Dr. Truelove: Neuropathischer Trigeminus Schmerz häufiger

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J Orofac Pain. 2004 Fall;18(4):374-80.

Management issues of neuropathic trigeminal pain from a dental perspective.

Truelove E.

Department of Oral Medicine, University of Washington, Box 356370, Seattle, WA 98195, USA. edmondt@u.washington.edu

Abstract

Neuropathic trigeminal pain conditions are more common than is generally appreciated. Sites inside the mouth as well as involvement of extraoral tissues are common manifestations of these disorders. There is a general lack of recognition of the complex characteristics of neuropathic trigeminal pain that frequently lead to mischaracterization of the nature of the complaint. Dentists are in an excellent position to detect the presence of neuropathic trigeminal pain and help to provide a rational diagnosis. The high prevalence of orofacial pain of dental origin and the dramatic similarities between neuropathic orofacial pain and odontogenic and other pathologic pains in the region frequently lead to incorrect diagnoses and, more importantly, inappropriate treatments that are frequently invasive and irreversible. The records of patients presenting with neuropathic pain at our university pain clinic were reviewed to gain insight into dental factors as they related to the etiology, presentation, diagnosis, and management of neuropathic pain of the trigeminal system. Relative to etiology, the records review revealed that most onsets were associated with a specific dental treatment or odontogenic symptom that resulted in a dental diagnosis or treatment. Initial treatment modalities that either caused the pain or were used to address painful symptoms commonly included replacement of restorations, endodontic therapy, apicectomy, extraction, splint therapy, and occlusal equilibration. Correct diagnosis, and particularly early definitive diagnosis, of neuropathic trigeminal pain is crucial to avoid invasive and potentially more damaging forms of treatment.

PMID: 15636023 [PubMed – indexed for MEDLINE]

 

J Orofac Pain. 2004 Fall;18(4):374-80.

truelove

Behandlungsüberlegungen bei neuropathischen trigeminalen Schmerzen aus der zahnärztlichen Sicht

Truelove E.   Bild 1

Dr. Edmond Truelove ist Professor an der Universität der Washington School of Dentistry und hat den Lehrstuhl für orale Medizin seit 1972  inne. Er ist ein aktiver Kliniker und hat Tausende von Patienten mit atypischen oralen Problemen und Schleimhaut Läsionen behandelt. Er war der letzte Präsident des Amerikanischen Board of Oral Medicine. Edmond Truelove gehört zu den langjährigen Mitarbeitern von Samuel F. Dworkin und Linda LeResche,  die 1992 mit der bis heute bestehenden neuen Definition der RDC/TMD Kriterien die Forschung im Bereich TMD (= deutsch CMD) revolutioniert haben. Es ist davon auszugehen, dass S.F. Dworkin den Inhalt der vorliegenden Arbeit mindestens kennt.

Department of Oral Medicine, University of Washington, Box 356370, Seattle, WA 98195, USA. edmondt@u.washington.edu
Zusammenfassung

Neuropathische trigeminale Schmerzzustände kommen häufiger vor als allgemein bekannt ist. Stellen im Mund als auch solche außerhalb des Mundes sind häufige Vorkommensorte dieser Erkrankung. Es gibt einen generellen Mangel an Erkennung der komplizierten Eigenarten von neuropathischen trigeminalen Schmerzen, die häufig zu Verwechslungen der Natur der Beschwerden führen.   Zahnärzte befinden sich in einer hervorragenden Position um das Vorliegen von neuropathischen trigeminalen Schmerzen zu entdecken und dabei zu helfen, eine logische Diagnose zu stellen. Das hohe Aufkommen von Mund/Gesichtsschmerzen durch zahnbedingte Ursachen und die dramatische Ähnlichkeit zwischen neuropathischen Mund/Gesichtsschmerzen und zahnbedingten und sonst verursachten Schmerzen in der Gegend führen häufig zu falschen Diagnosen und, noch wichtiger, zu unangemessener Behandlung, die oft genug eingreifend und nicht mehr umkehrbar ist.

Die Krankenakten der Patienten mit neuropathischen Schmerzen an unserer Universitäts Schmerzklinik wurden erneut durchgeschaut, um sich Einblick in die zahnmedizinischen Faktoren zu verschaffen, die mit dem Entstehen, der Präsentierung, der Diagnose und der Behandlung von neuropathischen Schmerzen des trigeminalen Systems zusammenhängen. In Bezug auf die Verursachung zeigen die Akten, dass der Beginn vieler dieser Krankengeschichten mit bestimmten zahnärztlichen Behandlungen oder mit Zahnsymptomen, die zu einer zahnmedizinischen Diagnose oder Behandlung führten, zusammenfallen.  Die anfängliche Behandlung, die entweder die Schmerzen verursachte oder benutzt wurde um die schmerzhaften Symptome anzugehen, bestand in: Auswechseln von Füllungen, Wurzelbehandlung, WSR, Extraktion, Schiene oder Einschleifmaßnahmen. Eine zutreffende Diagnose und besonders die frühe richtige Diagnose von neuropathischen trigeminalen Schmerzen ist entscheidend, um eingreifende und möglicherweise noch mehr Schaden anrichtende Formen der Behandlung zu vermeiden.

