Typischer Zahnärzte Blättchen Quatsch

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Zahnärzte brauchen den täglichen Bilderkomik, damit ihnen klar wird, a) welche Sorte Füllung zu verbauen  ist, und b) welche Zähne aufgebohrt werden sollen. Diesen Schluß muß der Leser ziehen, wenn er sich die täglich eingehenden bunten Blättchen des Schlages „Dental Magazin“ vom Deutschen Ärzteverlag oder „ZMK“ vom Spitta  Verlag oder „Dentalspiegel“ zu Gemüte führt. Die letzte Ausgabe des „Dental Magazins“ Nummer 28 vom April 2010 enthält extra viele Bildergeschichten der Machart „Bohren nach Bildern“ und ist passenderweise überschrieben mit dem Motto „Reflektieren und Motivieren“.

 

Ein Dr. Kianusch Yazdani **) motiviert dort auf der Seite 35 mit diesen Bildern (ich zeige hier nur eine kleine Auswahl):

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Bild 1

Meister Yazdani schreibt dazu Zitat „Fallbeispiel Seitenzahnrestauration: Ein 24-jähriger Patient stellt sich mit latenten Beschwerden an den Zähnen 35 und 36 vor. Diese weisen insuffiziente Glasionomer-Restaurationen auf. Zudem zeigt sich eine Okklusalkaries an Zahn 34.“ Zitat Ende.

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Bild 2

So stellt sich die Bohrarbeit zwischendurch dar. Beachten Sie als Nichtfachmenschen bitte a) wie groß der Defekt am mittleren und rechten Zahn jetzt vom Zahnarzt aufgebohrt worden ist, im Vergleich zum Zustand vorher, und b) in welcher absolut astreinen Farbe der Boden des Lochs sich im mittleren Zahn präsentiert. Und schließlich c) welche zweifelhafte Sorte Material der Behandler auf den Boden vom rechten Zahn geschmiert hat.

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Bild 3

Das soll jetzt angeblich besser sein als der Zustand im Bild 1 – sagt Dr. Kianusch Yazdani. Ich muß das ja nicht glauben.

 

Laßt uns diesen Fall auseinandernehmen

a) Insuffiziente Glasionomer Restauration

Insuffizient heißt auf deutsch „unfähig“ oder „unzulänglich“. Das kann man vom Urteilsvermögen des Kollegen behaupten, nicht jedoch von den in Bild 1 gezeigten beiden hellen Füllungen. Ich – Joachim Wagner, Zahnarzt – verarbeite seit lockeren 15 Jahren Glasionomer Zement im Seitenzahnbereich gerade bei Jugendlichen und Erwachsenen und weiß ganz genau, was der bohrfreudige Herr Kollege beim Herausfräsen dieser beiden Füllungen angetroffen hat: hervorragend erhaltene harte Zahnsubstanz ohne jeden Hinweis auf eine Spaltbildung zwischen Zement und Zahn. Und – lieber Herr Yazdani, bevor Sie jetzt Ihren Rechtsanwalt konsultieren – das kann ich auch beweisen.

b) Latente Beschwerden an 35 und 36

Latent steht für „verborgene“ Beschwerden, was auch immer das im Zusammenhang mit einem Patienten und seinen Zähnen bedeuten soll. Beschwerden, die der Patient angeblich hat, aber nichts von merkt? Oder, die er haben müßte, wenn es nach dem Willen des Behandlers geht, aber gerade nicht anzutreffen sind? Ist ja auch egal, verborgen sind die Beschwerden jedenfalls dann nicht mehr, wenn der 24-Jährige Pech hat und zu den 10% bis 20% der durchschnittlich Betroffenen gehört, die nachweislich nach einer frischen Plastikfüllung Aufbißbeschwerden erleben. Herr Yazdani verdreht also schlicht die Tatsachen, GIZ ist gerade nicht bekannt für Beschwerden nach Füllungen, wohl aber Kunststoff.

c) Okklusale Karies am 34

Als altgedienter Bohrer vor dem Herrn*) lasse ich mir das nicht mehr erzählen, nämlich, das zwischen Bild 1 und Bild 2 echte Matsche aus dem Zahn 34 herausgeschafft wurde. In Wirklichkeit wurde dort nur leicht verfärbter Schmelz und Dentin – ohne jede Erweichung – mit dem Diamantfräser zermahlen um ein neues Loch zu erschaffen. Arbeit finden, wo keine ist, was auch das Motto der ganzen Übung insgesamt zu sein scheint.

