Erste CMD Ideologen wechseln die Front

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Seit 1992 gibt es das wissenschaftliche Diagnose Schema „RDC/TMD“ für Schmerzen im Bereich Kiefergelenke und Kiefermuskulatur. Aus den USA kommend eroberte es sich weltweit den Status als amtliche Diagnose Leitlinie, nur nicht in Deutschland und Österreich. Das ändert sich gerade. Die ersten „CMD“ Ideologen, die bisher das amerikanische System mit großen Scheuklappen ausgeblendet haben, wechseln nun die Seiten.

 

ahlersdepression

 

Nach jahrzehntelangem Betonen der Wichtigkeit von Computer gestützten Gelenkaufzeichnungen hat Dr. O. Ahlers, Hamburg , ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) nun im Jahre 2012 den oben abgebildeten Fragebogen selbst zusammengeschrieben. Genannt hat er ihn „DASS“ = Depression, Angst und Stress. Selbstverständlich beansprucht der Autor dafür sein Copyright, dieser Fragebogen soll also nur entgeltlich vom genannten Kollegen bezogen werden.

 

Leicht unverschämt

Zahnfilm.DE trommelt hier im Blog seit Jahren für die Anerkennung der Diagnosekriterien „RDC/TMD“ in der universitären Ausbildung und den Fachgesellschaften. Es gibt mehrere wichtige Gründe dafür:

  1. Die RDC/TMD Diagnoseklassen sind einfach und eindeutig. 1. Muskulatur bedingte Schmerzen, 2. Vom Kiefergelenk direkt verursachte Schmerzen, die aber im MRT sichtbar sein müssen, wie z.B. Arthrose
  2. Die Einbeziehung der psychiatrischen Auffälligkeiten beim Auftreten von TMD. Dem trägt die Klassifizierung nach RDC/TMD seit 1992 bereits durch die Achse II Rechnung.
  3. Die endgültige Abkehr von der obsoleten Theorie, dass die Okklussion eine wichtige Rolle beim Entstehen und Unterhalt einer TMD spielen würde.

 

Was macht Deutschland stattdessen an der Universität und in fast allen wissenschaftlichen Fortbildungen beim Thema TMD (= „CMD“)? Von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, will der Germane bis heute nichts von den international etablierten Diagnose Schemen wissen. Oder im Falle des Kollegen Ahlers zumindest so tun, als ob er keinen Blick über den Atlantik gewagt hätte.

Wir müssen also annehmen, dass dem Macher des Fragebogens s.o. a) ganz von alleine seine 21 Fragen  (z.B. „Ich hatte das Gefühl, dass ich mich auf nichts mehr freuen konnte“ eingefallen sind, b) ihm die 3 bis 4 relevanten psychiatrischen Erkrankungen plötzlich erleuchtet wurden und c) er dazu den Überblick über die Validierbarkeit frischer selbstgedengelter Fragebögen in einem schon besetzten Gebiet hat.

Sozusagen die Neuauflage der Achse II Diagnosekriterien der RDC/TMD als rein deutsche Nacherfindung. Damit man auch sagen kann, wir waren dabei, beim Forschen und Entwickeln.

Betrachtet man aber den sagenhaft kleinen Wendekreis des Fragebogen Autors s.o., drängt sich jedoch die Vermutung auf, dass einfach abgekupfert wurde. Der entscheidende Gedanke, dass bei der Diagnose von Schmerzen im Kiefergelenksbereich auch die Psychologe/Psychiatrie ein wichtiges Wort mitzureden hat, ist ein US-amerikanischer.  Und bis vor kurzem haben sich alle „CMD“ Fachleute hierzulande mit Händen und Füßen geweigert, das auch nur zur Kenntnis zu nehmen.

Dass der Trend jetzt langsam dreht, ist zu begrüßen. Wenn aber die gleichen Leute, die vorher die Scheuklappen richtig fest sitzen hatten, jetzt so tun, als hätten sie schon immer so gedacht und hätten womöglich auch noch Sacharbeit ganz vorne geleistet, dann begrüße ich das nicht.

One Reply to “Erste CMD Ideologen wechseln die Front”

  1. RE: Erste CMD Ideologen wechseln die Front
    Ich wundere mich weniger über die Tatsache, dass bis heute (einen Monat nach Veröffentlichung) schon 27 mal die Bewertung „grauenhaft“ für meinen Aufsatz angeklickt wurde, als darüber, dass keiner der Bewerter etwas dazu schreiben will.
    Da wollen sich wohl alle bedeckt halten, Behandler wie Patienten. Ich verstehe das.

    Viele Grüße Joachim Wagner

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