So wird systematische Trigeminus Neuropathie Forschung betrieben

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sessleDr. Barry J. Sessle forscht seit 1968 (!) über Erkrankungen des Nervus Trigeminus. Einer der ersten Arbeiten lautete: „Tactile“ stimulus intensity: information transmission by relay neurons in different trigeminal nuclei (auf deutsch: „TaktileReizintensität: Informations- übertragung durch Relais Neuronen in verschiedenen Trigeminuskernen). Knapp 50 Jahre später – im Januar 2012 – ist er immer noch Mitschreiber und Ideengeber bei einer bahnbrechenden Forschungsarbeit in Japan über die Rolle der Microglia (= Nichtnervzellen im Hirn und Rückenmark) bei der Entstehung neuropathischer Schmerzen.

Neue Erkenntnisse

Die Arbeit soll weiter unten noch im Detail gezeigt werden. Für den schnellen Leser fasse ich hier aber schon einmal die wesentlichen Ergebnisse zusammen.

  1. Schneidet man bei Ratten in einer Vollnarkose Operation das dicke Kabel des 3. Astes des Trigeminus etwa in der Gegend des unteren Weisheitszahns mit einem Skalpell glatt durch und legt die Enden wieder genau aneinander, dann wird nach 3 Tagen die Backe des Tieres auf der betroffenen Seite ganz krass überempfindlich. *)  Bei Sham operierten Tieren (Vollnarkose und chirurgische Öffnung des Nervumfeldes, aber keine Trennung) passiert das nicht.
  2. Gibt man nun einem Teil der Tiere das patentfreie Antibiotikum Minozyklin, läßt sich dadurch die Überempfindlichkeit komplett unterdrücken.
  3. Schaut man sich das Stammhirn der Tiere im Bereich der Kerne des Trigeminus an, dann zeigt sich, dass Minozyklin in der Lage ist, die Entzündung der Microglia günstig zu beeinflussen.sessleforsch

Erläuterung zur Grafik: Die X-Achsen (= die nach oben) sind mit „Head withdrawal threshold“ und 0 bis 80 Gramm beschriftet. Das soll bedeuten, dass die Ratten ihren Kopf von einem Berührungsreiz wegbewegen, der die angezeigte Stärke in Gramm überschreitet. Die Grafik E zeigt den Riesenunterschied zwischen Sham operierten Ratten und solchen mit einer Trennung im Unterkiefer Nerv. Die Empfindlichkeit der Backe steigt mindestens um den Faktor 10.  Im Abschnitt G läßt sich erkennen, dass die Ratten +MC (mit Minozyklin) sich von Sham Ratten nicht unterscheiden.

*) Wenn Sie sich fragen, wie es denn sein kann, dass die Backe des Tieres mehr als 10-fach empfindlicher auf Berührung wird, obwohl da „nur“ der Unterkieferast des Trigeminus durchschnitten wurde, dann sind Sie genau am Punkt angelangt: Wie entstehen Neuropathien? Sie entstehen indirekt. Das bedeutet, dass die Beschädigung eines Astes des Trigeminus die Übertragungseigenschaften der benachbarten Äste dramatisch steigert.

2 Replies to “So wird systematische Trigeminus Neuropathie Forschung betrieben”

  1. Trigeminudneuropathie
    Hallo Herr Wagner,
    ich bin betroffenen vom neuropathischem Schmerz der rechten Gesichtshälfte.
    Alle drei Äste sind betroffen. 2011 wurde ein Amyloidom (Solitärgewächs) auf dem Ganglon Gasseri chirurgisch entfernt.
    Seit dem sind die Beschwerden kaum noch auszuhalten- Kribbeln und Brennen.
    Lyrica in hoher Dosis bringt Linderung.
    Amitryptillin oder Opioide sind nicht hilfreich. Gibt es neue Ansätze zur Behandlung? Wissen sie etwas darüber?
    Lidocain-Injektionen vielleicht?
    Bin 47 Jahre alt und gesund.
    Können Sie mir weiterhelfen oder mir einen Spezialisten empfehlen.
    Gibt es vielleicht auch weitere Fälle meiner Art, die in ihrer Therapie Erfolge hatten? Keiner meiner Ärtzte hatte soetwas noch nie gehört.
    Würde mich über eine Antwort sehr freuen
    Mit freundlichen Grüßen
    Stefanie Geimer

  2. Neuropathischen Schmerzen
    Hallo,

    von der Operation habe ich auch gehört und eine Betroffenen erzählte mir , sie habe zusätzliche Schmerzstellen im Gesicht. Die Lidocain Infusionen sind hilfreich, leider macht dies hier in München kein Schmerztherapeut, es ist ihnen zu gefährlich. Das Procain wirkt nicht so gut. Ich hatte mir vier Zähne ziehen lassen wegen der Schmerzen. Jetzt ist die linke

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