DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen

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Bild 1

Herr Alexander B. ist zum Zeitpunkt dieser Aufnahme im Jahr 2008 23 Jahre alt, kommt aus einem eher nicht behüteten Elternhaus, hat viel Zeit und wenig Geld und schämt sich seiner Oberkiefer Frontzähne. Verständlicherweise.

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Bild 2

Die DAK schickt den jungen Mann, bei dem ich 5 Kronen plane, und zwar auf die 4 Schneidezähne im Oberkiefer und den 24 (links oben hinter dem Eckzahn, im Bild 4 der stark Gefüllte) zum ersten Mal im Mai 2008 zum Gutachter Dr. M.S. aus Opladen.

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Bild 3

Der Gutachter Dr. S. sucht einen Grund zum Ablehnen meines Plans, und findet gleich 3 davon:

a) wäre die Mundhygiene „absehbar dauerhaft unzureichend, besonders auch im Molarenbereich“, darum will er im Molarenbereich zweckmäßigerweise viel ziehen.

b) 24 hätte keine ausreichende Zahnsubstanz und wäre für eine Überkronung nicht geeignet.

c) Zitat „Im Hinblick auf den Overjet von 10mm und die Staffelstellung mit Behinderung des Lippenschlusses sollte alternativ die Extraktion der protrudiert stehenden 11,21 bedacht werden“

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Bild 4

Der helle Beißer in der Mitte des Bildes nennt sich 24. In der Tat besteht die so genannte Krone des Zahns aus etwa 70% Glas Ionomer Zement Marke Ketac Molar. Der Zahn selber ist vital, d.h. er reagiert auf die Kälteprobe positiv, auf die Klopfprobe negativ und macht keinerlei Beschwerden. Diese Feststellungen erweisen sich als wichtig für das Erstgutachten. Dort will der Gutachter Dr. S. diesen Zahn entweder ziehen oder wurzelbehandeln.

 

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Bild 5

Als regelrecht hanebüchen zeigen sich die kieferorthopädischen Diagnosen des Gutachters S.: da ist von Overjet und Staffelstellung und Behinderung des Lippenschlusses die Rede. Nur ein Satz dazu: Seit wann gehört die Kieferorthopädie bei Erwachsenen in die Leistungspflicht der GKV? Was soll das?

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Bild 6

Zu den Zähnen 37,38 heißt es im ersten Gutachten „… unter Füllungen Karies (mit Pulpenberührung/ -beteiligung).“ Einige Zeilen danach „… konservierende Vorbehandlung 37,38 notwendig.“ Das bezieht sich wohlgemerkt auf die hier abgebildeten hellen Füllungen aus Glas Ionomer Zement und den im Röntgenbild unter Bild 16 sichtbaren Zustand.

Ohne Bild

Die Voreingenommenheit des Gutachters Dr. S. wird im Nachgang im August 2008 von den Sachbearbeitern der DAK noch übertroffen. Nachdem ich als behandelnder Zahnarzt  Einspruch gegen das Gutachten eingelegt habe und ein Obergutachten gegen die nackte Willkür des für seine martialischen Ansichten bekannten Kollegen S. verlange, teilt mir die Krankenkasse in einem Einzeiler kühl mit, dass ich die Einspruchsfrist von 2 Wochen verpaßt hätte – und sie nichts für mich tun könnten. Für mich (Zahnarzt) schrieb die DAK wirklich, als ob ich die Kronen erhalten würde.

Darauf möchte ich vom Leiter des Büros wissen, ob wir jetzt Kindergarten spielen wollen und meinen Patienten wegen Formalien zwischen den Stühlen hängen lassen wollen. Die Reaktion ist eindeutig: Herr Effert von der DAK Leverkusen läßt mich eiskalt abblitzen. Daraufhin muss ich meinem Patienten die traurige Wahrheit sagen: Die Krankenkasse will Sie wirklich weiter so rumlaufen lassen.

Ein Jahr später – im September 2009 – reiche ich erneut den gleichen Plan ein, und behaupte, dass die Mundhygiene sich verbessert habe und deshalb ein neues Gutachten erforderlich wäre. Dr. M.S. aus Opladen mußte inzwischen krankheitshalber den Gutachterjob an den Nagel hängen, nun tritt der frische GutachterA. R. auf den Plan und schreibt ein 2. Gutachten, indem er die Sätze seines Vorgängers – die DAK hatte unfreundlicherweise das 1. Gutachten als Kopie an Zahnarzt A.R. weitergegeben – etwas umformuliert. Heraus kommt die 2. Ablehnung meines Plans.

