Instrumentelle Funktionsanalyse nicht geeignet zur Diagnose einer Diskus Dislokation

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Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol. 2012 Oct;114(4):457-63. doi: 10.1016/j.oooo.2012.04.016.

Instrumentelle Funktionsanalyse von Kieferbewegungen ist nicht genau genug, um einen in der Magnetresonanztomographie diagnostizierten Kiefergelenks (TMJ) Erguss oder Diskusverlagerung zu erkennen: Ergebnisse einer Validierungsstudie

Quelle
TMD Klinik, Abteilung für Kieferchirurgie der Universität Padova, Padova, Italien. Elektronische Adresse: daniele.manfredini @ tin.it.

Zusammenfassung

ZIEL:
Das Ziel dieser Studie war es, eine Validierungsstudie durchzuführen,  zur Beurteilung der Korrelation zwischen Magnetresonanz (MR) Ergebnisse der Kiefergelenks (TMJ) -Diskusverlagerung und -Erguss und einigen Parametern der Funktionsanalyse der Kieferbewegung (KG), d.h. Ablenkung, Abweichung, Einkerbungen [der Kondylenbahn].

STUDIENDESIGN:
31 Patienten mit TMJ Störungen unterzogen sich einer instrumentellen Funktionsanalyse am gleichen Tag, an dem auch die MR durchgeführt wurde. Darauf wurden Regressionsanalysen erstellt, um die Korrelation zwischen den MR und KG Befunden zu beurteilen.

ERGEBNISSE:
Die MR Befunde waren nicht mit KG-Parameter (P> 0,05) korreliert. Die Genauigkeit aller KG Variablen für  die in MR erkannten Diagnosen war gering. Die KG Ablenkung reichte von 38,7% bis 54,8%, die KG Abweichung von 42% bis 54,8%, und die KG Einkerbungen [der Kondylenbahn] von 9,6% bis 71%. Die Spezifität und der positive prädiktive Werte waren weit entfernt vom akzeptablen Niveau bei allen KG Variablen.

FAZIT:
Die Ergebnisse unterstützen nicht die Nützlichkeit von Kiefer-Tracking-Geräten in Zahnarztpraxen die sich mit der Diagnose und Behandlung von Temporomandibulären Störungen (TMD) befassen.

 

Oral Surg Oral Med Oral Pathol Oral Radiol. 2012 Oct;114(4):457-63. doi: 10.1016/j.oooo.2012.04.016.

Kinesiographic recordings of jaw movements are not accurate to detect magnetic resonance-diagnosed temporomandibular joint (TMJ) effusion and disk displacement: findings from a validation study.

Source

TMD Clinic, Department of Maxillofacial Surgery, University of Padova, Padova, Italy. Electronic address: daniele.manfredini@tin.it.

Abstract

OBJECTIVE:

The aim of this study was to perform a validation study assessing the correlation between magnetic resonance (MR) findings of temporomandibular joint (TMJ) disk displacement and effusion and some parameters drawn from kinesiographic (KG) recordings of jaw motion, i.e., deflection, deviations, incisures.

STUDY DESIGN:

Thirty-one patients with TMJ disorders underwent a kinesiographic recording in the same day in which the MR was performed. Regression analysis was performed to assess the correlation between the MR and KG findings.

RESULTS:

MR findings were not correlated with KG parameters (P > .05). The accuracy of all KG variables for diagnosing MR-detected signs was low. KG deflection ranged from 38.7% to 54.8%, KG deviation from 42% to 54.8%, and KG incisures from 9.6% to 71%. Specificity and positive predictive values were far from acceptable levels for all KG variables.

CONCLUSIONS:

The findings do not support the usefulness of jaw-tracking devices in dental practices that diagnose and manage temporomandibular disorders.

 

Bewertung

Dr. Daniel Manfredini gehört zu den ausgewiesenen Profis der TMD (in Deutschland noch hartnäckig „CMD“ genannt) Forschung in Europa. Der Mann steht für saubere empirische Forschung, die sich von überkommenen Vorstellungen über die Herkunft von Schmerzen um das Kiefergelenk lange freigeschwommen hat. Darum kennt man ihn Deutschland auch praktisch nicht. Manfredini würde bei den einschlägigen „CMD“ Kongressen hierzulande zu garstig stören.

Vom staatlichen DIMDI Institut in Köln (jetzt Berlin) hat die Deutsche Gesellschaft für Funktionsdiagnostik- und therapie (DGFTD) bereits 2010 bescheinigt bekommen, dass für die sogenannte „instrumentelle Funktionsdiagnostik“ des Kiefergelenks keinerlei wissenschaftliche Beweise für ihren Nutzen am Patienten vorliegen. Dazu gibt es einen 61-seitigen Bericht des DIMDI mit ausführlichen wissenschaftlichen Belegen, siehe auch mein Artikel Beerdigung 2. Klasse für die instrumentelle Funktionsanalyse

Und nun zeigt Dr. Manfredini auch noch, dass die instrumentelle Funktionsanalyse nicht einmal dafür taugt, Blutergüsse und/oder Verlagerungen der Gelenkscheibe zu diagnostizieren. Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Wir wissen schon lange, dass die instrumentelle Funktionsanalyse bei einer M-TMD (= muskuläre TMD, wovon min. 50 aller „CMD“ Fälle betroffen sind) nichts zur Diagnostik beitragen kann, weil das Kiefergelenk damit nichts zu tun hat. In der wissenschaftlichen Systematik RDC/TMD entspricht das der Diagnosegruppe1. Dass die instrumentelle Funktionsanalyse aber auch bei der Diagnosegruppe 2 (= im MRT nachgewiesene Veränderungen im Kiefergelenk) versagt, das wußten wir noch nicht. Jedenfalls nicht so genau.

Fazit

Das war der letzte Sargnagel für das Lieblingsspielzeug der DGFTD . Zeit zum Aufwachen, wenn Sie mich fragen.

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