Kein Kunststoff auf zentrale Knirschstützpunkte

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Bild 1

Frau F. (46) knirscht derart, dass ihre meisten Füllungen vorzeitig fliegen gehen. Trotzdem verbauen zu mutige Vorbehandler bei ihr immer noch Kunststoff (= Komposite) . In Bild 1 sehen Sie den rechten oberen Eckzahn (Zahn 13) mit einer Kunststoff Füllung in Richtung Mitte  (= mesiale Ecke). Achten Sie auf die einerseits glatt polierte Kauseite der Füllung, und auf die Bruchstellen am Rand andererseits. Die Glattpolitur stammt nicht vom Zahnarzt.

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Bild 2

Aus dem Foto geht nicht ganz sicher hervor, ob zwischen Kunststoff und Restzahn ein Spalt vorhanden ist. Die leicht gelbliche Verfärbung der Grenzzone und die wahrscheinlich anzutreffende Karies (= Zahnmatsche) etwas unterhalb der Bildmitte im Bereich des Rötlich-Braunen deuten aber in diese Richtung.

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Bild 3

Hier sehen Sie den Eckzahn links oben (= Zahn 23) der gleichen Patientin am gleichen Tag. Die dort befindliche Kunststoff Füllung war gelockert und konnte mit einfachem Knipsen entfernt werden. Nach leichtem Säubern des weichen (= kariösen) Untergrunds präsentiert sich der Zahn nun wie im Foto 3 gezeigt.

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Bild 4

Etwas rechts der Bildmitte wird eine kleine halbkreisförmige Struktur sichtbar. An dieser Stelle findet gerade jetzt ein besonderes Kariesdrama statt. Die lockere Kunststoff Füllung hat dafür gesorgt, dass es entlang der ganzen axialen Wand (= entlang der halbkreisförmigen Aussparung in die Tiefe) viel Karies gibt. Dicht daneben liegt der Zahnnerv (= die Pulpa), diese Karies gefährdet ganz klar das Überleben des Zahnnervs.

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Die hier präsentierten Bilder beweisen zum wiederholten Male, dass hohe Kräfte auf die Kunststoff Oberfläche die Verklebung zwischen Kunststoff und Dentin zerstören. Ob das daher rührt, dass der E-Modul, also der Widerstand eines Stoffs auf eine verbiegende Kraft, bei vielen Kompositen höher liegt als bei Dentin, oder die Klebeverbindung auf lange Sicht die konzentrierte Scher/Presskraft des Knirschers von 100 kg auf einen Zahn nicht verträgt – was ich, Joachim Wagner, Zahnarzt für sehr wahrscheinlich halte – das Ergebnis bleibt gleich: irgendwann ist die Plastikfüllung lose. Und dann Gnade Gott dem Restzahn. Die lockere Kunststoff Füllung benimmt sich gegenüber dem nackten Dentin wie Salzsäure auf Marmor; das führt also zu beschleunigtem Schwund.

Frau F. besitzt im Oberkiefer nur noch eine Restbezahnung von 13 bis 23, alle anderen Zähne sind herausnehmbar ersetzt, was aber bei Knirschern/Pressern nicht ernsthaft als Kaukraftwiderstand gezählt werden kann. Letztlich bekommen also die 6 Oberkiefer Frontzähne den gesamten Kaudruck ungefiltert ab. Wegen wiederholten Bruchs der Füllungen erhielten die Zähne 12 und 22 bereits Vollkronen. Über kurz oder lang werden auch die Zähne 13 und 23 mit solchen Kronen ausgestattet werden müssen, denn weitere Versuche mit Komposite an diesen Haupt Knirschstützpunkten sind abzulehnen.

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