Neuropathiker verträgt keine Zahnreinigung

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Bild 1

Die Übersichts Röntgenaufnahme in OPG Technik zeigt das Nebeneinander einer  Mehrzahl an karies- und füllungsfreien Zähnen  direkt neben Maximalbehandlungen wie das Implantat rechts oben an der Stelle 15 oder links unten am wurzelgefüllten Zahn 34. Alleine schon die ungewöhnliche Form der Wurzelfüllung im Bereich der Zahnkrone des Zahns 34 gibt Rätsel auf. Die/der Fachfrau/mann wundert sich über die unsichtbare Ursache für diese Wurzelbehandlung.

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Bild 2

Beide links befindliche Zähne tragen Zahnhalsfüllungen aus Kunststoff aus dem Jahr 1990. Nebenbei bemerkt, dafür sehen die Kunststoff Teile noch bemerkenswert gut aus. Der Patient erzählt mir dazu, dass er seit Jahrzehnten unter äußerst empfindlichen Zähnen und natürlich auch Zahnhälsen leidet. Darum entschloß sich der damalige Behandler dazu, rechts und links, oben und unten diese Art von Kunststoff Füllungen anzubringen.

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Bild 3

Auch die Zähne 34 und 35 in Bild 3 erhielten im Jahr 1990 Zahnhalsfüllungen aus Kunststoff. . Aus dieser Zeit stammt die Wurzelbehandlung am 34 (der linke Zahn von beiden), weil praktisch alle Kunststoff beklebten Zähne im Anschluß an die Füllungsmaßnahme wochenlange Schmerzen verursachten und die Zähne 14,15 (rechts oben) und 34 (links unten) besonders hartnäckig nervten.

Von vorne

Herr K.K. aus (52) reist aus dem Schwäbischen nach Leverkusen an, weil sein behandelnder Zahnarzt zuwenig Verständnis aufbringt für die mehrfach wiederholten Schmerzdramen nach scheinbar geringfügigen Eingriffen:

1. Die erwähnten Zahnhalsfüllungen des Jahres 1990, die eigentlich dafür gedacht waren, die Empfindlichkeit vieler Backenzähne herabzusetzen, erwiesen sich umgehend als Bumerang. Noch im gleichen Jahr mußten 3 Wurzelbehandlungen (14,15,34) an völlig kariesfreien Zähnen durchgeführt werden, nur weil diese sich von der Strapaze einer Kunststoff Zahnhalsfüllung nicht erholen wollten. Rechts oben arteten die Schmerzen nach den Wurzelfüllungen so weit aus, dass sich der damalige Behandler genötigt sah, den Zahn 15 zu entfernen. Erst 2000 faßte Herr K. wieder genug Mut, die Lücke 15 durch ein Implantat schließen zu lassen. Die Beschwerden rechts oben sind nicht vollständig verschwunden; seit dem Einbau der Krone auf das Implantat erlebt Herr K. wieder „Druckbeschwerden“. dort.

2. 2003/2004 überredete ein neuer Behandler Herrn K, die alten Amalgam Füllungen in den Zähnen 36 und 37 (links unten hinten) durch Kunststoff zu ersetzen. Es folgten an beiden Zähnen bald danach die Wurzelbehandlung, die WSR und die Extraktion wegen nicht beherrschbarer Schmerzen.

3. Im Juli 2005 wurde Herrn K. eine professionelle Zahnreinigung (PZR) angeraten. Dazu der Zahnfleischbefund von heute: die Taschentiefen betragen zwischen 2 und 3 Millimeter, sind also hervorragende und gesunde Werte, die mit Behandlung auch nicht besser werden. Die Angestellte einer schwäbischen Zahnarztpraxis führt 2005 weisungsgemäß die PZR durch. Tags darauf entwickelt der Zahn 47 (rechts unten letzter) starke Schmerzen im Bereich von ca. 5 auf der Skala 0 bis 10, dazu eine stark ausgeprägte warm/kalt Empfindlichkeit und einen verzögerten Aufbissschmerz. Der Behandler reagiert mit einer Wurzelbehandlung. Auch dieser völlig kariesfreie Zahn wird schlußendlich aus reiner Verzweiflung gezogen.

4. Im Juni 2009 möchte der aktuelle Zahnarzt wieder bei Herrn K. eine „bessere Zahnreinigung“ durchführen lassen. Unser Mann läßt sich tatsächlich überreden und wieder kommt es zum Drama: Über mehr als 2 Monate (!) erleidet Herr K. „unheimlich starke Schmerzen“ (Zitat) an vielen unteren und oberen Zähnen, besonders aber 46, 35 und 34. In den ersten 4 Wochen nach der Reinigung hat der Schmerz nicht nur die stark ziehende Qualität, sondern es kommt auch ein Pochen im Herzrythmus dazu, welches Herrn K. auch nachts wach hält.

5. Ein Beispiel für die dramatische Empfindlichkeit seiner Zähne gibt der Patient:: Pustet ein Zahnarzt mit dem Luftbläser einen Zahnhals trocken, kann das Herr K. auch noch nach 3 Tagen am Schmerz spüren.

 

Bewertung

Ich als Zahnarzt mit etwas Blick für ungewöhnliche Fälle, insbesondere solche, die mit langdauernden Schmerzen an Zähnen verbunden sind, gebe auch zu, dass Herr K. eine Ausnahmeerscheinung ist. Zum Glück reagieren 99% aller Männer und etwa 95% aller Frauen nicht mit solch krassen Reaktionen auf geringe Eingriffe (Zahnsteinentfernung, Zahnhalsfüllung etc.) . Sonst müßten die Zahnmediziner ihre Etablissements schlichtweg zusperren, denn der hier geschilderte Verlauf von zahnmedizinischen Eingriffen hat durch die Bank hinweg nur zu einem geführt: Verlust von Zähnen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Herr K. fährt am besten, wenn er keine Zahnarztpraxis mehr betritt. Der 52-Jährige hat und hatte keine Parodontitis, keine Gingivitis oder sonstige Gründe, warum man eine „professionelle Zahnreinigung“ bei ihm durchführen muß. Nach den gemachten Erfahrungen darf er auch keine mehr durchführen lassen. Das ist mein Rat an ihn auch tatsächlich gewesen.

 

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