„Gutachter“ A.R. schreibt expressis verbis (im Wortlaut) : OK Frontal offener Biss und sagittale Stufe 1 cm mit starker Labialstellung 11, 21. Eine Überkronung würde die Situation nicht verbessern, zudem nur noch geringe klinische Restsubstanz. WF 21 nach Vorlage der Röntgenbilder nicht abschließend zu beurteilen. Aufgrund der zahlreichen großen Füllungen (17,16,37) der Freieindsituation 46,47 ist eine Gesamtplanung notwendig. Daher ist ide geplante Versorgung nicht zu befurworten. …

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Bild 7

Die erneute Verweigerung des Zuschusses der Krankenkasse durch einen entscheidungschwachen und den Interessen der Krankenkassen hörigen Gutachter veranlaßt nun mich und meinen Patienten über Alternativen nachzudenken. Weil Herr Alexander B. über wenig Geld verfügt, kommt die komplette Privatbehandlung auf Normalniveau leider nicht in Frage.

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Bild 8

Aber: Der Schlechtachter R. hat immerhin von den 4 Schneidezähnen hier einen einzigen (im Bild der linke mittlere Schneidezahn = 11) für gutachterlich überkronbar erklärt. Darauhin beschließen wir, diesen Zahn der DAK jetzt mit der Brechstange in den Rachen zu schieben und die anderen 4 absolut notwendigen Kronen auf Privatbasis und Chinaherstellung (= niedrige Materialkosten) zu erstellen.

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Bild 9

Im April 2010 ist es dann endlich soweit, dass Herr A.B. von seinem 400 Euro Job sich die 1.000 Euro für 4 private Chinakronen abgespart hat und ich die Arbeit einbauen kann.

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Bild 10

Die Bilder hier entstehen übrigens im September 2010, also 5 Monate nach Einbau der Kronen. Vergleichen Sie als Leser selbst die Zustände in den Fotos 1 bis 13 mit denen in den Fotos 9 bis 11. Natürlich sehe auch ich, dass die Farbe der Kronen alles andere als natürlich wirkt, aber im direkten Vergleich hat sich Erhebliches verbessert.

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Bild 11

So ziemlich alles, was der Erstgutachter Dr. M.S. im August 2008 schriftlich von sich gegeben hat, läßt sich anhand der Bilder 9 bis 16 widerlegen. Schauen Sie sich hier die Krone auf Zahn 24 an, welcher der Zahn hinter dem Eckzahn ist. Angeblich reicht die Hartsubstanz des Zahns nicht zum Befestigen einer Krone. Meine Krone auf 24 hat nun 5 Monate unfallfrei hinter sich gebracht, der Zahn lebt – mit Kälte- und Klopfprobe geprüft – und ich sehe keinen Grund, was sich daran in den nächsten Jahren ändern sollte.

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Bild 12

Gleiches gilt für den ganz übel gefüllten Zahn 37, welches der vorletzte in diesem Bild ist. Im Mai 2008 erhielt dieser Zahn eine Füllung aus Ketac molar (= Glas Ionomer Zement) ohne irgendeine Chemie darunter. Der Zustand des Zahns vor der Füllung ist im Röntgenbild 15 ersichtlich: die Pulpa ist praktisch offen, bevor (!) ich überhaupt etwas getan habe. Und Bild 16 gibt die Situation heute wieder.

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Bild 13

Auch dieses Spiegelfote vom 37 ist aktuell aus dem September 2010. Man sieht in erster Linie nur Zement und einen viel zu kurzen Schmelzrand ringsum, der auch innen/hinten beschädigt ist.

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Bild 14

Das dritte aktuelle Foto vom Zahn 37. Die 2 Jahre alte GlasIOnomerZement Füllung tut was sie soll: sie ist dicht, der Zahn rührt sich überhaupt, macht keinerlei Symptome und ist 100% sicher lebendig. Hätte ich vor 2 Jahren entweder a) Kunststoff eingesetzt oder hätte b) tiefer gebohrt, wäre der Zahn 37 heute nicht mehr am Leben.

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Bild 15

Aufnahme vom April 2008 vor der Behandlung der beiden Zähne 37 und 38 mit Ketac Molar (Glas Ionomer Zement), Beide Zähne sind kariös zum Pulpendach zerstört, aber leben beide und verursachen bis dahin noch KEINE Schmerzen.

