Cranio-mandibuläre Dysfunktion oder Trigeminus-Probleme?

Bewerte diesen Beitrag

Lesen Sie auch die Artikel  2 Bisse des Tages und erfundener Behandlungsbedarf  und  Schienen sind bei Myoarthropathien nichts nütze

 

Heute morgen war es mal wieder soweit: 3 TMD- Fälle (TMD = Temporo Mandibulär Dysfunktion, synonym wird auch CMD = Cranio Mandibuläre Dysfunktion verwendet. Es handelt sich um Schmerzen im größeren Umfeld der Kiefergelenke) innerhalb der ersten 2 Stunden.

Fall 1: Weibliche Jugendliche, ca. 15 Jahre hat seit 3 Wochen täglich für einige Stunden Kopfschmerzen, der HNO hat aufgrund der Druckempfindlichkeit des rechten Kiefergelenks (KG) die Pat. mit ihrer Mutter zu mir geschickt, nach dem Motto: mach mal was am KG. Der Befund zeigt: Bewegungseinschränkung null, Laterotrusion leicht schmerzhaft, volle Mundöffnung nicht schmerzhaft. Alle Beisser ohne Karies, so gut wie keine Füllung. Die entscheidende Auskunft war folgende: Wie stark ist der Kopfschmerz auf der Skala 0 bis 10? Antwort: 8. Wir reden hier also von brutalen Schmerzen, nicht von Befindlichkeitsstörungen. Verdachtsdiagnose: Neuropathie mit Hyperästhesie im KG rechts. Da nervt der Nervus Trigeminus gewaltig, das KG ist dagegen ein Kindergeburtstag. Natürlich habe ich eine Schiene veranlasst (abrechnen will ich ja auch was), habe aber die Patientin instruiert für eine Woche alle 8 Stunden eine Ibuprofen zu nehmen. Die Kontrolle findet in einer Woche statt.

Fall 2: Eine langjährige Patientin, etwa 30 Jahre kam letztes Jahr mit ungeklärten Ohrschmerzen auf der linken Seit, natürlich hat der HNO sie wieder zu mir geschickt. Damals war kein zahnärztlicher Befund zu erheben. Jetzt kommt die Pat. mit Zahnfleischschmerzen, wobei sie ganz genau angibt, dass die Schmerzursache zwischen 23 und 24 liegen muss. Trotz intensiver Suche ist weder im gleichen Quadrant noch im linken Unterkiefer irgendeine Ursache zu sehen. Es gibt praktisch null Karies und so gut wie keine Füllung. Der PSI (Parodontaler Screening Index) ist 1 bis 2 und eine prof. Zahnreinigung macht sie jedes halbe Jahr. Der Pat. habe ich erklärt, dass da, wo sie den Schmerz fühlt, alles bestens ist. Das Gewebe um 23/24 ist nicht die Ursache der Schmerzen, sondern der Trigeminus. Über Jahre wiederkehrende Beschwerden auf der gleichen Seite und teilweise auch noch im gleichen Kiefer kommen nicht vom Zahn und schon gar nicht vom Zahnfleisch.

Fall 3: Frau M., seit 20 Jahren in meiner Behandlung hat über die ganzen 20 Jahre immer wieder Schmerzen im Bereich der wenigen noch vorhandenen Zähne. Als Jungspund habe ich vor ungefähr 18 Jahren 3 bis 5 Wurzelbehandlungen bei ihr durchgeführt, die natürlich ausnahmslos alle weiter schmerzten. Da aber der ganze rausnehmbare Ersatz an diesen Zähnen festgemacht war, hatte ich immer einen guten Grund, die schmerzenden Zähne nicht zu ziehen. Mittlerweile ist die gute Frau knapp 60, die Zähne sind noch alle drin, ich darf bei jedem Besuch versichern, dass ich an den Kronen nichts finde und langsam verliert der neuropathische Schmerz anscheinend auch an Schärfe. Zumindest drängt die Pat. heute nicht mehr bei jedem Besuch auf neue Röntgenbilder.

Allen 3 Patienten kann man mit etwas Überzeugungskraft eine TMD andichten, ganz besonders Fall 1. Das wurde und wird in vielen ähnlich gelagerten Fällen auch noch so gehandhabt. Wenn man sich als Behandler jetzt beispielsweise im Fall 1 in die Funktionsanalyse stürzt, anschließend danach „therapiert“ und es dabei auch spontane Remissionen der Schmerzen gibt, dann klopft man sich auf die Schulter für die prima Diagnose. Für den sicheren Rückfall gibt es ja dann immer noch irgendeine Erklärung ……

P.S.: alle 3 Fälle sind weiblichen Geschlechts. Das ist kein Zufall.

Kommentar verfassen