Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Geschwafel

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Wenn ich eins nicht leiden kann, dann sind das Leichtforscher, die ihre sachliche Unkenntnis hinter einer hochgestapelten Blende von ausgesucht unverdaulichem Medizinerlatein verbergen wollen und glauben, damit ungeschoren durchzukommen. Ich überlasse es der Intelligenz meiner Leserinnen und Leser, zu entscheiden, welche der beiden nachfolgend zitierten Zusammenfassungen unter die Abteilung Wissenschaft bzw. Geschwafel fällt.

 

Zitat

 

Medizinische Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Klinik der Neurologie 

Fazilitierung  [= Erleichterung, Ermöglichung der Funktion] der  Neurone  im  spinalen [= im Rückenmark] trigeminalen  Nucleus,  die  für  den  zentralen Migränekopfschmerz, nicht aber für den peripheren Schmerz der Sinusitis [= Kieferhöhlenentzündung] spezifisch ist

Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Medizin von Britta Oster, Tag der mündlichen Prüfung:     21.10.2008

Zusammenfassung 

Gegenstand der vorliegenden Arbeit war es, die trigeminale Nozizeption und dessen Ursprung  bei Migräne zu untersuchen. Als Erstes stellten wir uns die Frage, ob es einen Unterschied der  Ergebnisse  zwischen  der  Standard-Blink-Reflex-  und  der  nozizeptiven  Blinkreflex  (nBR)-  Ableitung  gibt.  Auf  diesen  Erkenntnissen  aufbauend  interessierte  uns,  ob  die  trigeminale  Nozizeption  nur  bei  zentralem  Ursprung  oder  auch  bei  peripherem  Ursprung,  wie  bei  der  Sinusitis, verändert ist. Die trigeminale Schmerzverarbeitung wurde mittels des nozizeptiven  Blinkreflexes  (nBR)  erfasst,  einer  neuen  Methode,  die  in  der  Universitätsklinik  Essen  etabliert wurde. Hierbei kam die neue konzentrische Stimulationselektrode zum Einsatz, die  dank  der  konzentrischen  Geometrie  in  der  Lage  ist,  selektiv  die  kutanen  Schmerzfasern  zu  stimulieren, ohne die tiefer liegenden nicht–nozizeptiven Fasern mitzuerregen. Daher ist der  nBR  schmerzspezifisch  und  ist  in  Bezug  auf  Veränderungen  des  trigeminalen  Systems  sensitiver, als der Standard-Blink-Reflex. Zunächst untersuchten wir die Migräne mit streng  einseitigen   Attacken   an   siebzehn   Patienten   während   einer   akuten   Attacke,   nach  medikamentöser  Behandlung  mit  1g  Aspirin  intravenös  (i.v.)  oder  5mg  Zolmitriptan  per  os  (p.o.),  sowie  interictal.  Die  Blinkreflex-Antworten  nach  der  Standard-Stimulation  waren  während  der  akuten  Migräneattacke,  nach  der  medikamentösen  Behandlung  und  interictal  unverändert. Im Gegensatz dazu fanden wir eine Fazilitierung der nozizeptiven Blinkreflex- Antworten  während  der  akuten  Migräneattacke  und  zwar  auf  der  Kopfschmerzseite.  Die  Beginnlatenzen  waren  signifikant  kürzer  auf  der  Kopfschmerzseite,  als  auf  der  Nicht- Kopfschmerzseite  (44,3  ±  5,4ms  auf  der  Kopfschmerzseite,  48,9  ±  5,8ms  auf  der  Nicht- Kopfschmerzseite).  Die  Fläche  unter  der  Kurve  (area  under  the  curve,  AUC)  der  R2  Antworten    war    auf    der    Kopfschmerzseite   um   680%   gesteigert,   auf   der   Nicht- Kopfschmerzseite  um  230%.  Diese  Fazilitierung  konnte  durch  die  Gabe  von  Aspisol,  beziehungsweise Zolmitriptan, deutlich gehemmt werden. Es kam zu einer Verzögerung der  Einsatzlatenzen (Zolimitriptan: 48 ± 8,2ms auf der Kopfschmerzseite, 52,3 ± 7,6ms auf der  Nicht-Kopfschmerzseite; i.v. Acetylsalicylsäure: 48,0 ± 5,0ms auf der Kopfschmerzseite, 51,2  ± 5,6ms auf der Nicht-Kopfschmerzseite), sowie zu einer reduzierten AUC der R2-Antwort  um 45% (Zolmitriptan) und um 48% (Aspirin). Im Migränefreien Intervall normalisierte sich  die  Fazilitierung  wieder  komplett.Um  diese  Fazilitierung  weiter  hinsichtlich  ihres  zentralen  oder  peripheren  Ursprungs  zu  untersuchen,  verglichen  wir  nun  anhand  des  nBR  vierzehn  Patienten mit einer akuten Migräneattacke mit vierzehn Patienten mit einer akuten einseitigen  Sinusitis.  Bei  der  Sinusitis  handelt  es  sich  um  einen  vergleichbaren  starken  Kopfschmerz,  welcher  nach  einer  antibiotischen  Therapie  verschwindet  aber  pathophysiologisch  gesehen  peripher,  also  durch  die  Entzündungsreizung  peripherer  Nozizeptoren  entsteht.  Bei  den  Migränepatienten zeigte sich erneut die Fazilitierung der nBR Antworten während der akuten  Migräneattacke   auf   der   Kopfschmerzseite   (Beginnlatenzen:   44,3   ±   5,4ms   auf   der  Kopfschmerzseite, 48,9 ± 5,8ms auf der Nicht-Kopfschmerzseite; Steigerung der AUC der R2  Antworten auf der Kopfschmerzseite um 680%, auf der Nicht-Kopfschmerzseite um 230%).  Diese  Veränderung  konnten  wir  bei  den  Sinusitispatienten  nicht  nachweisen.Somit  konnten  wir auch mit dieser Untersuchung eine Fazilitierung nur bei der Migräne, aber nicht bei der  Sinusitis, belegen.

 

 


 

Springerlink, Manuelle Medizin Volume 48, Number 2, 112-124

Kraniomandibuläre Dysfunktion, assoziierte Heterophorie und auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen
Differenzialdiagnosen der Tonusasymmetrie und der sensomotorischen Dyskybernese

W. von Heymann, A. Köneke and F. Gorzny

Zusammenfassung

Sensomotorische Entwicklungsstörungen bei Kindern aufgrund peripherer Dysfunktionen lassen sich mit einem motokybernetischen Test identifizieren und durch manuelle Medizin behandeln. Bei verzögertem Verlauf ist an Differenzialdiagnosen zu denken, die sich aus Konvergenzreaktionen im Stammhirn ergeben. Im Prinzip sind alle Hirnnerven an der Steuerung der Wirbelsäule beteiligt. Besonders intensiv und häufig erfolgen diese Konvergenzen über den Vestibulariskernkomplex und die spinalen Trigeminuskernabschnitte. Besonders häufig sollten daher die kraniomandibulären sowie die optischen Noziafferenzen differenzialdiagnostisch geprüft werden, gelegentlich auch die auditiven. Die anatomisch-neurophysiologischen Zusammenhänge im Bereich des Hirnstamms werden erläutert, die Diagnosen und Therapien wie auch ein Vorschlag für eine Differenzialdiagnostik gegenüber den peripheren Funktionsstörungen des Achsenorgans werden beschrieben. Die Autoren beziehen sich dabei auf Beobachtungen an Patienten aus ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit.

 

Zitat Ende

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