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Bild 16

Röntgenbild vom September 2010 von den Zähnen 37 und 38. Klar erkennbar ist die Ketac Molar Füllung im 37 (Zahn in der Mitte) mit demineralisierter Dentinschicht unmittelbar darunter (= dunkler Bereich = Restkaries) und die apikale Unversehrtheit (= keinerlei Entzündung der Wurzelspitze).

 

Kommentar

Der Fall Alexander B. ist leider nur die Krönung einer Reihe von Bevormundungen durch Gutachter, die sich um ihre Bezeichnung nicht verdient machen. Tendenziell wollen bestimmte Gutachter mich als Behandler dazu zwingen,

  • a) mehr Zähne zu ziehen
  • b) riskantere und durch wissenschaftlich keinerlei Beweise mehr gedeckte Behandlungen von tiefer Karies vorzunehmen
  • c) womöglich noch eine Kieferorthopädie bei völlig mittellosen Patienten anzufangen
  • d) Wurzelbehandlungen auch dann zu revidieren (zu erneuern), wenn nach meiner 24-jährigen Berufserfahrung keinerlei Gefahr einer bakteriellen Entzündung der Wurzelspitze besteht (z.B. bei Überstopfung).

Stellen wir uns jetzt einfach mal vor, dass es sich beim Alexander B. um ein Kind des Gutachters Dr. M.S. handeln würde. Glaubt irgend jemand, dass das Gutachten auch nur annähernd so negativ ausgefallen sein würde? Die mangelnde Mundhygiene wäre Meister S. erst gar nicht als Argument eingefallen, den Zahn 24 hätte auch er nicht leichten Herzens bei einem 23-Jährigen geopfert und die Worte Extraktion 11, 21 – immerhin die beiden großen mittleren Schneidezähne – wären nie geschrieben worden.

 

Fachlich will ich nur eine Frage herausgreifen, die beide Gutachter nicht nach aktuellem Sachstand, sondern veraltetem Schulwissen durchpauken wollen: Wie sollte Tiefstkaries im Jahr 2010 fachgerecht behandelt werden? Betrachten Sie als Nichtfachmenschen dazu das Röntgenbild im Bild 15. Der linke der beiden Zähne befindet sich in einem Zustand der Tiefstkaries, d.h. dass nur noch ein Hauch von halbgesundem Dentin (= Zahnbein) zwischen dem Mundmilieu und der offenen Pulpa (= Zahnnerv) steht. Kommt der Zahnarzt in dieser Situation auf die Idee, mit rotierenden Stahlbohrern die Karies bis ins Gesunde zu entfernen, führt das mit tödlicher Sicherheit zu einer Eröffnung der Pulpa.

Im Artikel Komplette Kariesentfernung ist pulpenschädlicher als die Teilbelassung können Sie nachlesen, dass der medizinische Olymp in Form der Cochrane Gesellschaft festgestellt hat, dass nach allen weltweit vorliegenden Daten die Teilbelassung von etwas Karies sich langfristig besser auf den Zahnerhalt auswirkt als die komplette Kariesentfernung. Warum und wieso Kurzfassung: eine nicht eröffnete Pulpa hat erheblich bessere Überlebenschancen auch mit teilbelassener Karies darüber, vorausgesetzt die Deckfüllung dichtet gut gegen das Mundmilieu ab.

Offensichtlich kennen beide Gutachter die neuere EBM (auf Beweisen beruhende Medizin) Literatur nicht. Das kann aber doch für mich kein Argument sein, blind den Anweisungen von fehlgeleiteten „Vorgesetzten“ entgegen zu nehmen und auszuführen, oder was? Ausweislich der letzten Untersuchung des Patienten im September 2010 sind alle von mir mit Restkaries kurz vor der Pulpa belassenen Zähne nach mehr als 2 Jahren noch am Leben und klinisch völlig unauffällig (bezüglich Kälte- und Klopftest). Am Beispiel des Zahns 37 (Bilder 6, 12, 13, 14, 15 und 16) ist das exemplarisch dargestellt. Diese Erfolgsbilanz wäre mit einer klassischen Kariesentfernung „bis ins Gesunde“ völlig undenkbar, weil jede eröffnete Pulpa die langfristige Überlebenschance derselben auf gerade mal 20 Prozent (!) senkt. *)