Kommentar

Das ist typisch für ein Reklameheft der Dentalindustrie. Ein akademischer Vorbohrer zeigt uns halbbeschränkten Altniedergelassenen auf Hochglanzpapier, wo bitteschön Karies gefunden werden soll. Auf der Kaufläche = okklusale Karies soll es sein. Vermutlich hält der Vortuner das schon für eine Herausforderung. Ich möchte bitte die Leistungen dieser Schönwetter Kollegen sehen, wenn es wirklich kompliziert wird: Bei geriatrischer (im letzten Lebenszehntel auftretender) rasender Karies in jedem Zahn, und diese jeweils auf Zahnfleischniveau. Auch gut wäre eine halbwegs korrekte Statistik aller (!) Plastikfüllungen, die die Betroffenen tatsächlich erbringen, hinsichtlich der Versagerquoten. Denn darüber muss man sich auch im Klaren sein: Im Hochglanzdruck erscheinen ausschließlich die bestgelungensten Werke und die auch nur direkt nach dem Hochglanzpolieren für das Foto. Zusammenfassung: viel schöner Schein und wenig Substanz.

Ein weiteres Problem: Der Artikel des Kollegen Yazdani wurde hochwahrscheinlich durch den Kunststoff Hersteller Voco, Bremen gesponsert, vermutlich durch direkte Zahlungen an den Ärzte Verlag für den eingeräumten redaktionellen Textraum, insgesamt 7 Seiten. Ob der Zahnarzt ein Honorar erhalten hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich möchte an dieser Stelle die Frage stellen, ob eine solche Beeinflussung des zahnmedizinischen Fachpublikums in Ordnung ist. Ich meine: Nein. Weder weist der Verlag auf die Zahlungen hin, noch gibt der Autor zu erkennen, dass hier im Grunde genommen Schleichwerbung getrieben wird. Dazu kommen die fachlichen Mängel, siehe oben.

 

*) Ich bin zu lange im Geschäft, um mir noch Dinge einreden zu lassen. Z.B. wo Karies wirklich zuschlägt. Wen das tatsächlich interessiert, suche hier unter dem Suchwort „Zahnzwischenraum“ oder „Zahnhals“. Dort kann man auch heute noch richtig fette Matsche finden, nicht jedoch unter harmlosen okklusalen Verfärbungen von Prämolaren!

**) Aus einem frischen Werbeprospekt der Firma Dentsply erfahre ich, dass auch dort Herr Yazdani mit deren Kunststoffen aktiv ist. Sein Konterfei hat man dort beschriftet mit: Zitat Dr. Kianusch Yazdani, 1995 Examen in Münster, 1995 – 2006 Zahnarzt bei der Bundeswehr, 2003 Qualifikation zum Dipl. Gesundheitsökonom, seit 2006 niedergelassener Zahnarzt in Münster. Behandlungstätigkeitsschwerpunkte: mikroskopische Endodontie, ästhetische Zahnheilkunde, Funktionsdiagnostik und Funktionstherapie. Mit diesen Schwerpunkten ist er seit mehreren Jahren auch als Referent im In- und Ausland tätig. Zitat Ende. Wir nehmen an, dass Herr Yazdani einen Frauenstandort der Bundeswehr zahnmäßig verarztet hat, denn an normalen Rekruten wird er kaum die jahrzehntelange Erfahrung für seine Lehrtätigkeit in Sachen Funktion erworben haben, meint Joachim Wagner, Zahnarzt. Wie so oft erwischen wir auch hier wieder einen Kandidaten des immer herrischer sich gebärdenden Fortbildungsunwesens dabei, mit viel Theorie und vergleichsweise keiner Erfahrung in „Referententätigkeit“ zu machen. Und wenn man genau hinschaut, läuft dieses Muster gerade bei den Funktionologen gehäuft so ab: kaum ist das Examen bestanden, fängt der Gerade-noch-Student das Dozieren und Schaumschlagen von Funktionstheorie an. Erfahrung? Wozu? Die stört doch nur. Schauen Sie sich doch die einschlägigen Privatdozenten an.  Ich wundere mich immer weniger.