PMID: 15636023 [PubMed – indexed for MEDLINE]

 

Kommentar

Das Department of Oral Medicine der University of Washington in Seattle am Pazifik in der Nähe der kanadischen Grenze erweist sich ein weiteres Mal als Vorreiter der internationalen Dentalszene. Seattle ist nicht nur die Heimat von Boeing, dem weltgrößten Flugzeugbauer, sondern geniest den Ruf, in Gottes eigenem Land (den USA natürlich, smile), die insgesamt beste Lebensqualität bieten zu können, was sicherlich kein kleines Versprechen darstellt. Samuel F. Dworkin hat es 1986 von New York nach Seattle gezogen, um dort – nach 20 Jahren Zahnarztdasein und Psychiatriestudium in der City – ein Leben als Vollwissenschaftler zu führen. Heraus kamen Meilensteine der Zahnmedizin, die in iher Bedeutung bis heute speziell in Deutschland nicht angekommen sind. Dworkin ist der Anwärter für den Zahnmedizin Nobelpreis. Aus diesem Dunstkreis stammt Edmont Truelove. Er war von Anfang an mit dabei. Wenn nun diese zahnmedizinische Schule sagt, dass neuropathische trigeminale Schmerzen häufiger vorkommen als allgemein bekannt ist, dann sagt das eben nicht irgendein Hansel, sondern einer der qualifiziertesten Fachmenschen der Welt für dieses Gebiet

Zahnfilm DE sieht sich wieder bestätigt: Die Neuropathie des Trigeminus wird als wichtige Erkrankung im Bereich des Gesichts endlich wahrgenommen und in ihrer Rolle gewürdigt. Nach allen bis heute hier in Zahnfilm vorgelegten Beweisen aus Tierversuchen, Schmerzgeschichten konkreter Patientinnen sowie Fachbeiträgen anerkannter zahnmedizinischer Wissenschaftler (z.B. Benoliel/Israel, Dworkin/USA, Truelove/USA, Türp/Schweiz, Vickers/Australien etc.) stellt sich doch nun nur noch die Frage, wann endlich auch in Deutschland die zuständigen Leute in die Hufe kommen und diese Tatsache auch endlich angemessen zu Papier bringen.

 

Zu fordern ist

  1. Die Hereinnahme des Konzeptes vom chronischen Schmerz in die Zahnmedizin: Chronischer Schmerz ist definiert als ein Zustand des fortgesetzten Leidens, lange anhaltend nachdem die anfängliche kleine Verletzung längst verheilt ist (Merskey and Bogduk, 1994).
  2. Das Anerkenntnis des zahnärztlichen Berufsstandes, dass es Schmerzzustände im Bereich des Mund/Kiefers gibt, die mit zahnmedizinischen Mitteln weder dauerhaft abzustellen, noch klinisch bedeutsam zu mindern sind. Ganz herausragend fallen darunter alle neuropathischen Schmerzen, wie PHN (Postherpetische Neuropathie), Diabetische Neuropathie, Trigeminale Neuropathie.
  3. Die Infragestellung  der pseudowissenschaftlichen CMD Gebissvermessung bei allen CMD Schmerzen „myogenen“ (muskulären) Ursprungs. Begründung : Die Gebissvermessung stammt aus einer Zeit, als man noch Medizin nach Gutsherrenart praktizierte, ohne sich um Versuchsreihen mit Positiv- und Negativkontrollen zu kümmern. Und die Gebissvermesser tun bis heute so, als wäre die Zeit stehen geblieben und die einschlägigen Forschungsergebnisse in den Bereichen TMD, Fibromyalgie, Neuropathie, Migräne usw. nicht vorhanden.

7 Replies to “Dr. Truelove: Neuropathischer Trigeminus Schmerz häufiger”

  1. RE: Dr. Truelove: Neuropathischer Trigeminus Schmerz häufiger
    Zitat:
    „In Bezug auf die Verursachung zeigen die Akten, dass der Beginn vieler dieser Krankengeschichten mit bestimmten zahnärztlichen Behandlungen oder mit Zahnsymptomen, die zu einer zahnmedizinischen Diagnose oder Behandlung führten, zusammenfallen. Die anfängliche Behandlung, die entweder die Schmerzen verursachte oder benutzt wurde um die schmerzhaften Symptome anzugehen, bestand in: Auswechseln von Füllungen, Wurzelbehandlung, WSR, Extraktion, Schiene oder Einschleifmaßnahmen. Eine zutreffende Diagnose und besonders die frühe richtige Diagnose von neuropathischen trigeminalen Schmerzen ist entscheidend, um eingreifende und möglicherweise noch mehr Schaden anrichtende Formen der Behandlung zu vermeiden.“

    Das sagen die Forscher aus der „ersten Reihe“ zu Schmerzerkrankungen.