Was die Krankenkasse und zwei mir vor die Nase gesetzte Gutachter in diesem Fall abliefern, ist nichts weniger als ein Skandal. Das gilt fachlich aber noch viel mehr menschlich. Der Schalterbeamte der DAK hätte lediglich einen Blick auf die Schneidezähne des eigenen Mitglieds werfen müssen, um zu spontan zu wissen, dass hier zügig etwas passieren sollte. Aber nein, Besserwessi DAK Beamter setzt noch einen drauf und gibt das schlechte Gutachten Nummer 1 unnötigerweise an den Gutachter 2 weiter, damit der – aus Sicht der Kasse – auf „keine dummen Ideen kommt“, z.B. die Kronen einfach zu unterschreiben.

Fazit: Die Verschwendung von Krankenkassengeldern durch zu üppige Schleifpläne von Zahnärzten auf der Suche nach Arbeit durch Gutachten zu behindern, ist eine wichtige Kassentätigkeit, ohne Zweifel. Aber einem mittellosen jungen Menschen jahrelang unter gezielter Einschaltung bekannt schwieriger Gutachter in böser Absicht  den Kassenzuschuß zu vergleichsweise bescheidenen 5 Kronen vorzuenthalten, bis er aufgibt und sich das Geld vom Mund abspart, das ist etwas anderes. Das nenne ich eine Sauerei.

*) Literaturnachweis hier im Blog unter Suchwort Bergenholtz   zu finden

16 Replies to “DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen”

  1. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Das ist ja alles wunderbar gemacht worden, aber es scheint hier in ZWEI JAHREN nirgendwo eine Zahnsteinentfernung gemacht worden zu sein, ZAHNSTEINENTFERNUNG,
    die ja immerhin einmal jährlich von der Kasse bezahlt wird.
    D.h. dieses Gebiß verrottet immer weiter, und die nächsten vier Plomben sind bald fällig. Sieht auch wirklich gut aus, weiße Plomben und gelbe Zähne. Hoffentlich hat er schon angefangen zu sparen.

  2. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Lieschen Müller, nichts für ungut, aber sind Sie sicher, dass bei Ihrer letzten Zahnsteinentfernung nicht etwas Hirnentfernung passiert ist? VG Joachim Wagner

  3. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Bei der DAK sind solche Sachverhalte normal,
    ich kenne das auch von einigen die mit der DAK Probleme haben.
    Bei der Zahnsanierung soll die DAK die schlechtesten Kritiken haben.

  4. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    ich kenne ein Fall da beruft sich die DAK bei einem Zahnfall auf den MDK.
    Hat aber die Unterlagen und Arztbefunde dem MDK zur Prüfung und Beurteilung überhaupt nicht vorgelegt.

    Führt damit alle hinters Licht

  5. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    An Herrn Wagner:

    welche langfristige Prognose haben die Schneidezähne ? Die beschliffenen Stümpfe sehen schon ziemlich übel aus. Kann das noch 10 oder 20 Jahre halten bis die Zähne raus müssen ?

  6. SHG N-FUE
    [quote name=“Joachim Wagner“]Lieschen Müller, nichts für ungut, aber sind Sie sicher, dass bei Ihrer letzten Zahnsteinentfernung nicht etwas Hirnentfernung passiert ist? VG Joachim Wagner[/quote]

    Natürlich geht es immer noch etwas peinlicher.

    Meine Güte.

    H. P.

  7. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Die hier vorgestellte Bisssituation ist in jeder Hinsicht katastrophal. Aus zahnmedizinischer Sicht ist nach meiner Meinung die Entscheidung der Gutachter für eine Gesamtplanung korrekt. Aus diesem Grunde hätte bei der KK Antrag auf Kostenübernahme der im Gutachten indizierten Behandlungsmaßnahmen gestellt werden können. Insofern hätten dann bei negativem Verlauf des Instanzenweges beste Aussichten zur Kostenübernahme durch die KK bei einem sozialgerichtlichen Verfahren bestanden. Dies gilt auch für eine kieferorthopädische Therapie. Ob eine Therapieplanung in alleiniger Orientierung an die monetäre Situation des Pat. anstelle der gebotenen Behandlungsmaßnahmen dauerhaft zum Erfolg führt,wage ich angesichts der bestehenden gravierenden Gesamtbefundlage zu bezweifeln.

