung zu vermeiden, hat sich in meiner Hand seit Mitte 2009 folgendes Verfahren bewährt

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 Bild 1

Im Röntgenbild  zeigt sich der Zahn 46 (rechts unten erster großer Backenzahn) der Patientin M. (25) so am ersten Tag ihrer Behandlung bei uns. Schauen Sie auf den mittleren Zahn und dort auf den großen weißen Fleck auf dessen rechter Seite. Dort hat der Vorbehandler vor Jahren eine sehr tiefe Komposite (= Kunststoff) Füllung gelegt. Beachten Sie dünne dunkle Zone unmittelbar unter der weißen Füllungsmasse, diese deutet auf Belassung von Restkaries hin.

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 Bild 2

Am 02.12.09 erscheint Frau M. mit folgenden Symptomen: Zahn 46 schmerzt bei Kalt/Warm, Klopfen, Beißen und auch schon spontan (= von alleine), aber noch nicht so stark, dass sie nachts davon wach wird.

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 Bild 3

Die Füllung soll mindestens 4 Jahre alt sein, läßt sich nicht bewegen, und die optische Inspektion ergibt keine offensichtlichen Spalten, die schuld an den seit Tagen aufgetretenen Zahnschmerzen sein könnten. Laut Bild 1 (= Röntgenbild) scheint unter der Füllung eine Restkaries belassen worden zu sein – was bitteschön nicht mit Sekundärkaries zu verwechseln ist. Die Belassung von Restkaries stellt gerade  bei einer hauchdünnen Schicht Dentin bis zur Pulpa (= weiches Zahninneres) generell keinen Behandlungsfehler dar, solange ein bakteriendichter Abschluss der Restkaries von der Mundhöhle gewährleistet bleibt!

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 Bild 4

Nach der Entfernung der Kunststoff Füllung und der sehr zurückhaltenden Entfernung  kleinerer erweichter Dentinmengen mit einem Handinstrument erfolgt die Konditionierung (leichtes Anätzen) der Oberflächen mit 10% Polyacrylsäure für nicht mehr als 10 Sekunden, hiernach eine Spülung mit Wasser. Das nichtgetrocknete Dentin wird nur angeblasen und sofort mit einer harten Mischung Glas Ionomer Zements in Form einer Unterfüllung abgedeckt. Dann erst erfolgt das gründliche Pusten, um Wasserüberschüsse zu entfernen. Gleichzeitig muss eine Nervnadel in der Stärke von etwa ISO 50 auf dem pulpanähesten Punkt des Lochs festgehalten werden, die mit der GIZ Unterfüllung „festgemauert“ wird.  

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 Bild 5

So etwa stellt sich die klinische Situation mit der fast fertigen Unterfüllung dar. Der Sinn der Unterfüllung ist es, unter wenig Zeitstress eine dichte und überall blasenfrei anliegende Schicht des Zahnrettungsmaterials GIZ auf die empfindlichen Dentinoberflächen sicher aufzubringen. Gerade bei nicht sicher trocken zu legenden Baustellen ist dieser Schritt für die Haltbarkeit der Gesamtfüllung der entscheidende.

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 Bild 6

Was über der dichten Unterfüllung aufgebracht wird, kann schon beinahe wieder als Geschmacksache betrachtet werden. In unserem Beispiel wurde eine halbprovisorische (für 2 bis 3 Jahre vorgesehene) GIZ Füllung verwendet. Genausogut hätte auch Komposite verwendet werden können – solange eine dichte Unterfüllung aus GIZ vorhanden bleibt. Bild 6 wurde heute – 18 Tage später – erstellt. In der Bildmitte läßt sich deutlich ein weiß abgedeckter Kanal ausmachen.

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 Bild 7

Der Kanal entsteht beim Ausdrehen des Kanalfeil Instruments aus Bild 4 und 5. unmittelbar nach der Hauptfüllung. Der zunächst mit Zementresten angereicherte Kanal wird gleich in der ersten Sitzung gesäubert, getrocknet, mit CHKM (Fertiglösung von Fa. Humanchemie) gefüllt und schließlich provisorisch abgedeckt. Im Bild 7 wird die 2. Füllung mit CHKM gezeigt.

 

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 Bild 8

Diese erfolgt in der 2. Sitzung und danach braucht nur noch der Kanaleingang mit GIZ verschlossen werden, was in Bild 8 gerade geschieht. In dieser 2. Sitzung prüfe ich durch eine Kälte + Beißprobe, dass sich alle Werte des Zahns wieder normalisiert haben und lasse die Patientin auch selbständig dazu Stellung nehmen. Wie in fast allen ähnlichen Fällen zuvor, schildert die Patientin den Rückgang der Schmerzen innerhalb von 24 Stunden. Die unauffällig verlaufenden weiteren Tests bestätigen, dass die Pulpa keinen erkennbaren Schaden erlitten hat.

  Mittlerweile überblicke ich eine Mini-Reihe von derartigen experimentellen Pulpitis Versorgungen, von denen nur eine von geschätzten 7 spektakulär versagte. Die Versager Versorgung erwies sich im Nachhinein betrachtet auch als deutlich zu mutig: die Auswertung der Fotos in hoher Vergrößerung zeigten ein vorhandenes Loch in die schon teilweise leere Pulpa. Gegen eitrig zerfallenes Zahnnerv Gewebe hilft  eben kein Zaubermittel dieser Welt mehr. Alle anderen so versorgten Zähne sind, soweit das beurteilt werden kann, symptomlos und tun was sie sollen. Und mehr geht nicht. 

3 Replies to “CHKM plus GIZ behebt akute Pulpitis”

  1. Hallo Benno, Sie zeigen auf 2 Schwachpunkte hin. Die sind mir auch klar. Zur Frage Matrize: Tiefe Karies mit Ausgangspunkt zwischen den Zähnen, womöglich noch in oder unter Zahnfleischniveau baue ich immer (!) zuerst mit einer Unterfüllung aus hochbelastbarem GIZ (Ketac Molar) ohne Matrize nur mit chemischer Blutstillung auf. Das erlaubt mir, Bereiche dichtzubekommen, die unter Notfallbedingungen – diese Patientin war Notfall – sonst nie anständig bakteriendicht zu schließen sind. Und die Deckfüllung darüber wieder aus Ketac molar ist hier wirklich nur ein Provisorium, weil ich dafür keine Zeit hatte. b) die Karies distal habe ich gesehen, aber entschieden, dass die für den Schmerz nicht zuständig ist. Und genau so war es denn auch, wie die Nachkontrolle zeigt. Ich denke, daraus mache ich noch mal einen Extra Artikel, warum und wieso ich Nebenkriegsschauplätze nicht gleichzeitig mit einem Hauptproblem angehe. Viele Grüße Joachim Wagner

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