Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch

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Nicht ganz zufällig sah ich die Mutter des Falles von Warum eine Ex-Patientin 390 km aus dem Schwäbischen anreist wenige Tage nach ihrer Tochter ebenfalls zur Bildung einer Zweitmeinung. Die Patientin sorgte sich um ihr Zahnfleisch und der derzeitige Behandler versuchte sie mit einer sogenannte „Mu“ (= Mundbehandlung), also der Verteilung von etwas Salbe, abzuspeisen. Meine Taschenmessung ergab Taschentiefen bis 7 mm, besonders am 12, und somit eine behandlungsbedürftige Parodontitis.

Das aber nur am Rande. Die hier eingestellten Bilder zeigen so schön deutlich die typische Biss Situation des herausnehmbar bestückten Knirschers, dass ich sie meinen Lesern nicht vorenthalten wollte.

 

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Bild 1

Von vorne wird bereits erkennbar, dass alle Schneidekanten verstärkte Abnutzungsspuuren zeigen.

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Bild 2

Ausnahmslos alle Seitenzähne rechts haben bei dieser Patientin nicht nur keinen Kaukontakt, nein, sie haben sogar  soviel Luft zwischen sich, dass ein Toastbrot beim Zubeißen kaum Schaden nehmen würde. Nicht eingerechnet ist dabei der zusätzliche Platz, der sich noch zwischen der unteren Prothese und dem Kiefer auftut. Insgesamt dürften rechts wohl satte 3 mm Höhe hohl liegen, was im Mund einer halben Geschoßhöhe entspricht.

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Bild 3

Die linke Seitenzahnreihe scheint etwas dichter zusammen zu beissen. Aber auch hier fehlt zwischen den 6-er und 7-er Backenzähnen mindestens ein voller Millimeter. Nur zur Erinnerung: 1 Millimeter sind gleich 1 Tausend Micrometer. Und in Micrometern mißt der Gnathologe seine Bissausgleichs Kunstwerke, egal ob es um Schienen, Einschleifaktionen auf richtigen Zähnen, oder Hochleistungs Zahnschmieden Erzeugnisse für die „Rehabilitation des stomatognathen Systems“ (= Überkronungen von Ohr bis Ohr wegen angeblich notwendiger Bissänderungen) geht.

 

Frau H.K. (62) antwortete auf die Frage, ob sie jemals unter Schmerzen ihrer Kiefergelenke, also des Gebietes dicht vor ihren beiden Ohren, gelitten habe, so wie alle meine „Biss der Woche“ Kandidaten: „Nein, nie“. Mich (Joachim Wagner, Zahnarzt) wundern diese Antworten schon lange nicht mehr, sondern nur noch die Geduld der meisten zahnmedizinischen Kollegen/innen, sich von nichtwissenden Theoretikern immer noch andächtig das Gegenteil anzuhören – und zu glauben.

Angeblich soll ja diese „distal nicht abgestützte“  Situation zu einer „Kompression“ (= Zusammendrücken) im Kiefergelenk führen, die – so sagt der Katechismus dieser Glaubenslehre – dann direkt in eine CMD mündet. Kurz gesagt: fehlende Backenzähne sind laut bestimmten, heute immer noch meinungsführenden, Herrschaften in der deutschen Lehre der zahnärztlichen Prothetik, der direkte Weg zur CMD.

 

Frau H.K. (62) ist dafür die Ohrfeige Nummer 43 in zahnfilm.de. Ich wiederhole mich an dieser Stelle immer wieder gerne:

  • a) Es gibt keine empirischen (= in der freien Wildbahn gewonnene) Beweise, dass das Kiefergelenk bei fehlender distaler Abstützung wirklich zusammengedrückt wird
  • b) Es gibt keine empirischen Beweise, dass Menschen mit fehlenden Seitenzähnen mehr unter CMD leiden, als Vollbezahnte.
  • c) Hingegen gibt es in meinem zahnfilm.de sehr wohl fotografische Beweise, dass Knirscher einen schleimhautgestützten (= herausnehmbaren) Zahnersatz in kürzester Zeit „hohlbeißen“. Das bedeutet, dass die immer wieder geforderte häufige Unterfütterung bei diesen Patienten nur die Eigenschädigung des Knochens beschleunigen würde.
  • d) Die zuständigen wissenschaftlichen Gremien befassen sich seit Jahrzehnten absichtlich nicht mit diesen Fragestellungen, weil ihnen klar ist, dass bei einer auch nur halbwegs angemessenen Würdigung dieser Zusammenhänge sehr viele Dogmen der zahnärztlichen Prothetik in Frage gestellt werden müßten.

