Neuropathischer Schmerz in Unterkieferzähnen kann von tiefer Halsmuskulatur ausgelöst werden

cervikaler plexus

Tohoku J Exp Med. 2006 Sep;210(1):41-7.

Zervikale Plexusblockade hilft bei der Diagnose von orofazialen Schmerzen mit dem Ursprung in zervikalen Strukturen

Source

Department of Oral Diagnosis, Nihon University School of Dentistry, Tokyo, Japan.

Zusammenfassung

Kopfschmerzen, die mit Beschwerden im Hals/Nacken einhergehen, werden zervikogene Kopfschmerzen genannt und betreffen [üblicherweise] den Hinterkopf, nicht aber den Mund/Gesichtsbereich. Allerdings präsentieren sich gelegentlich Patienten mit Schmerzen im Mund, die durch  Hals/Nacken Symptome begleitet werden.
Diese Studie untersucht, ob solche orofazialen Schmerzen vom Hals stammen können und ob ein Plexus cervicalis Block bei der Diagnose helfen kann.
Wir nahmen acht Patienten mit chronischen orofazialen Schmerzen, die durch zahnärztliche Behandlung nicht zu lindern waren. Die Röntgen-und Kernspintomographie ergab auffällige Befunde im Hals in sieben von ihnen. Um den Ursprung der orofazialen Schmerzen identifizieren zu können, blockierten wir zunächst den peripheren sensorischen Input aus der Mundhöhle und des umgebenden Gewebes, danach das von tiefen Hals Strukturen. Wir injizierten also zuerst Lokalanästhetika um die schmerzhaften orofazialen Stellen, dann die Triggerpunkte der Kau-und oberflächlichen Halsmuskulatur (Triggerpunkt Injektion), und schließlich um den Plexus cervicalis herum.
Der Schmerz wurde anhand eines Schmerzlinderung Maßstabs verglichen mit den Kontrollwerten vor der Behandlung. Die örtliche Betäubung im schmerzhaften oralen Bereich führte nur zu einer unzureichenden Linderung, während die Triggerpunkt Injektion die Schmerzen bereits signifikant milderte. Die beste Schmerzlinderung wurde durch den tiefen zervikalen Plexus Block erzeugt und  fiel deutlich stärker aus als bei allen anderen Verfahren.
Daraus schließen wir, dass bestimmte Arten von orofazialen Schmerzen von Strukturen im tiefen Hals stammen und dass ein tiefer Plexus cervicalis Block  hilfreich sein kann bei der differentiellen Diagnostik solcher Schmerzen.

PMID:
16960344
[PubMed – indexed for MEDLINE]
 
 
Tohoku J Exp Med. 2006 Sep;210(1):41-7.

Cervical plexus block helps in diagnosis of orofacial pain originating from cervical structures.

Source

Department of Oral Diagnosis, Nihon University School of Dentistry, Tokyo, Japan.

Abstract

Headache associated with cervical lesions is called cervicogenic headache and involves the occiput but not the orofacial region. However, patients occasionally present with orofacial pain accompanied by neck symptoms. This study investigates whether orofacial pain can originate from the neck and whether cervical plexus block can help in diagnosis. We enrolled eight patients suffering from chronic orofacial pain that had not been relieved by dental treatment. Radiographic and magnetic resonance imaging revealed abnormal findings in the neck in seven of them. To identify the origin of the orofacial pain, we firstly blocked peripheral sensory input from the oral cavity and surrounding tissues, followed by that from deep cervical structures. We injected local anesthetics around the painful orofacial region, then to the tender points in the masticatory and superficial cervical muscles (trigger point injection), and consequently around the cervical plexus. Pain was assessed using a pain relief score compared with pre-treatment control values. Local anesthesia in the painful oral region provided insufficient relief whereas trigger point injection significantly relieved pain. The amount of pain relief generated by the deep cervical plexus block was more significant than that produced by any other procedures. We conclude that certain types of orofacial pain originate from cervical structures and that a deep cervical plexus block can be helpful in differentially diagnosing such pain.

PMID:
16960344
[PubMed – indexed for MEDLINE]

Kommentar

Zum Einordnen dieser japanischen Arbeit von 2006 sollte man sich klarmachen, dass wir es hier mit einer sogenannten Fallstudie zu tun haben. Deren Beweiskraft ist per se eher niedrig, weil die Forscher nicht angeben, aus wieviel hundert ähnlicher Fälle sie ihre vorgestellten 8 Patienten ausgewählt haben.

Aus der Erfahrung meiner Schmerzberatung behaupte ich, dass nur eine Minderheit von Dauerschmerzpatienten in die Kategorie fällt: Ursprung der Schmerzen aus der tiefen Halsmuskulatur. Deshalb sollten sich die mitlesenden Patienten nicht allzu große Hoffnung machen, dass mit einer Betäubung des zervikalen Plexus ihre Schmerzen im Mund verschwinden.

Ich habe die Arbeit in erster Linie deshalb hier eingestellt, weil im frei zugänglichen Volltext der Studie in der Abteilung „Diskussion“ von den Autoren herausgestellt wird, dass vermutlich verlängerte Anteile der Trigeminus Kerne im Stammhirn (Nucleus caudalis) direkten neuralen Kontakt mit dem Plexus cervicalis haben. Das macht verständlich, warum eine Lokalanästhesie praktisch in der Nähe der Trigeminus Kerne den Schmerz im Mund auflöst.

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