    Ich wünsche allen Mitpostern, -lesern und Herrn Wagner ein erfolgreiches, glückliches und vor allen Dingen gesundes neues Jahr. 🙄

    MfG Ertl

  8. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    [quote name=“Ertl“][..]
    – Dies gilt auch für eine kieferorthopädische Therapie.
    – Ob eine Therapieplanung in alleiniger Orientierung an die monetäre Situation des Pat. anstelle der gebotenen Behandlungsmaßnahmen dauerhaft zum Erfolg führt,wage ich angesichts der bestehenden gravierenden Gesamtbefundlage zu bezweifeln.
    [..][/quote]
    – Ist es denn so, dass die Krankenkasse eine Kieferorthopädie übernimmt? Soweit ich weiss, muss das selber bezahlt werden. Oder gibt es da Ausnahmen?
    – Mag ja sein, dass eine kieferorthopädische Behandlung hier angezeigt wäre. Aber, was nützt die schönste Therapieplanung, wenn sie nicht bezahlt werden kann?
    – Erschwerend kommt hinzu, dass der Gutachter in seiner Gesamtplanung nicht nur Kieferorthopädie vorgeschlagen hat, sondern auch das Rausreißen einiger Zähne!!! Das hätte der Patient dann dulden müssen.

  9. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Summasummarum wäre also der junge Mann mit dieser Variante des Gutachters (Kieferorthopädie und Zähne rausreißen) insgesamt nicht gut beraten gewesen. Zumal er mit seiner Bissituation keinerlei Probleme hatte, sondern lediglich mit seinen Frontzähnen. Und gerade die wollte der Gutachter rausgerissen haben. Und was ist dann mit den Riesenlücken? Klappergebiss für einen mittellosen jungen Mann?

  10. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    [..][/quote]
    – Ist es denn so, dass die Krankenkasse eine Kieferorthopädie übernimmt? Soweit ich weiss, muss das selber bezahlt werden. Oder gibt es da Ausnahmen?
    – Mag ja sein, dass eine kieferorthopädische Behandlung hier angezeigt wäre. Aber, was nützt die schönste Therapieplanung, wenn sie nicht bezahlt werden kann?
    – Erschwerend kommt hinzu, dass der Gutachter in seiner Gesamtplanung nicht nur Kieferorthopädie vorgeschlagen hat, sondern auch das Rausreißen einiger Zähne!!! Das hätte der Patient dann dulden müssen.[/quote]

    Die KK übernimmt die Kosten einer Kieferotthpädischen Behandlung wenn der MDK oder Gutachter das befürwortet.
    Aber um Platz im Kiefer zu bekommen, damit der Biss korregiert werden kann, müssen da leider oft auch der Verlust von Zähnen in Kauf genommen werden.

  11. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    [quote name=“melanie“]Die KK übernimmt die Kosten einer Kieferotthpädischen Behandlung wenn der MDK oder Gutachter das befürwortet.

    – Aber um Platz im Kiefer zu bekommen, damit der Biss korregiert werden kann, müssen da leider oft auch der Verlust von Zähnen in Kauf genommen werden.[/quote]

    In dem vorliegenden Fall wären aber die Riesen-Lücken durch mutwillig herausgerissene Zähne nicht kieferorthopädisch zu schließen gewesen!!!

    Der Sinn und Zweck eine KFO kann ja nicht als Vorbedingung stellen, sinnlos Zähne zu ziehen und jemand damit zum Prothesenbesitzer zu machen.

    Darin liegt ja der eigentliche Skandal dieses Falles, dass der Gutachter fürs Zähneziehen plädiert, was wider jede Vernunft ist.

  12. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Lieber Sven, liebe Melanie,
    grundsätzlich ist zu erwarten, dass die KK die Kosten für eine Gesamtplanung nicht auf freiwilliger Basis übernimmt. So stellt sich zunächst die Frage, ob der junge Mann überhaupt willens wäre, eine aufwenige und erwartungsgemäß langwierige Therapie als auch ein Sozialgerichtsverfahren auf sich zu nehmen.
    Dass keine Probleme mit der bestehenden Befundsituation bestehen, glaube ich nicht. Wenn ich von einer Gesamtplanung spreche, so bedeutet dies nicht im gleichen Zuge, dass ich die vorgeschlagenen Extraktionen befürworte. Ein eigener Zahn sollte mit allen sich bietenden Optionen erhalten bleiben.

