Schmerzbetäubung sehr stark und ewig lang

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Grafik 1

Dqx314ie Höhe der Säulen gibt den Strom durch die Nervzellenwand wieder, zeigt also keine Spannung an. In einer Spannungswiedergabe würden die Unterschiede noch drastischer ausfallen. Zu sehen ist hier, dass der relative Strom bei der Einzelanwendung von QX-314 oder Capsaicin ungefähr gleich 1,0 ist, also wie bei keiner Medikamentenanwendung. Bei gleichzeitiger Gabe von QX-314 und Capsaicin bewegt sich der Strommesser für jeden sichtbar nach unten.

 

 

 

Zuerst die Kurz Version

Vom Lidocain (= Urvater aller heute angewendeten örtlichen Betäubungsmittel, auch beim Zahnarzt) gibt es seit Jahrzehnten eine sogenannte quaternäre Abwandlung mit Namen QX-314. Dieses Material betäubt nicht direkt, wenn man es neben einem Nerv verteilt und zwar deshalb, weil es elektrisch geladen ist, im Gegensatz zu Lidocain.

 Gibt man aber QX-314 und Capsaicin (= Wirkstoff vom Cayenne Pfeffer) in die Nähe eines Nerven, dann öffnet Capsaicin den sogenannten Ionenkanal TRPV1 (= Transient Potential Receptor Vanilloid 1; nicht stören an TRP statt TPR, stimmt so) und das QX-314 fließt in die Nervzelle und macht anschließend einen Ausfall der Leitfähigkeit von innen. Das was Lidocain direkt kann. Aber nicht so lang und nicht so zielgenau. Beim Menschen wären geschätzte 5 Tage komplette Schmerzbetäubung mit einer Spritze denkbar.

 


 
Pain. 2010 Jul;150(1):29-40. doi: 10.1016/j.pain.2010.02.016. Epub 2010 Mar 16.

Gezielt gegen Schmerzen im Trigeminus-System.

Source

National Research Laboratory for Pain, Dental Research Institute und Department of Physiology School of Dentistry, Seoul National University, Seoul 110-749, Republik Korea.

Zusammenfassung

Wir testeten, ob es möglich ist, Schmerzsignale im orofazialen Bereich selektiv zu blockieren durch die Anwendung von permanent geladenem Lidocain Derivat QX-314 an Nozizeptoren über TPRV1 Kanäle. Wir untersuchten die Auswirkungen der Zusammenarbeit von QX-314 und Capsaicin auf nozizeptive, propriozeptive und motorische Funktionen im Trigeminus-System der Ratte.

QX-314 allein ist nicht in der Lage, spannungsabhängige Natrium-Kanal-Ströme (I (Na)) und Aktionspotentiale (APs) in Trigeminusganglion (TG) Neuronen zu blockieren. Jedoch blockiert die Co-Applikation von QX-314 und Capsaicin I (Na) und APs in TRPV1-positiven TG und zahnmedizinischen nozizeptiven Neuronen, aber nicht in TRPV1-negative TG Neuronen oder in kleinen Neuronen von TRPV1-Knock-out-Mäusen.

Die Immunohistochemie zeigt, dass TRPV1 nicht in  Trigeminus-Motor und Trigeminus mesencephalen Neuronen exprimiert werden. Capsaicin hatte keinen Einfluss auf die Trigeminus-Motor und propriozeptiven mesencephalen Nervzellen der Ratte und sollte daher QX-314 nicht erlauben, in diese Zellen zu gelangen.
Die Co-Anwendung von QX-314 und Capsaicin hemmte den Kieferöffnungs- Reflex ausgehend von einer schädlichen elektrische Stimulation der Zahn Pulpa, wenn man diese an einem sensorischen, nicht aber an einem motorischen Nerv anlegte. Dazu erzeugte die Anwendung von QX-314 und Capsacicin eine dauerhafte Analgesie im orofacialen Bereich.

Diese Daten zeigen, dass ein selektiver Block von Schmerz-Signale durch die Co-Applikation von QX-314 mit TRPV1-Agonisten erreicht werden kann. Dieser Ansatz hat das Potenzial, wertvolle Dienste im Trigeminus-System zur Behandlung von Zahn-und Gesichtsschmerzen zu leisten.

PMID:
20236764
[PubMed – indexed for MEDLINE]
Pain. 2010 Jul;150(1):29-40. doi: 10.1016/j.pain.2010.02.016. Epub 2010 Mar 16.

Selectively targeting pain in the trigeminal system.

Source

National Research Laboratory for Pain, Dental Research Institute and Department of Physiology School of Dentistry, Seoul National University, Seoul 110-749, Republic of Korea.

Abstract

We tested whether it is possible to selectively block pain signals in the orofacial area by delivering the permanently charged lidocaine derivative QX-314 into nociceptors via TPRV1 channels. We examined the effects of co-applied QX-314 and capsaicin on nociceptive, proprioceptive, and motor function in the rat trigeminal system. QX-314 alone failed to block voltage-gated sodium channel currents (I(Na)) and action potentials (APs) in trigeminal ganglion (TG) neurons. However, co-application of QX-314 and capsaicin blocked I(Na) and APs in TRPV1-positive TG and dental nociceptive neurons, but not in TRPV1-negative TG neurons or in small neurons from TRPV1 knock-out mice. Immunohistochemistry revealed that TRPV1 is not expressed by trigeminal motor and trigeminal mesencephalic neurons. Capsaicin had no effect on rat trigeminal motor and proprioceptive mesencephalic neurons and therefore should not allow QX-314 to enter these cells. Co-application of QX-314 and capsaicin inhibited the jaw-opening reflex evoked by noxious electrical stimulation of the tooth pulp when applied to a sensory but not a motor nerve, and produced long-lasting analgesia in the orofacial area. These data show that selective block of pain signals can be achieved by co-application of QX-314 with TRPV1 agonists. This approach has potential utility in the trigeminal system for treating dental and facial pain.


   

Kommentar

 Natürlich ist die Idee zur isolierten Betäubung von Schmerzfasern mit Hilfe der Kombination QX-314 plus Capsaicin den koreanischen Dentalforschern nicht einfach so in das Hirn gefallen. Dazu gibt es reichlich Forschung vorher, u.a. auch solche, die zeigen kann, dass die Kombination aus QX-314 plus Capsaicin plus Lidocain noch bessere Ergebnisse vermuten lassen. 

Die Vorteile dieser Chemiekombination wären, dass a) nur die Schmerzleitung ausgeknipst würde und nicht – wie heute bei jeder lokalen Betäubung – auch alle anderen Empfindungen wie Tast-, Temperatur- und Bewegungssinn verloren gehen und b) die Dauer der Anästhesie drastisch erhöht werden könnte.

Verschwiegen werden darf aber nicht, dass QX-314 bei der Anwendung im Wirbelkanal (= intrathekal) bei der Ratte konzentrationsabhängig Todesopfer verursacht hat. Daher wird wohl der Anwendung am Menschen noch eine längere klinische (= menschliche) Kleinserienforschung vorausgehen müssen.

 

Literatur
 
Kim, Hyun Yeong, Kihwan Kim, Hai Ying Li, Gehoon Chung, Chul-Kyu Park, Joong Soo Kim, Sung Jun Jung, u. a. „Selectively Targeting Pain in the Trigeminal System“. Pain 150, Nr. 1 (Juli 2010): 29–40. doi:10.1016/j.pain.2010.02.016.

 

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