5 Replies to “Typischer Zahnärzte Blättchen Quatsch”

  1. RE: Typischer Zahnärzte Blättchen Quatsch
    mein lieber kollege, wir können uns gerne unterhalte, ich habe nichts zu verbergen, ich kann ihnen den patienten auch persönlich vorstellen, der ihnen das, was ich geschrieben habe , auch gerne bestätigt, ich bitte um antwort, wir können auch telefonieren, lieben kollegialen gruss ihr kianusch yazdani

  2. RE: Typischer Zahnärzte Blättchen Quatsch
    Hallo Herr Yazdani, danke, dass Sie sich hier in der Kommentarfunktion melden – und nicht wie etliche besprochene Kollegen hier versuchen, hintenrum eine günstigere Darstellung zu erwirken. Zur Sache selber empfehle ich Ihnen, sich zunächst etwas in das Thema GIZ näher einzuarbeiten. Schauen Sie sich z.B. an: http://zahnfilm.de/af/index.php?option=com_content&view=article&id=82:fuellungsexperimente-mit-affen-die-ergebnisse&catid=13&Itemid=100007 Im Bakterien dichtigkeitstest im wirklichen Mund kommt dort GIZ (RMGIZ) an erster Stelle, dann Amalgam, dann ZnO Eugenol und erst an 4. Stelle Kunststoff. Dann schauen Sie hier: http://zahnfilm.de/af/index.php?option=com_content&view=article&id=38:versiegelungen-sind-haeufig-nicht-dicht&catid=13&Itemid=100007 Wir verwenden GIZ seit 1992 als einziges Versiegelungsmaterial mit Überzeugung und schließlich hier http://zahnfilm.de/af/index.php?option=com_content&view=article&id=12:skandal-abszesse-unter-kunststoff&catid=13&Itemid=100007 Auch eine Studie mit Goldstandard am lebenden Menschen, die sehr eindeutig gegen Kunststoff auf nacktes Dentin geklebt spricht. Viele Grüße Joachim Wagner

  3. Garrett Gruesbeck
    Hier habe ich erfahren, dass es wieder neue Internetportale für Arztbewertungen gibt. Einerseits finde ich es schön, dass man sich im Internet Arztbewertungen anschauen kann. Doch auf der anderen Seite denke ich nicht, dass man solchen Portalen glauben kann. Ich denke schon, dass die Betreiber solcher Internetseiten wollen, dass auf ihren Portalen niemand seine eigene Arztpraxis durch manipulierte Einträge bzw. Bewertungen verbessert. Ich frage mich, kann man wirklich solche Internetportale für Arztbewertungen auf Manipulationen kontrollieren?

  4. Auch ein CMD Genie
    Ich möchte hinzufügen, dass Herr Yazdani auch auf dem Gebiet der CMD-Therapie mittels Schiene ein Genie ist. Ich bin selbst in den Genuss seiner UK-Schienen gekommen und er hat mich niemals über eine halbe Stunde warten lassen, um noch mit einem Vertreter der Pharmaindustrie zu reden. Auch würde Herr Doktor Yazdani niemals Bewertungen in einem Arztbewertungsportal löschen, die ihm missfallen. In diesem Sinne verstehen Sie vermutlich meinen Kommentar…

  5. Zahnärzte-Blättchen-Quatsch
    Wer ärgert sich nicht über die Flut an Kokolores, die mit der Post tagtäglich an die Schwelle der Praxis gespült wird? Ehrlich gesagt, das sieht für mein altes Dentistenauge schwer nach Spökes-Sanieren aus: Substanzverluste Galore, das Opus Magnum an 36 folgt überdies nicht dem dokumentierten Kavitätenverlauf, lappt also mesiolingual über. Ist jedem schon mal passiert, aber nicht jeder fotografiert so was dann auch. Einen Assistenten, der Zähne wie diesen 34 routinemäßig aufziehen will, sollte man allerdings [b]umgehend[/b] auf Festgehalt setzen. Schließlich will man junge Kollegen nicht in eine ungute Richtung leiten.

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