14 Replies to “Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch”

  1. RE: Biss der Woche 15 Mutti knirscht auch
    Hallo Herr Wagner, die Art und Weise wie Sie wieder Ihre Schlussfolgerungen im Hinblick auf Cmd ziehen, zeigt doch mehr als deutlich, dass Sie von Cmd, mit Verlaub gesagt, so viel Ahnung haben wie eine „Kuh vom Seiltanz“. Wenn Ihnen 1000 Patienten erzählen würden, dass sie nach unsachgemäß gefertigten prothethischen Maßnahmen Cmd-Probleme hätten und dies ggf. durch eine eindrückliche Okklusionsstörungen unter Beweis stellen würden, dann wäre dies für Sie unglaubwürdig und kein einziges Foto wert. Dass Sie nun die Arbeit Ihres Kollegen, die abgesehen von einer wenig ansehlichen „Krauthagltechnik“ funktionell insuffizient ist, als ordnungsgemäß darstellen ist mehr als verwunderlich. Fragt sich nur, ob die Knirscherei der Pat. unter diesen Umständen den noch kontaktierenden Zähnen den Rest verpasst. Welch ein Glück für die diejenigen Zahnärzte, die es mit die handwerklichen Genauigkeit locker halten, dass es keine Studien über proth. induzierte Cmd gibt.

    Gruß Ertl

  2. RE: Biss der Woche 15 Mutti knirscht auch
    Meine liebe Frau Ertl, dass Sie die CMD Ideologie unserer Altvorderen auswändig gelernt haben und daran stärker glauben, als an die Deutsche Bank, das sehe ich Ihnen nach. Schließlich haben Sie selber keine Möglichkeit, den Blödsinn auf ihren Wahrheitsgehalt hin in der Wirklichkeit zu prüfen. Ich hingegen schaue mir richtige Hardcore (HC) Knirscher jeden Tag an. Und führe fast jeden Tag (!) Behandlungen wie diese http://zahnfilm.de/af/index.php?option=com_content&view=article&id=649:einbeiss-quickie&catid=1&Itemid=100006 durch. Ich lasse mir diesbezüglich keinen mehr vom Pferd erzählen und schon gar nicht von Gnatholegen, die seit Jahrzehnten nur noch im eigenen Saft schmoren und keinerlei Interesse mehr an neuerer und objektiver Forschung haben.

    Frau Ertl, wachen Sie doch auf. Die Zeit der Dapprichs, der Gregor und Rudolf Slaviceks und ähnlicher „Meinungsmacher“ ist abgelaufen. Wir können heute ins Hirn schauen bei TMD (CMD) – und sehen auch was! Aber nicht den Zahnmechaniker Unsinn der 70-er Jahre. Viele Grüße Joachim Wagner

  3. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    Mein lieber Herr Wagner, meine Meinung beruht auf meiner eigenen Erfahrung und diese war da, bevor ich um das Wort Cmd überhaupt wusste. Ihnen fehlt durch Ihre grundsätzliche Aversion gegen Cmd-Behandler und -patienten die nötige Neutralität für das komplexe Thema. Ihr „Blick ins Gehirn“ sagt nicht, ob zuerst die Henne oder das Ei da war. Medizin ist sehr viel komplizierter als Ihre bevorzugte Reduktion auf Psychiatrie und ggf. noch etwas Neurologie. Auch Ihre langjährige Praxiserfahrung sagt Ihnen im Hinblick auf Cmd gar nichts, weil Ihre Gehirnstruktur das Thema nur im negativen Sinne wahr nimmt und Sie diesbezügliche Äusserungen eines Patienten ohnehin nur in Abrede stellen würden. Übrigens müsste man dann bei der Thematik ohnehin schon differenzieren, welche Ursache den Problemen zugrunde liegen. Mit Knirschern habe ich in der Tat keine Erfahrung; aufwachen muss ich beim Thema Cmd allerdings nicht, eher wohl Sie.
    Frohe Ostern!

  4. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    Hallo Manuela, auf der von Ihnen genannten Internetseite eines Kollegen finde ich ebenfalls nur veraltete Glaubenssätze der Gnathologie. Träumen Sie also ruhig weiter vom wissenschaftlich fortgebildeten Zahnarzt. In der Zwischenzeit schaue ich mich lieber bei http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?term=tmd = Medline (= englisch sprachige Datenbank für aktuelle wissenschaftliche Forschungsarbeiten z.B. über Temporo Mandibular Disorder) um. Viele Grüße Joachim Wagner

  5. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    hallo, ich beschäftige mich schon länger mit biss-und zahnstellungen. hier meine bescheidene meinung: dass die „mutti“ keine kiefergelenksbeschwerden hat, wundert mich nicht. die stellung ihres UK- rechts von der zentrierung- ist die häufigste, natürliche, mir bekannte. die „waagrechte“ ihres kiefergelenks stimmt also noch, ebenso die zahnstellung auf ihrer prothetik. mit der höhe-„senkrechten“ habe ich meine zweifel, daher vielleicht das knirschen. es wäre einen versuch wert die höhe der backenzähne mit farbigem kunststoff auszugleichen. falls die patientin dann nicht mehr knirscht, so lassen. sonst kunststoff wieder ab. wie gesagt, meine bescheidene meinung. trotzdem sehe ich keinen grund mit diesem beispiel der „mutti“ CMD, TMD, TMJD oder SADAM (oder wie man das kind auch nennen mag) irgendwie in frage zu stellen. patienten, die grosse beschwerden wegen zahnfehlstellungen oder prothetik haben, müssen ernst genommen und behandelt werden.
    lg

