Humanmediziner werden stärker privatisieren

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Mein Freund Allgemeinmediziner H.W.H. (54 Jahre) war kürzlich zu einer Besprechung von interdisziplinären Anstrengungen bei schwierigen Gesichts/Kiefer/Gelenkschmerzen in meiner Praxis. Geplant ist eine Kooperation von einem Allgemeinmediziner, einem Zahnarzt, einem Orthopäden und einer engagierten Zahntechnikerin. Dr. H.W.H. hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht mit der gezielten Erkennung von psychiatrischen Störungen als eigentlicher Grund des Arztbesuches. So weit, so gut.

Warum denn jetzt diese Zusatzarbeit, wo doch die Allgemeinmediziner immer überlastet sind und sowieso schon die 50 Stundenwoche haben, war meine Frage. Geld, ist die Antwort. H.W.H. hat jetzt einen ganzen Arbeitstag nur noch für Privatpatienten reserviert, und einen Nachmittag für seine Akupunktur Sitzungen. Die Spezialisierung auf "Kiefergelenksschmerzen" soll jetzt ein weiteres privates Standbein werden. Die Arbeitsbedingungen im Kassenbereich werden fortlaufend verschlimmbessert und bei der Massenabfertigung ist gute Arbeit kaum noch leistbar. Die Kopfpauschalen und Arzneibudgets verbessern die Misere nicht gerade.

Das sagt ein Mann, den ich lange kenne und der viel soziales Engagement gezeigt hat. Ich denke aber auch, dass es fairer für die Patienten ist, ihnen die Alternative zum  Weiterzuwursteln in einem völlig undurchsichtigen Abrechnungsdschungel anzubieten. Die Alternative zur 5 Minutenkassenmedizin kann eben nur eine Privatbehandlung sein. Die sollte sachlich und wissenschaftlich korrekt sein, und die Gewinnorientierung sollte durchschaubar bleiben. Also keine 10 Sitzungen "Traumeelinjektion" (Placebozeug) für Euro 840,–, wie kürzlich im Implantatforum, sondern 75,– bis 200,– Euro die Stunde wäre patientenorientiert.

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