  2. RE: Dr. Truelove: Neuropathischer Trigeminus Schmerz häufiger
    Ja genau, bevor es zu Ernsthaften Schäden wie CMD usw kommt, sollte frühzeitig auf die richtige Zahnbehandlung auch auf einen richtigen Biss geachtet werden

  3. RE: Dr. Truelove: Neuropathischer Trigeminus Schmerz häufiger
    An Nervenschädigungen sind Viren beteiligt.

    siehe:

    http://zahnfilm.de/af/index.php?option=com_content&view=article&id=891:herpes-simplex-virus-hsv-macht-entzuendung-im-trigeminus&catid=17&Itemid=100005

    Als weitere Ursachen kommt Veranlagung in Betracht, wenn familiär Neuropathien, Neuralgien, Migräne u.a. vorliegen.

    Zahnärtzliche Behandlungen oder Bisslagen sind als Ursache jedoch ausgeschlossen.

    Da jede zahnärztliche Behandlung den Trigeminusnerv reizt, kann dies zu einer Verstärkung der Schmerzen führen, ist aber keinesfalls die Schmerzursache. Ebenso können CMD-Schienen die Schmerzerkrankung verstärken.

    Eine Schmerzerkrankung ist eine Schmerzerkrankung, also eine Erkrankung der beteiligten Nerven und dem Schmerzzentrum im Gehirn.

  4. Mich erstaunt dieser Beitrag muss ich sagen das Zahnärztliche Behandlung nicht die Verursacher sein sollen. Denn bis zu einer Zahnbehandlung bei welcher ein und der selbe Zahn 26 OK links Backenzahn immer und immer wieder behandelt wurde führte ich ein normales Leben. Seit her ist es mit der Lebensqualität aufgrund der Trigeminusneuropathie vorbei. Der Zahnarzt behandelte immer und immer wieder wurde der Zahn geöffnet obwohl der Zahn laut Aussage ja tot war hatte ich Schmerzen waehrend der Behandlung und auch mit Betäubung noch. Es dauerte zwei Jahre ehe die Zahnärztin sagte ist wohl doch nicht der Zahn und ein Neurologe die Diagnose TN stellte fast ist jetzt 9 Jahre her.

    1. Hallo Moni,
      wie meinen? Es fällt mir nicht leicht, Ihre Sätze komplett zu verstehen. Vielleicht dieser Hinweis: Locker 70% aller Trigeminus Neuropathien fangen mit einer Zahnarztbehandlung an. Das beweist aber nicht, dass der Zahnarzt die Ursache ist. Sondern nur, dass die Behandlung im Bereich eines Trigeminus Astes den Schmerz ausgelöst hat. Wir müssen deshalb sorgfältig unterscheiden zwischen einem Trigger (Auslöser) und der Ursache. Die sind eben nicht gleich.
      Und noch was: Bitte verwenden Sie nicht die Abkürzung „TN“, weil diese üblicherweise für eine Trigeminus Neuralgie reserviert ist. Stattdessen bitte „Trig. Neurop.“
      VG J. Wagner

  5. Ok zu 2. Das war mir nicht bewusst bin ja Laie nicht vom Fach werde schaue ob es sich löschen lässt.

    Zu 1. Ok vielleicht hier im Text schwierig zu verstehen meine Situation da sehr Komplex und langwierig.
    Das soll heißen der Zahnarzt bzw die Behandlung ist der Trigger was ist dann die Ursache (wenn MS zb ausgeschlossen ist) Ich habe hier auch gelesen das 70% der TNP Fälle durch Viren sein sollen wieso wird das nicht untersucht.

    Ist es ausgeschlossen das bei einer Wurzelbehandlung so tief gebohrt wurde das der Trigeminusnerv einen „mitgekriegt“ hat?

    Wieso ist die einzige Zeit in der ich Schmerzfrei bin diese in der ich eine Lidocainspritze direkt an den Nerv (in den Mund zur Betäubung bei einer Zahnbehandlung) bekomme? Gibts hier eine Erklärung kann man sich dies irgendwie zu Nutze machen

    1. Viren können wir – mit Ausnahmen – noch nicht behandeln, deswegen. Zu tief gebohrt geht nur bei Implantaten. Wenn Sie schmerzfrei werden bei einer Lokal oder Leitungsanästhesie, seien Sie froh. Dann sind Sie ein einfacher Fall. Dann sollen Sie als nächstens Lidocain Spray besorgen.
      VG J. Wagner

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