  6. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    Herr Wagner, da stimme ich sogar in Teilbereichen mit ihnen überein. Ein paar fehlende Zähne werden keine CMD verursachen, denn auch früher haben Menschen ohne den „modernen“ Zahnersatz ein gesegnetes Alter ohne CMD erreicht. Die Ursachen liegen eben gerade in der falsch geänderten Okklusion durch Zahnersatz. Mich verwundern die fehlenden medizinischen Kenntnisse, wenn nicht auffällt wie krankhaft verändert das Zahnfleisch auf den Fotos aussieht. Haben Sie Frau H.K. einmal gefragt unter welchen sonstigen Krankheiten und Beschwerden sie leidet? Und Sie haben sogar erkannt, dass sich „wissenschaftliche Gremien“ nicht mit unliebsamen „Dogmen“ befassen, höchstens wenn sie dazu gezwungen werden. Die Patienten, die es betrifft, haben leider nicht die medizinische Kenntnis sich entsprechend gegen solche Fehlbehandlungen zu wehren oder gegen solche „Dogmen“ zu wehren.

  7. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    Fortsetzung……
    Und wenn sich „wissenschaftliche Gremien“ mit unliebsamen Dogmen befassen, dann muss man noch an der Aufrichtigkeit und Lauterkeit zweifeln, ob Erkenntnisse nicht so hingebogen werden, wie man das gerne haben möchte (siehe z.B. Amalgam). Im Grund beschreiben Sie hier doch selbst die Missstände in ihrer Standesorganisation, die sich bestimmt nicht nur auf ein Teilgebiet projizieren lassen.

  8. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    Es ist immer wieder SEHR lustig, wenn ich hier den Meinungsaustausch verfolge. 😆

    Ich glaube an die psychiatrische Hirnsache. Bin auch gerade in Behandlung bei einem tollen Psychiater.

    Aber wie der Zufall es so will, hat DIESER P. einen Tisch-Tennis-Kollegen, der selbst von CMD betroffen WAR. Er hat seit 30 Jahren auf dem Gebiet geforscht und endlich einen Funktionsregeler für Weichteile im Mund (Muskeln: Lippen, Zunge, Kaumuskulatur) entwickelt und sich von CMD geheilt. SENSATION.

    Weil….CMD ist AUCH muskulo (Muskeln) skelettal (Okklusion) bedingt. Jetzt folgt eine Studie mit einer Schmerzklinik um evidenzbasierte Medizin betreiben zu können.

    Bei schweren Fällen kann er leider nur lindern, aber immerhin. Nicht jeder muss sich also in die Psychoecke schieben lassen.

    Im Zweifelsfall haben eben immer BEIDE Recht. 😡

    Viele Grüße Caroline

  9. SHG N- Fue
    [quote name=“Joachim Wagner“]Meine liebe Frau Ertl, dass Sie die CMD Ideologie unserer Altvorderen auswändig gelernt haben und daran stärker glauben, als an die Deutsche Bank, das sehe ich Ihnen nach. Schließlich haben Sie selber keine Möglichkeit, den Blödsinn auf ihren Wahrheitsgehalt hin in der Wirklichkeit zu prüfen. Joachim Wagner[/quote]

    Als Aufwachlektüre zu empfehlen:

    http://tarzahn.de/Neue%20Faelle/Uni1/Uni1.htm

    http://tarzahn.de/Funktionstherapie/11.%20Beispielhafte%20Faelle/Iatrogene%20Hindernisse%20durch%20Zahnersatz/Migraene.htm

    Good luck. Und Guten Rutsch.

    H. P.

  10. RE: Biss der Woche 18 Mutti knirscht auch
    [quote name=“Manuela“]Hallo Herr Wagner, es bleibt immer wieder die Frage zu stellen, wer Forschung betreibt, wer Forschung bezahlt, was sind die Hintergründe?
    Im Vordergrund stehen „Kosten-Nutzen-Verhältnis im Kontext der unklaren Evidenzlage“.
    http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta256_bericht_de.pdf

    Was den Patienten wirklich hilft interessiert doch kein Schwein.[/quote]

    Eben.

    Diese Schwachmaten suchen Indikationen für Ümsatz. Implantate.

    Was ist die schlimmste Kontraindikation für ein Implantat?

    Ein Zahn.

    Good luck.

  11. SHG N-FUE
    [quote name=“Ertl“]Mein lieber Herr Wagner, meine Meinung beruht auf meiner eigenen Erfahrung und diese war da, bevor ich um das Wort Cmd überhaupt wusste. Was den Patienten wirklich hilft interessiert doch kein Schwein.[/quote]

    Eben.

    Diese Schwachmaten suchen Indikationen für Ümsatz. Implantate.

    Was ist die schlimmste Kontraindikation für ein Implantat?

    Ein Zahn.

    Good luck.

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