    Im vorliegenden Fall könnte ich mir jedoch vorstellen, dass man hier vor einer Planung eine interdisziplinäre Abklärung, ggf. auch Therapie auf Universitätsebene hätte veranlassen können. Eine therap. Aufklärung zur Entscheidungsfindung des Pat. muss stets die med. Erfordernisse, sowie die Für und Wider darstellen.

    MfG Ertl

  13. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    „So viel Unmenschlichkeit“

    Ein Leserkommentar zu einem Artikel in der Bildzeitung.
    http://www.bild.de/geld/wirtschaft/zahnarzt/explodierende-kosten-besuch_beim-zahnarzt-wird-zum-luxus-18354744.bild.html#ugcElement

    Digimausschrieb:
    14.06.2011, 16:37 Uhr
    @LarsTw + @GeminiStar – das mit dem „Maul“…sorry – habe bei verdeckter Recherche doch so die eine oder andere Bemerkung von Zahnärzten über ihre Patienten übernommen…Dass absichlich falsch behandelt wird, um eine kostenintensive spätere Sanierung sicherzustellen, beobachte ich seit mehr als 30 Jahren. Es wird mit einem unglaublichen Geschick gehandelt, und ein „normaler“ Zahnpatient bekommt das natürlich nicht mit. Das ist ja das Unfassbare! So viel Unmenschlichkeit – und alles unter den Augen des Staates.

  14. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    [quote name=“Ertl“]Lieber Sven, liebe Melanie,
    grundsätzlich ist zu erwarten, dass die KK die Kosten für eine Gesamtplanung nicht auf freiwilliger Basis übernimmt. So stellt sich zunächst die Frage, ob der junge Mann überhaupt willens wäre, eine aufwenige und erwartungsgemäß langwierige Therapie als auch ein Sozialgerichtsverfahren auf sich zu nehmen.
    [..][/quote]
    Nachdem die Zähne mit Kronen versorgt und erhalten wurden, gibt es diese Möglichkeit einer Gesamtplanung ja immer noch, sofern der Patient den Wunsch hat. Wir wissen ja nicht, was dazu besprochen wurde, es ging ja um die Situation, dass er mit dieser notwendigen unaufschiebbaren Versorgung mit Kronen im Regen stehen gelassen wurde.

  15. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    Man löst aber das Problem nicht damit,dass die Gutachter, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als die alleinigen Buhmänner hingestellt werden. Die Rechtslage bestimmt eine lege artis Behandlung immer aus der Sicht der Gesamtplanung. Dazu muss man auch wissen, dass die dazu erforderlichen Maßnahmen von den KK mitunter gar nicht finanziert werden. Kassenzahnärztliche Gutachten stellen häufig einen Spagat zwischen dem Hintergrundwissen des Gutachters und seinem Auftraggeber KK dar. Wo erfahre ich also als Pat., was für mich persönlich richtig ist?
    Von der KK bestimmt nicht, vom k-ärztl. Gutachter möglicherweise auch nicht. Früher hat die KK die Kosten für Langzeitprov. übernommen, was in diesem Falle möglicherweise auch denkbar gewesen wäre.
    Was hier mit dem Behandler vom Umfang her besprochen wurde, das wissen wir natürlich nicht, sonst würden wir hier auch nicht diskutieren. Trotz alledem ist m. E. der Bericht zu wenig objektiv dargsestellt.

  16. RE: DAK und 2 Gutachter lassen arbeitslosen Jugendlichen mehrfach vor die Wand laufen
    [quote name=“Ertl“]Man löst aber das Problem nicht damit,[..]
    Früher hat die KK die Kosten für Langzeitprov. übernommen, was in diesem Falle möglicherweise auch denkbar gewesen wäre.
    [..][/quote]
    Was nützt dem jungen Mann, was ihm „früher“ die Krankenkasse genehmigt hätte, wo sie ihm „heute“ nicht mal die fälligen Kronen genehmigt und über einen Gutachter abgeschmettert hat.

    Man kann sich lange Gedanken über alle möglichen Maßnahmen machen, wenn das aber unerreichbar ist, weil es nicht realisiert werden kann, ist das müßig.

    Dass das alles andere als optimal ist, wissen wir alle. Aber unser Gesundheitswesen ist nun mal so kaltschnäuzig geworden.
    Wer besser gestellt ist, hat da andere Möglichkeiten. Wer schlecht gestellt ist, hat Glück gehabt, wenn er an einen Zahnarzt gerät, durch den er mit gesunden und ansehnliche Zähnen durchs Leben gehen kann.

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